Der evangelische Landesbischof Christian Kopp warnt vor demokratie- und kirchenfeindlichen Positionen der AfD.
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Der evangelische Landesbischof Christian Kopp warnt vor demokratie- und kirchenfeindlichen Positionen der AfD.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Armin Weigel
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Landesbischof bricht Lanze für den Wehrdienst und warnt vor AfD

Landesbischof bricht Lanze für den Wehrdienst und warnt vor AfD

Die AfD vertrete demokratie- und kirchenfeindliche Positionen, warnt der evangelische Landesbischof Christian Kopp im Münchner Presseclub. Den zur Musterung gerufenen empfiehlt Kopp, das Beratungsangebot der Kirche in Anspruch zu nehmen.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Wehrdienst, Kommunalwahl und Kirchenfinanzen: Das waren die drei großen Themen beim Besuch des evangelischen Landesbischofs Christian Kopp im Münchner Presseclub. Ist die AfD für Protestantinnen und Protestanten wählbar? Wie will die evangelische Kirche junge Männer und Frauen beim Thema Wehrpflicht zur Seite stehen? Und wie geht es weiter, mit einer evangelischen Landeskirche, die Mitglieder verliert und an vielen Stellen finanziell den Rotstift ansetzen muss?

Landesbischof Kopp hat selbst Wehrdienst geleistet

Nach der seit Jahresanfang geltenden Wehrdienstreform müssen alle jungen Männer ab Jahrgang 2008 einen Fragebogen ausfüllen und anschließend zur Musterung erscheinen, auch Frauen bekommen den Brief. Vor einer Woche hieß es aus Regierungskreisen, etwa ein Viertel habe den Fragebogen bereits beantwortet. Anschließend können sich die Männer aber freiwillig entscheiden, ob sie Wehrdienst leisten oder nicht. Das Thema Wehrpflicht werde innerhalb der evangelischen Kirche kontrovers diskutiert, meint Landesbischof Christian Kopp im Münchner Presseclub: "Natürlich steht bei uns an das Bibelwort erster Stelle: "Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Aber die Grundidee, dass es um den Frieden und Friedenserhaltung geht, steckt für mich auch hinter dem Wehrdienst."

Bei dem Thema wird Kopp auch sehr persönlich. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Münchner Presseclubs erzählt der evangelische Landesbischof, dass sein Vater und alle anderen Verwandten um ihn herum Zivildienstleistende gewesen seien: "Ich habe dann bewusst Wehrdienst gemacht. So ganz sinnvoll fand ich diese Zeit jetzt nicht und doch bin ich davon überzeugt, dass ein Land wie Deutschland eine Bundeswehr braucht zur Verteidigungsfähigkeit."

Evangelische Kirche fährt Beratung hoch

Teile seiner Kirche, vor allem diejenigen, die aus der Friedensbewegung kämen, sähen das aber womöglich anders, meint Kopp. Damit die jungen Erwachsenen, die nun den Fragebogen zum Wehrdienst per Post aus dem Verteidigungsministerium bekommen, nicht allein stünden, habe die Landeskirche zu Jahresbeginn alle jungen 17- und 18-jährigen Männer und Frauen evangelischen Glaubens angeschrieben, so der Kirchenverantwortliche Landesbischof: "Der Brief hatte zwei Hauptbotschaften. Du bist nie allein - und wenn du dich mit dem Freiwilligendienst und dem Wehrdienst beschäftigst, gibt es jemanden, mit dem du reden kannst." Die evangelische Kirche hätte immer schon Beratungsstellen zur Wehrpflicht und Verweigerung gehabt und werde diese in Bayern nun auch reaktivieren.

Mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl am 8. März in Bayern appelliert Landesbischof Christian Kopp, wählen zu gehen: "Einer der Schlüssel für die Demokratie ist Beteiligung. Und diese Demokratie haben uns unsere Vorfahren geschenkt, überlassen. Es ist unsere Aufgabe, die Demokratie zu bewahren."

Kopp: AfD vertritt demokratiefeindliche Positionen

Zur AfD sagt der evangelische Landesbischof: "Es muss klar gesagt werden, dass Positionen, die die sogenannte Alternative für Deutschland vertritt, schlicht und einfach demokratiefeindlich sind." In der Ankündigung für den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt sei eine ganz klare Kirchenfeindlichkeit im Parteiprogramm notiert. "Die wollen alles dafür tun, dass die katholische und die evangelische Kirche keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen."

Auch das war Thema im Münchner Presseclub: Am 27. Januar gab die Landeskirche bekannt, ab Ende des Jahres das Geld für den Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV), ersatzlos zu streichen, um 2,6 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Nur ein Teil des Geldes wird umgeschichtet, um beispielsweise Stellen im Landeskirchenamt zu finanzieren. Von den Streichungen betroffen sind wohl die Wochenzeitung "Sonntagsblatt" und andere journalistische Angebote. Ausgenommen ist die Nachrichtenagentur epd. Auf die geplante Kürzung angesprochen, hob Kopp die Bedeutung der evangelischen Publizistik hervor. Kirche brauche auch in Zukunft unbedingt kritische journalistische Arbeit. Es sei nie darum gegangen, finanzielle Unterstützung komplett einzustellen, sagt Kopp und kündigt baldige Gespräche zwischen der Landeskirche und dem Evangelischen Presseverband an.

Traditionell stellt sich der evangelische Landesbischof genauso wie sein katholischer Amtskollege, der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx einmal im Jahr den Fragen der Presse im Münchner Presseclub.

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