Die Synode der evangelischen Landeskirche hat eine neue Präsidentin: Mit 76 Stimmen wurde die Münchner Synodale Tanja Keller bei der Frühjahrstagung des evangelischen Kirchenparlaments am Montag in Bayreuth in das Spitzenamt gewählt. Tanja Keller löst die bisherige Präsidentin Annekathrin Preidel ab.
"Ich bin überwältigt - gemeinsam werden wir die Synode auf einen guten Weg bringen", sagte die 60-Jährige nach der Wahl. Bei ihrer Bewerbungsrede vor den 108 Synodalen hatte sie betont, dass sie Wege finden wolle, "die für alle gangbar sind". Sie verglich das Amt der Präsidentin mit dem einer Pilgerbegleiterin. Allerdings: in der anstehenden Amtsperiode der Landessynode wird es in der evangelischen Landeskirche vor allem ums Sparen gehen, sowohl bei Pfarrstellen als auch bei Kirchengebäuden.
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Herzensthemen: Umwelt, Demokratie, Frauenrechte
Als Herzensthemen nannte die neue Präsidentin im Gespräch mit dem Evangelischen Nachrichtendienst (epd) Umweltfragen, Demokratie und Menschenwürde sowie Spiritualität und die Gleichberechtigung von Frauen. Um das Ehrenamt auszuführen, will sie ihre Arbeit als Richterin am Arbeitsgericht Regensburg auf eine halbe Stelle reduzieren. Die Mutter zweier erwachsener Töchter wohnt in München. Ihre Kindheit hat sie in Afrika verbracht. In der evangelischen Kirche ist sie seit rund 25 Jahren engagiert.
Als junge Juristin im bayerischen Sozialministerium hat sie am bayerischen Gleichstellungsgesetz mitgeschrieben, das am 1. Juli 1996 in Kraft trat. "Darauf bin ich stolz", sagt Keller rückblickend. Am Thema Gleichberechtigung will sie dranbleiben. Die evangelische Landeskirche hat vor eineinhalb Jahren eine flexible Frauenquote von 40 bis 60 Prozent in Führungspositionen beschlossen. Keller sagt: "Jetzt müssen wir am Thema dranbleiben und sie in die Tat umsetzen."
Keller für "mehr Augenhöhe" mit anderen Leitungsorganen
Im Vorfeld der Synode sagte die Münchnerin, dass sie sich "mehr Augenhöhe mit den anderen Leitungsorganen wie dem Landeskirchenrat" wünsche. Die sogenannten "Synodalen", die Abgeordneten des Kirchenparlaments, sind teils haupt-, teils ehrenamtlich engagierte Christinnen und Christen. Um gute Entscheidungen für die Zukunft der evangelischen Kirche zu treffen, wünscht sich Richter einen guten Informationsfluss zwischen Landesbischof und Synode. "Die Synode ist nach meiner Wahrnehmung zuletzt ein bisschen abgehängt worden. Meine Motivation ist, dass wir das wieder besser hinkriegen", sagte sie dem Online-Magazin evangelisch.de.
Keller ist als Präsidentin der Landessynode zugleich Vorsitzende des Landessynodalausschusses (LSA). Dieser zählt zusammen mit der Synode, dem Landeskirchenrat und dem Landesbischof zu den vier kirchenleitenden Organen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
Mit Informationen von epd
Im Video: Treffen der neu gewählten Landessynode
Die Synode der evangelischen Landeskirche tagt in Bayreuth.
Im Video: Evangelische Kirche - Tagung der Landessynode in Bayreuth
Evangelische Kirche - Tagung der Landessynode in Bayreuth
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