Stadtansicht von München: Die Lukaskirche, die größte evangelische Kirche Münchens. Dunkel bewölkter Himmel
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Düstere Aussichten: Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland verlieren weiterhin an Mitgliedern.
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | SandraAlkado
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Düstere Aussichten: Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland verlieren weiterhin an Mitgliedern.

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"Schmerzt uns" – Zehntausende verlassen Kirchen in Bayern

"Schmerzt uns" – Zehntausende verlassen Kirchen in Bayern

Die beiden großen Kirchen haben ihre jährliche Statistik veröffentlicht. Demnach verlieren sie weiter Mitglieder. In Bayern sind noch vier von zehn Menschen katholisch. Die evangelische Kirche trifft es stärker.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Informationen am Mittag am .

81.852 Menschen haben in Bayern im vergangenen Jahr die katholische Kirche verlassen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Statistik der Deutschen Bischofskonferenz hervor. Es sind etwas weniger als im Vorjahr: 2024 waren es 87.184 gewesen. Die Austrittszahlen sanken damit im dritten Jahr in Folge. Laut der Kirchenstatistik gehören noch rund 5,4 Millionen Menschen in Bayern der katholischen Kirche an. Das sind rund 41 Prozent der Bevölkerung.

Die evangelische Landeskirche in Bayern meldet mit rund 42.000 mehr Austritte als im vergangenen Jahr. 2024 waren es 39.486 gewesen. Die Mitgliederzahl rutscht damit 2025 unter die Zwei-Millionen-Marke: So sind 1.968.531 Menschen in Bayern protestantisch.

Landesbischof Kopp: "Phase tiefgreifender Veränderungen"

"Die rückläufigen Mitgliederzahlen zeigen deutlich, dass sich unsere Kirche in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet", sagte Christian Kopp, Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern. "Das fordert uns heraus, Kirche zu profilieren und zu fragen, wie wir für die Menschen da sein können."

Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan, sagte, die Zahl der Kirchenaustritte "schmerzt uns, und wir bedauern es sehr". Dennoch sei er überzeugt, dass "wir gute Angebote haben, mit denen wir für die Menschen da sein wollen, ihnen Halt und Orientierung geben können, zumal in diesen krisenhaften Zeiten".

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl sagte, die sinkenden Austrittszahlen seien kein Grund zur Entwarnung, aber ein Hinweis darauf, dass die Missbrauchsaufarbeitung und damit verbundene Reformprozesse in der Kirche anerkannt würden.

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Über 120.000 Austritte: So viele Menschen traten 2025 aus der evangelischen und katholischen Kirche in Bayern aus.

Kirchenrechtler: "Das ist Augenauswischerei"

Anders bewertet der Kirchenrechtler Thomas Schüller die Zahlen. Er kritisierte mit Gespräch mit BR24 Aussagen, wonach sinkende Austrittszahlen bei der katholischen Kirche ein positives Signal seien: "Das ist Augenwischerei", so Schüller. "Wir sind immer noch auf einem hohen Plateau. Das sind Austrittszahlen in der Größe einer Stadt wie Bielefeld." Als deutliches Zeichen bewertete Schüller auch die sinkenden Taufzahlen. Es bestehe kein Grund für Entwarnung, vielmehr schlage sich der Vertrauensverlust der Menschen in die Kirche in diesen Zahlen nieder, so der Experte.

Das schwindende Interesse zeigt sich auch bei den Gottesdiensten: Bei beiden Kirchen sind die Zahlen hier rückläufig. Auch kirchliche Trauungen und Bestattungen sind weniger gefragt, wie aus der Statistik der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht.

Auch bundesweit verlieren beide Kirchen Mitglieder

Auch bundesweit verlieren beide Kirchen weiter Mitglieder. 2025 haben 307.117 Menschen die katholische Kirche verlassen. Weniger als 2024: Damals traten 321.659 aus. Die Zahl der Kirchenaustritte bei der evangelischen Kirche lag mit rund 350.000 auf dem Niveau des Vorjahres, als 351.664 die evangelische Kirche verließen.

Der katholischen Kirche gehören bundesweit noch 19,2 Millionen Menschen an, der evangelischen Kirche rund 17,4 Millionen. Rund vier von zehn Deutschen waren 2025 Mitglied in der beiden Kirchen.

Beiden Kirchen müssen durch die sinkenden Mitgliederzahlen mit weniger Einnahmen durch die Kirchensteuer rechnen. Sparen wollen die Kirchen unter anderem beim Personal und dem Unterhalt von Gebäuden. Mehr als eine Million Angestellte beschäftigen die Kirchen als Träger in Deutschland, unter anderem bei den beiden Wohlfahrtsverbänden Caritas und die Diakonie.

Im Video: Kirchenaustritte - Neue Zahlen veröffentlicht

Mehr als 650.000 Menschen sind 2025 aus der evangelischen und der katholischen Kirche ausgetreten.
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Mehr als 650.000 Menschen sind 2025 aus der evangelischen und der katholischen Kirche ausgetreten.

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