Lastendrohne "Carry" der Bergwacht Bayern im Einsatz
Acht Rotoren setzen sich in Bewegung. Erst langsam, dann immer schneller. Der Luftstrom wirbelt Staub und kleine Steinchen auf. Wer in der Nähe steht, geht besser ein paar Schritte zurück. Dann hebt "Carry" ab. Unter der rund drei mal drei Meter großen Lastendrohne hängt Material an einem Tau. Innerhalb weniger Augenblicke ist sie über den Baumwipfeln verschwunden.
Mit einer kleinen Hobbydrohne hat das wenig zu tun. "Carry" ist eine Lastendrohne der Bergwacht. Zwei große Akkus liefern die Energie für jeden Flug. Bis zu 40 Kilogramm kann sie nach Angaben des Technik-Teams transportieren. Am Saurüsselkopf bei Ruhpolding wurde sie nun erstmals bei einem realen Großeinsatz eingesetzt.
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Rückbau nach wochenlangem Einsatz
Anfang Mai war am Saurüsselkopf ein Waldbrand ausgebrochen. Das Gelände in den Chiemgauer Alpen ist steil und schwer zugänglich. Einsatzkräfte kämpften tagelang gegen die Flammen. Auch nachdem das offene Feuer gelöscht war, mussten sie das Gebiet weiter kontrollieren: Glutnester können sich tief im Boden, unter Wurzeln oder in abgestorbenem Holz halten und später erneut aufflammen.
Deshalb blieb ein Teil der Löschinfrastruktur zunächst vorsorglich am Berg. Erst am Freitag, 5. Juni, und Samstag, 6. Juni, wurden Schläuche, Pumpen und weitere Gerätschaften wieder ins Tal gebracht. Damit endete der operative Feuerwehreinsatz am Saurüsselkopf nach mehreren Wochen.
Beim Rückbau war erneut "Carry" unterwegs. Die Lastendrohne brachte Material vom Berg zurück ins Tal. Besonders schwere Ausrüstung wurde zusätzlich per Hubschrauber ausgeflogen.
Knapp zwei Tonnen Material per Drohne transportiert
Schon während des Waldbrandes hatte "Carry" die Einsatzkräfte am Berg versorgt. Die Drohne brachte unter anderem Verpflegung, kleinere Schläuche und weitere Ausrüstung nach oben. Das sparte den Helferinnen und Helfern viele anstrengende Wege mit schweren Lasten.
Volker Eisele vom Technik-Team Hochland der Bergwacht zieht eine positive Bilanz: "Wir haben 1,9, knapp unter zwei Tonnen geflogen. Das hätten früher alles Leute getragen. Also, das ist ein Wahnsinn." Ein Teil des Materials wäre früher auch per Hubschrauber transportiert worden, erklärt Eisele. Vieles hätten Einsatzkräfte jedoch auf dem Rücken den Berg hinauftragen müssen. Die Drohne sei deshalb ein "echter Game-Changer".
Ergänzung zum Hubschrauber als Lastenträger
Der Hubschrauber bleibt trotzdem unverzichtbar. Vor allem für besonders schwere Lasten wird er weiterhin gebraucht. Die Drohne ergänzt ihn dort, wo kleinere Transporte schnell und vergleichsweise flexibel möglich sind. Laut Eisele sind Drohnenflüge zudem deutlich günstiger als Hubschraubereinsätze. Die Bergwacht werde dadurch ein Stück weit unabhängiger von der Unterstützung anderer Organisationen.
Fliegen in schwierigem Gelände, hoher Energiebedarf
Die Erfahrungen am Saurüsselkopf zeigen aber auch, wo die Grenzen der Technik liegen. Eine Lastendrohne braucht viel Strom. Die Akkus müssen vor Ort regelmäßig gewechselt und geladen werden. Dafür war beim Rückbau ein großer Generator notwendig.
Auch das Fliegen im Berggelände ist anspruchsvoll. Wind, Bäume, Felsen und Bergrücken erschweren die Sicht und können die Verbindung zur Drohne beeinflussen. Deshalb arbeitet das Team nach dem Vier-Augen-Prinzip: Ein Pilot steuert die Drohne, ein weiterer beobachtet als sogenannter Spotter den Luftraum und unterstützt ihn.
Während eines Fluges müsse sich der Pilot vollständig konzentrieren können, erklärt Eisele. Für Einsatzkräfte vor Ort sei das zunächst ungewohnt. Sie müssten lernen, den Piloten während des Fluges nicht anzusprechen und Informationen über das Team weiterzugeben.
Bewährungsprobe unter realen Bedingungen
Für die Bergwacht war der Waldbrand am Saurüsselkopf eine wichtige Bewährungsprobe. Zuvor war "Carry" vor allem bei Übungen eingesetzt worden. Nun musste sich die Lastendrohne erstmals unter realen Bedingungen beweisen.
Der Einsatz habe das Team deutlich weitergebracht, sagt Eisele. Erfahrungen aus Ruhpolding sollen nun helfen, Abläufe zu verbessern: von der Stromversorgung über die Kommunikation bis zur Koordination der Piloten im unübersichtlichen Gelände.
Die Technik ersetzt weder Einsatzkräfte noch Hubschrauber. Aber sie kann schwere Arbeit abnehmen, Zeit sparen und Helferinnen und Helfer entlasten. Am Saurüsselkopf hat "Carry" gezeigt, was damit schon heute möglich ist.
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