(Symbolbild) Im Vordergrund hält jemand ein Handy in der Hand. Dahinter sieht man eine Person auf dem Boden liegend.
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(Symbolbild) Ein Kollege fällt während einer Besprechung plötzlich um. Dann gilt: Sofort den Notruf wählen.
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Leben retten bei Herzstillstand: Ersthelfer-App schließt Lücken

Leben retten bei Herzstillstand: Ersthelfer-App schließt Lücken

Beim Herzstillstand zählt jede Minute – doch vor allem in ländlichen Regionen braucht der Rettungsdienst oft länger als eigentlich vorgesehen. Ob man überlebt, kann also auch vom Wohnort abhängen. Apps sollen diese Versorgungslücke schließen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Nur zehn Prozent der Menschen in Deutschland überleben einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Diese Menschen sind im Schnitt knapp 70 Jahre alt. Die allermeisten erleiden einen solchen Herzstillstand zuhause, heißt es im aktuellen Jahresbericht zur außerklinischen Reanimation des Deutschen Reanimationsregisters. Über die Hälfte der Menschen werden von Ersthelfenden reanimiert, also von Personen, die zufällig am Notfallort sind. Sie überbrücken die Zeit, bis der Rettungsdienst kommt – und können damit einen lebensentscheidenden Unterschied machen. Damit nicht nur der Zufall entscheidet, ob ein Ersthelfer oder eine Ersthelferin vor Ort ist, können Apps helfen - in der Region Würzburg etwa "Team Bayern – Lebensretter".

Erste Hilfe per App bis der Rettungsdienst kommt

"Rettungskräfte, die alarmiert werden müssen, brauchen im Mittel neun Minuten bis zum Einsatzort", erklärt Thomas Wurmb, Anästhesist und Notfallmediziner an der Uniklinik Würzburg. "Die Person, die in der Nähe ist, sollte beim Herz-Kreislauf-Stillstand sofort helfen, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen."

Eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Strukturen sei deshalb die Ersthelfer-App. "Team Bayern – Lebensretter" soll die Rettungskette in den Landkreisen Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen sowie für die Stadt Würzburg stärken. Bayernweit sind 19 von 26 Regionen mit einer solchen Ersthelfer-App versorgt.

Bildrechte: Quelle: Deutscher Rat für Wiederbelebung / Grafik: BR
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In Bayern haben viele Regionen keine Ersthelfer-App.

Geht in der Integrierten Leitstelle (ILS) Würzburg ein Notruf mit Verdacht auf Herzstillstand ein, werden geeignete Helfer im Umkreis von etwa 400 Metern alarmiert. Die App lotst sie zum Einsatzort, visualisiert die Reanimationsschritte und gibt per Metronom den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage vor. Zwei Helfer werden direkt zum Patienten geschickt, weitere zum nächstgelegenen Defibrillator. Parallel alarmiert die ILS Rettungswagen, Notarzt und – sofern vorhanden – First-Responder.

Wer darf Ersthelfer werden?

Wer sich in der App als Ersthelferin oder Ersthelfer registrieren will, muss 18 Jahre alt sein und einen Ersthelferkurs vorlegen. Angesprochen sind vor allem Personen, die ohnehin schon im Rettungsdienst, in der Pflege, in der Feuerwehr oder in anderen Hilfsorganisationen tätig sind. Auch Medizinstudentinnen und -studenten könnten hier die Rettungskette unterstützen, betont Wurmb. Bereits zum Start der App haben sich 477 Personen über die App registriert. Die potentiellen Ersthelfer werden zunächst geprüft und dann freigeschaltet.

Mehr Notfalleinsätze als noch vor zehn Jahren

Denn laut Rettungsdienstbericht der Bayerischen Staatsregierung für das Jahr 2025 hat die Anzahl der Notfalleinsätze in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen: in kreisfreien Städten um 19 Prozent, in den Landkreisen im Schnitt um 28 Prozent.

Gleichzeitig sind die Rettungskräfte nicht mehr schnell genug am Einsatzort: Der Rettungsdienst sollte innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort sein. Das war 2018 noch in 90 Prozent der Fälle in Bayern so. Diese Zeit kann mittlerweile aber nicht mehr eingehalten werden: In den Landgemeinden kommt der Rettungsdienst nur in 76 Prozent der Notfalleinsätze innerhalb von zwölf Minuten.

Dreigleisig: Notarzt, First-Responder, App-Ersthelfer

Eine unterstützende Struktur zum öffentlichen Rettungsdienst gibt es bereits: First Responder oder Helfer vor Ort (HvO) sind Mitglieder einer freiwilligen Hilfsorganisation oder einer Feuerwehr und leisten Erste Hilfe. "Doch auch diese Helfer brauchen Zeit", sagt Wurmb. "Weil sie aus ihren Berufen oder ihrem Familienalltag heraus müssen, ins Feuerwehrhaus, Rettungsmittel einpacken und zum Einsatzort fahren müssen." In den fünf Minuten können das Gehirn und auch andere Organe schon erheblichen Schaden nehmen.

Versorgungsqualität muss verbessert werden

"App-gesteuert alarmierte Ersthelfer sind eine echte, gute Ergänzung", so Kreisbrandmeister Thomas Kreutzer, Leiter des Fachbereichs First-Responder im Landkreis Würzburg. Im Rettungsdienstbereich Würzburg sind die im Jahr 2000 eingeführt worden. Mittlerweile gibt es 76 Standorte.

"Der Herz-Kreislauf-Stillstand zählt zu den zeitkritischsten und komplexesten Krankheitsbildern in der Notfallmedizin", heißt es im aktuellen Jahresbericht zur außerklinischen Reanimation des Deutschen Reanimationsregisters. Das sollte ein Ansporn sein, die Versorgungsqualität (externer Link) zu verbessern.

Die Menschen hätten Vorbehalte; sie trauen sich nicht, zu helfen. Notfallmediziner Thomas Wurmb will Mut machen: "Den einzigen Fehler, den man machen kann, ist nicht hinzugehen." In jeder Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahme sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Person überlebt, um zehn Prozent.

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