Archivbild: Die Fußgängerzone von Bad Reichenhall. Zwischen rund 200 inhabergeführten Geschäften stehen rund 10 Prozent der Gewerbeflächen leer.
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Archivbild: Die Fußgängerzone von Bad Reichenhall. Zwischen rund 200 inhabergeführten Geschäften stehen rund 10 Prozent der Gewerbeflächen leer.
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Leerstand: Wie sollen unsere Städte künftig aussehen?

Leerstand: Wie sollen unsere Städte künftig aussehen?

Leerstehende Läden, verwaiste Fußgängerzonen: In bayerischen Innenstädten stehen zunehmend Gewerbeflächen leer. Ein BR24-User schlägt ein "Leerstandsentgelt" vor. Wie eine Stadt ganz praktisch damit umgeht und welche größere Aufgabe dahinter steckt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

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Wer durch die Fußgängerzone in Bad Reichenhall läuft, den erinnern Gründerzeitbauten und Jugendstil-Fassaden an die Blütezeit der Kurstadt. Eingebettet ins Panorama der Berchtesgadener Alpen finden sich auf den rund zwei Kilometern Fußgängerzone zwischen kleinen Läden, Restaurants und Cafés aber auch zunehmend verwaiste Geschäfte oder zugeklebte Schaufenster. Der Grund: In bester Innenstadtlage stehen rund zehn Prozent der Gewerbeflächen leer. Der unrühmliche Spitzname dafür: Bad Leichenhall.

Strafe zahlen für leerstehende Gewerbeflächen?

Genau das stört auch BR24-User Franz Heistracher, der sich mit einem Vorschlag per E-Mail an den BR wandte: "Eine Leerstandsabgabe in angemessener Höhe auch für Gewerbeeinheiten bei uns in Bayern wäre ein sehr effektiver Beitrag zur Lösung unserer urbanen Leerstandsprobleme." Diese Probleme hat nicht nur Bad Reichenhall: Eine bundesweite Studie [externer Link] von vor ein paar Jahren schätzte die innerstädtische Leerstandsquote auf bis zu 15 Prozent.

Gründe für Leerstände in der Innenstadt

Zur Entwicklung und Planung von Innenstädten forscht Thomas Krüger an der Universität der HafenCity Hamburg. Er nennt drei Gründe für den innerstädtischen Gewerbeleerstand: Unattraktive Substanz, kleine Flächen und wenig Nachfrage. "Wenn man dann jetzt noch eine Gebühr obendrauf packt, weil sie nicht vermietet werden können, was sollen die denn tun?", gibt Krüger zu bedenken und fügt hinzu: "Wir haben schlichtweg einen deutlichen Nachfragerückgang nach solchen Flächen."

CSU-Fraktionsvorsitzender: Keine "Strafabgabe" für Leerstand

Anstelle von Sanktionen setzt auch die bayerische Staatsregierung auf Anreize als Lösung für das Leerstandsproblem. Seit 2022 wurden insgesamt 2,2 Millionen Fördergelder an Projekte gezahlt, die Leerstand verhindern wollen – rund 85 Prozent davon hätten eine nachhaltige Wirkung gezeigt, hieß es im März vom Wirtschaftsministerium. Einer Leerstandsabgabe hatte die Staatsregierung schon mehrfach eine Absage erteilt. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek hatte sie etwa im Februar als "Strafabgabe" bezeichnet und vor allem mit bürokratischem Aufwand dagegen argumentiert.

Wie Bad Reichenhall mit Leerstand umgeht

Anreiz statt Abgabe, von diesem Ansatz profitiert derzeit auch Bad Reichenhall: Seit diesem Jahr kümmert sich dort ein neues Team um die leerstehenden Flächen in der Innenstadt im Rahmen eines Förderprogramms für Stadtmarketing, das bis 2027 angelegt ist.

Laura Ebeling vom Beratungsunternehmen "Stadtmanufaktur" betreut das Projekt und betont: "In Bad Reichenhall ist viel Bewegung erkennbar. Im Vergleich zu vielen anderen Innenstädten, die mit deutlich höheren Leerstandsquoten und langjährigen strukturellen Problemen zu kämpfen haben, ist die Ausgangslage in Bad Reichenhall grundsätzlich gut." Entscheidend sei nun, die Leerstände gezielt zu bearbeiten und eine passende Nutzung zu finden: "Entsprechend betrachten wir jede Fläche individuell. Positiv ist, dass wir bereits auf viele engagierte Eigentümerinnen und Eigentümer gestoßen sind."

Stadtentwicklung als Aufgabe der Zivilgesellschaft

Für Stadtentwicklungsforscher Thomas Krüger ist Leerstand nicht nur eine kommunalpolitische, ökonomische Aufgabe – sondern eine zivilgesellschaftliche: "Das ist eine Frage, was die Gesellschaft einer Stadt von ihrer Innenstadt möchte und inwieweit es Akteure oder Aktive gibt oder innovative Menschen, die sich darum kümmern. Wir brauchen neue Ideen für unsere Zentren." Die Kernidee der europäischen Stadt sei schließlich, dass sich dort Menschen begegnen – und das nicht nur für Handel und Konsum.

Dass jede Stadt ihre eigene Lösung braucht und Menschen, die daran arbeiten, davon sind auch die Bad Reichenhaller Projektbetreuerinnen überzeugt. Ursula Friedsam vom Stadtmarketing würde sich trotzdem manchmal über einen "gewissen Hebel" freuen – für die "Härtefälle", wie sie beschreibt: "Also wir haben wirklich Immobilien gehabt, wo sich der Makler einfach nicht gemeldet hat beim Interessenten und wir dem Makler ewig hinterhertelefoniert haben. Oder da sitzt halt ein Eigentümer irgendwo ganz weit weg und es interessiert ihn nicht. Und dann steht es einfach leer."

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