Leerstehende Gewerbefläche mit Aushang im Schaufenster „zu vermieten“
Bildrechte: BR/ Ralph Wege
Videobeitrag

Leerstehende Gewerbefläche

Videobeitrag
>

Mit Fördergeldern gegen Leerstände: Was bringt es Innenstädten?

Mit Fördergeldern gegen Leerstände: Was bringt es Innenstädten?

Trostlose Leerstände statt belebter Einkaufsstraßen – damit kämpfen viele Städte. Der Freistaat versucht mit Fördergeldern zu helfen. Aber nur teilweise mit Erfolg. Wie sinnvoll sind solche Finanzspritzen überhaupt? Ein Beispiel aus Unterfranken.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Knapp fünf Jahre stand der ehemalige Supermarkt in der Lohrer Innenstadt leer – bis vor zwei Jahren die Markthalle dort eröffnete: Regionale Lebensmittel, Dekoartikel, wechselnde Pop-Up-Stores und ein To-Go-Café lockten täglich bis zu 300 Kundinnen und Kunden in das Ladengeschäft in der unterfränkischen Kleinstadt. Ehrenamtliche engagierten sich sogar freiwillig für das Projekt. Die Kombination von Einzelhandel, Gastronomie und Veranstaltungslocation ließ den ehemaligen Leerstand zu einem Erfolg werden.

Nach zwei erfolgreichen Jahren: Aus für Markthalle Lohr

Die Markthalle Lohr galt als Leuchtturmprojekt für Innenstadtbelebung, wurde auch mit Preisen ausgezeichnet – wie dem Stadtmarketingpreis Bayern 2024. Möglich gemacht wurde die Wiederbelebung des Leerstands durch eine Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in Höhe von 75.000 Euro. Die Werbegemeinschaft Lohr als Betreiber der Location hat die gleiche Summe investiert. Nach zwei erfolgreichen Jahren musste die Markthalle im Februar nun aber doch wieder schließen.

Im Video: Warum die Markthalle in Lohr trotz ihres Erfolgs schließen muss

Kein neuer Mietvertrag: Vermieter hoffen auf mehr Geld

Der Grund für die Schließung: Der erste Mietvertrag war auf zwei Jahre beschränkt. Für diesen Zeitraum waren die Vermieter nach eigenen Angaben den Mietern mit einer günstigen Miete entgegengekommen. Diese zwei Jahre sind nun abgelaufen, erklärt Peter Imgrund, einer der Vermieter: "Wir wollen keinen neuen Mietvertrag anbieten, denn wir sehen gute Chancen, das Objekt an Interessenten weiterzuvermieten zu marktüblichen Konditionen." Angelika Winkler, Projektleiterin der Markthalle Lohr, ist enttäuscht: "Jetzt müssen wir schließen, weil nach meiner Einschätzung der Vermieter eine andere Logik auf die Rendite seines Mietobjekt hat, die wir nicht erfüllen können."

Risikoverteilung beim Thema Miete

Mieten sind häufig ein Grund für Leerstände, erklärt Roland Wölfel, Experte für Innenstadtentwicklung und Leerstandsbelebung. Viele Händler könnten nicht mehr die überdurchschnittlich hohen Mieten der Vergangenheit erwirtschaften, seien gezwungen aufzugeben. Eine Lösung könnten Umsatzmieten sein. Das bedeutet, dass Vermieter eine niedrige Festmiete verlangen. Den übrigen Teil gestalten sie als umsatzabhängige Miete. "Das unternehmerische Risiko wird so fairer zwischen Eigentümer und Mieter verteilt", erklärt Wölfel.

Anschubfinanzierung statt Dauersubvention

Bleibt die Frage, was staatliche Förderungen überhaupt bringen – wenn Projekte wie die Markthalle Lohr trotz ehrenamtlichem Engagement und Finanzspritze vom Freistaat schließen müssen? Roland Wölfel hält Förderungen für sinnvoll – wenn sie neue Entwicklungen anstoßen und Mut machen, Neues auszuprobieren, sozusagen als Anschubfinanzierung dienen. Keinesfalls sollte eine Förderung zur Dauersubvention werden.

2,2 Millionen Euro Fördergelder vom Freistaat

Um Leerstände in Innenstädten zu reduzieren, fördert das Bayerische Wirtschaftsministerium seit 2022 Projekte wie die Markthalle. Dafür flossen insgesamt rund 2,2 Millionen Euro. Die Förderlaufzeiten betragen in der Regel zwei Jahre. Rund 85 Prozent der Projekte hätten eine nachhaltige Wirkung entfaltet, etwa durch Fortführung von Aktivitäten, etablierte Netzwerke oder tragfähige Kooperationen, so das Ministerium.

Konzept Markthalle als Blaupause für andere Leerstände

Auch Angelika Winkler ist trotz der Schließung der Markthalle optimistisch: "Wir geben auf gar keinen Fall auf, weil wir mit der Markthalle eine Blaupause für ganz viele andere Städte geschaffen haben. Und wir halten auch an der Idee fest." Sie ist nun auf der Suche nach einem anderen Leerstand, dem sie mit ihrem Konzept Markthalle neues Leben einhauchen will.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!