Eintauchen in das Alte Ägypten, das Alte Testament – durch eine Welt aus bunten Legosteinen. Auf gut zehn Quadratmetern Fläche hat Thomas Elbert verschiedene Bibelszenen nachgebaut: Mose, wie er als Kind auf dem Nil ausgesetzt wird, oder wie er das Meer teilt und das Volk Israel aus Ägypten führt. Dazwischen ragt eine Pyramide hervor und die rund 80 Zentimeter hohe Sphinx.
Vor ein paar Jahren hat Elbert dank seiner Neffen seine Lego-Leidenschaft wiederentdeckt. Inzwischen ist er katholischer Pfarrer. Doch sein Hobby lässt sich durchaus mit seinem Beruf kombinieren: Die Bibel mit ihren vielen Geschichten dient ihm als Vorlage für seine Legowelten. Aktuell zu sehen in einer Ausstellung in der Pfarrscheune Sandberg in der Rhön.
Lego als Türöffner für Seelsorge
In Zeiten abnehmender Kirchenbesuche ist die Ausstellung für Elbert ein Türöffner. Viele Leute, die teilweise auch schon aus der Kirche ausgetreten sind, treffen so wieder auf die Bibel bzw. auf ihn, den Pfarrer. "Das ist ein niederschwelliges Angebot und teilweise entwickeln sich aus Gesprächen über Legoszenen sogar tiefgehende, seelsorgerische Gespräche", erzählt Elbert.
Gleich nebenan im Pfarrhaus ist seine Legowerkstatt. In den Wochen vor der Ausstellung hat er hier oft bis tief in die Nacht an den Szenen gearbeitet. Im Wohnzimmer türmen sich Legoberge, in denen er immer wieder nach bestimmten Teilen sucht. Früher hat Elbert Schach gespielt. Doch da sind die Turniere meist sonntags – ein schwieriger Termin für einen Pfarrer. Sein wiederentdecktes Hobby ist da wesentlich flexibler und lässt ihn abschalten: "Da ist man einfach in seiner Welt", so Elbert, während er schon an einer Idee für die nächste Ausstellung feilt.
Detailgetreue Bibelszenen mit Licht und Bewegung
Überhaupt – ganz fertig ist er mit seiner Ausstellung nie. Der "Lego-Pfarrer" hat hohe Ansprüche an seine Bauwerke, alles soll möglichst detailgetreu sein. Immer wieder legt er Hand an und bessert nach oder baut noch ein Licht ein. Beleuchtungs- und Bewegungselemente sind ihm besonders wichtig – denn das gefällt den Kindern. Und denen will er die Bibel wieder näherbringen.
Die Kommunionkinder aus Sandberg oder die Ministrantengruppe durften deshalb auch mitbauen und waren tatsächlich eine große Hilfe – etwa beim Modellieren der Wasserflächen: "Wenn da 15 Kinder sitzen – die haben das in einer Stunde gemacht und ich würde da wahrscheinlich eine Woche dran arbeiten", erklärt Elbert.
Improvisationstalent nötig
Wie viele Steine er in seiner Ausstellung verbaut hat, kann der Pfarrer nicht sagen. Genauso wenig, was das Ganze wert ist. Es ist durchaus ein teures Hobby, ein Kleinwagen stecke da schon drin. Die Legosteine kauft er bei Händlern, teilweise gebraucht. Viele spezielle Steine aus seinem Besitz sind inzwischen auch gar nicht mehr erhältlich.
Und manche Figuren gibt es schlicht nicht, dann muss Elbert improvisieren. Etwa um den Traum des Pharaos von den sieben fetten und den sieben mageren Kühen darzustellen: Als magere Kühe dienten ihm Skelett-Pferde aus einem Lego-Fantasy-Set – noch ein paar Hörner dazu, fertig sind die mageren Kühe.
Die Ausstellung in der Pfarrscheune Sandberg ist noch am 7. und 8. Februar geöffnet, jeweils von 12 bis 18 Uhr. Danach braucht übrigens auch Pfarrer Elbert für ein paar Monate mal eine Lego-Pause, bevor er mit den Objekten für die nächste Ausstellung beginnt. Mit der Bibel gehen ihm die Geschichten nicht aus.
Zum Hören: Lego und Bibel – das passt durchaus zusammen
"Lego-Pfarrer" Thomas Elbert in seiner Ausstellung in der Pfarrscheune Sandberg.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

