Der Anblick der Mangfall hat am Wochenende Anwohner in Bad Aibling alarmiert. Stellenweise führte der Fluss so gut wie kein Wasser mehr. In den sozialen Netzwerken kursiert seither ein Bild einer Userin, das zeigt, dass ein Abschnitt der Mangfall bei Willing am Sonntag für einige Zeit nahezu ausgetrocknet war. Auf dem Foto sieht man, wo normalerweise Wasser fließt, nur ein Kiesbett mit Pfützen und einem Rinnsal.
"Versehen" der Kraftwerksbetreiber
Laut dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim war das Beinahe-Trockenfallen der Mangfall keine Absicht, sondern "leider ein Versehen der Kraftwerksbetreiber". Das hat Behördenleiter Tobias Hafner auf Anfrage von BR24 erklärt. An diesem Abschnitt kämen verschiedene Steuerungen zusammen. Unter anderem werde dort Wasser in den Triftbach-Kanal ausgeleitet und gleichzeitig Wasser von den Unterwasserbecken der Leitzach-Kraftwerke eingeleitet. Hafner betont aber: "Am Wochenende haben die Betreiber nicht an der Steuerung herumgespielt, das lief automatisch." Es fand auch keine große Wasserentnahme für eine Bewässerung statt.
Steuerung ab sofort manuell
Die Fehlersuche habe aber ergeben, dass sich die geringen Wassermengen in der Mangfall an dieser Stelle stark auswirken. "So wenig Wasser wie wir gerade haben, sollte nicht sein". In Zukunft sollen deshalb die Betreiber die Ein- und Ausleitungen vorerst manuell steuern. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim überwacht Restwasserbestände und mahnt als zuständige Behörde Missstände an.
Man wolle das nun mit "Argusaugen" bewachen und sei mit den Kraftwerksbetreibern weiter in Kontakt. Völlig trockengefallen sei die Mangfall zwar nicht und kurze Zeit später sei auch wieder Wasser geflossen, trotzdem sollte so etwas natürlich nicht passieren. Ein größeres Fischsterben sei seit dem Vorfall zumindest nicht gemeldet worden.
Extremsituation durch Niedrigwasser
Laut Wasserwirtschaftsamt Rosenheim befindet man sich durch das Niedrigwasser in einer Extremsituation. Im Einzugsgebiet der Mangfall habe es viel zu wenig geregnet. Routine sei nicht möglich. Man müsse nun lernen, wie man mit so einer Lage am besten umgeht.
Mehr als die Hälfte der Gewässer in der Region führen demnach Niedrigwasser, auch die Glonn oder die Leitzach. Man komme aus einem sehr trockenen Jahr 2025 und das mache sich nun bei den Wasserständen bemerkbar.
Temperatur gefährlich für Fische
Bei der Mangfall konkret sorgt sich Behördenleiter Hafner aber noch mehr um die Temperatur als den Pegelstand. Aktuell liege die Wassertemperatur bei 25 Grad und je wärmer der Fluss ist, desto weniger Sauerstoffgehalt habe er.
Das beobachtet auch Helmut Maurer, Vorstand des Kreisfischereivereins Bad Aibling. Am schlimmsten seien die warmen Temperaturen für die Äschen, aber auch für Forellen und Huchen. Besser kämen Weißfische zurecht. Heuer sei es extrem.
Probleme in allen Gewässern
Helmut Maurer wurde am Wochenende ebenfalls alarmiert und war kurz an der Mangfall vor Ort. Es sei eine schwierige Aufgabe, das Wasser bei niedrigen Pegelständen in allen Gewässern zu regulieren.
Auch die Zulaufbäche zur Mangfall tragen kaum Wasser. Dort sei es für die Fische genauso kritisch wie in der Mangfall. Den Lauser Weiher in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham mussten sie bereits zweimal ausmähen, da die Pflanzen durch die warmen Temperaturen stark wachsen. Die Fischer und das Wasserwirtschaftsamt hoffen nun, dass sich die Lage nach den angekündigten Regenschauern wenigstens etwas entspannt.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
