Zwei Modellfregatten stehen in einem Bücherregal von Peter Wendl: kleine Kriegsschiffe. Außerdem liegen da Broschüren und Publikationen der Bundeswehr neben Fachbüchern. Dass die Weltlage ernst ist, ist in dem Büro mitten in der Eichstätter Altstadt mit Händen zu greifen.
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Aber hier geht es nicht um Waffensysteme oder Schutzwesten. Peter Wendl, Theologe und Therapeut, hat ganz andere Dinge im Blick am "Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft" der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt: Die "verwundbarste Stelle" einer Soldatin oder eines Soldaten, das seien "die Menschen, die ihn lieb haben und die, die er liebt", sagt Wendl. Er ist ein Mann für die vermeintlich weichen Themen im sicherheitspolitischen Grundrauschen: Partnerschaft, Familie, Kinder – alles im Kontext des Dienstes in der Bundeswehr. Damit befasst er sich seit rund 25 Jahren. Er arbeitet mit der katholischen Militärseelsorge (externer Link) zusammen.
Keine Blaupause für Litauen
Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen blickt er auch auf die dauerhafte Stationierung deutscher Soldaten in Litauen. Ab Ende 2027 soll dort eine Heeresbrigade einsatzbereit sein. Knapp 5.000 Frauen und Männer soll sie umfassen. Stationiert wird sie zur Abschreckung. Auch bayerische Soldaten werden dabei sein.
Für Litauen gebe es keine Blaupause, sagt Wendl: "Wir haben viele Vergleichswerte, beispielsweise durch Auslandseinsätze, wo wir wissen, was brauchen die Familien im Vorfeld, währenddessen und bei der Rückkehr. Aber das wird eine völlig neue Situation sein." Denn die Männer und Frauen werden teils mehrere Jahre bleiben und sicher werden etliche Familie haben. Manche werden pendeln, andere werden die Angehörigen für ein paar Jahre mitnehmen.
Was wird aus Partnerschaften?
Peter Wendl prognostiziert, dass Paare, die gemeinsam eine Entscheidung gefällt haben, bei der es möglichst wenige Verlierer gibt, die Zeit als Bereicherung erleben und miteinander wachsen können. Bei Paaren, bei denen ein Partner dem anderen nur den Rücken freihält, könnten sich hingegen "erhebliche Turbulenzen" einstellen.
So unterschiedlich die Bedingungen sein werden: Teilen, sagt Wendl, dürften sie alle etwas. Denn der Einsatz sei mit Ängsten behaftet: "Wir reden von der Nato-Ostflanke, wir reden von einer tatsächlichen militärischen Bedrohungslage. Das heißt, die Angehörigen stellen sich natürlich die Frage: Was wäre, wenn?"
Kinder stellen Fragen
Von diesen diffusen Ängsten berichten auch die Mitarbeiterinnen von Peter Wendl mit Verweis auf Gespräche mit der Truppe. "Soldatenfamilien in der Zeitenwende" heißt eine der Publikationen des dreiköpfigen Teams. Es hat darüber hinaus Tipps aufgeschrieben, wie Eltern mit Kindern über Krieg reden können, sowie eine Kinderbuchreihe herausgebracht. Immer wieder geht es auch von Eichstätt aus zu Familienwochenenden, organisiert von der katholischen Militärseelsorge. Dort bekommen Ängste "Raum", sagt Alexandra Hoff-Ressel. Jüngst saß sie wieder mit Soldatenkindern beisammen. Für deren Väter oder Mütter ging es nach Litauen.
Publikationen von Peter Wendl und seinem Team.
Nachholbedarf bei der Bundeswehr
Peter Wendl plädiert aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit dafür, die Angehörigen mitzudenken, wenn es um Fragen zur Einsatzbereitschaft geht. Hier sieht er Nachholbedarf bei Betreuungsangeboten der Bundeswehr: "Die Familie ist der entscheidende Resilienzfaktor, damit der Soldat wirkungsfähig und belastbar bleibt. Wenn die Familie bröckelt, bröckelt auch der Beruf der Soldatinnen und der Soldatinnen."
Wendl wünscht sich, dass die kostenlosen Angebote, die sein Institut über die Katholische Militärseelsorge macht, mehr Verbreitung finden. Dass die Kinderbücher standardmäßig an Mütter und Väter in der Truppe gehen. Denn nach ihnen muss man suchen. Genau, wie nach anderen Publikationen zu den sogenannten weichen Themen.
Für eine davon hat Wendls Team bereits ein weiteres Kapitel vorbereitet. Überschrift: "Was tun, wenn Mama oder Papa fallen?" Es liegt bereit für den Bündnis- oder Verteidigungsfall – auch wenn sie in Eichstätt hoffen, dass sie es nicht aus der Schublade holen müssen.
Dieser Artikel ist erstmals am 29. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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