"Mir ist es wichtig, dass es alten Menschen gut geht. Das ist meine Bestimmung", sagt Sertac Akcay. Gewichtige Worte, doch im Alltag zeigt Akcay, dass er sie lebt. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenheims Haus an der Ludwigshöhe Ansbach des Trägers Korian ist Akcay beliebt. Er stützt, cremt und wäscht. Er lächelt, wartet und hört zu. "Er ist meine Nummer Eins", sagt Helga Holik. Sie liegt im Bett, Akcay schneidet ihr eine Kartoffel klein. Doch bald muss sie womöglich auf ihre Nummer Eins verzichten. Denn Akcay soll abgeschoben werden.
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Ausbildungserlaubnis abgelehnt
Sertac Akcay kommt aus der Türkei und ist aus politischen Gründen geflohen. Er ist Kurde und wurde deshalb nach eigenen Angaben immer wieder bedroht. Doch die Türkei gilt als sicheres Herkunftsland, sein Asylantrag wurde vom Gericht abgelehnt. Aktuell arbeitet Akcay als ungelernte Pflegehilfskraft. Eigentlich wollte er diese Woche seine einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer beginnen, doch daraus wird nichts. "Einem abgelehnten Asylbewerber kann keine Erwerbstätigkeit und somit auch keine Ausbildung erlaubt werden", schreibt die Regierung von Mittelfranken auf Anfrage.
Bedarf in der Pflege "riesengroß"
Der Bedarf an Pflegefachassistenzkräften sei "riesengroß", sagt Bettina Plettl, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Landesstelle Bayern. In ein paar Jahren werde es in Bayern knapp ein Viertel weniger Pflegekräfte geben als jetzt. Die Fachassistenzkräfte, die oft aus dem Ausland kommen, könnten das ein wenig abfedern. Mit der Ausbildung übernehmen sie leichtere Pflege-Tätigkeiten wie etwa die Körperpflege und die Gabe von Medikamenten. Allerdings definiert die Agentur für Arbeit die Pflegefachassistenz nicht als Mangelberuf, also als einen, bei dem der Bedarf an Kräften größer ist.
Die Ausbildung zur Pflegefachassistenz ist in Deutschland noch nicht einheitlich geregelt. Ab 2027 soll sich das ändern: Die Ausbildung wird vereinheitlicht und "ausländischen Auszubildenden der Berufszugang erleichtert", schreibt das Bundesgesundheitsministerium.
"Ein Mangelberuf ist die Pflegefachassistenz aus meiner Sicht aber schon jetzt. Würde man es jetzt schon so definieren, wäre der Alltag für die Träger im Umgang mit den Behörden leichter", sagt Plettl. Denn Behörden würden es sich "dreimal überlegen, ob sie Menschen abschieben, die in Mangelberufen arbeiten." In Akcays Fall wäre das zumindest eine Argumentationshilfe. Die Abschiebung verhindern würde es aber vermutlich trotzdem nicht.
Rechte Hand der Pflegekräfte
Akcays Arbeitgeber hat den Vertrag als Pflegehilfskraft erst einmal verlängert. "Er ist die rechte Hand der Pflegefachkräfte und wir brauchen ihn hier", sagt Pflegedienstleitung Nadine Eberhardt-Bendl. Das sieht auch Liselotte Brinkmann so. "Lotti, vielleicht muss ich zurück in die Türkei", sagt Akcay der Bewohnerin. Er hebt sie vorsichtig aus dem Sessel und hilft ihr dabei, ein paar Schritte durch den Raum zu gehen. "Nein, du bleibst hier. Du arbeitest gut!", sagt Brinkmann.
Für ein Visum muss er ausreisen
Die Regierung von Mittelfranken erklärt, Akcay habe die "Möglichkeit, einen rechtmäßigen Aufenthalt durch Nachholung des Visumverfahrens zur Arbeitsmigration zu erhalten". Trotzdem müsste Akcay dafür erst einmal in die Türkei ausreisen, um dort das Visum bei der deutschen Botschaft zu beantragen. "Und ich weiß nicht, wie lange das alles dauert. Wenn ich Pech habe, ein oder zwei Jahre", sagt er. Sein jetziger Arbeitsvertrag würde auslaufen und vermutlich müsste er auch seine Wohnung in Ansbach wieder aufgeben. "Ich habe schon mal eine Heimat verloren. Gerade fühlt es sich so an, als würde ich wieder eine verlieren."
Auch Eberhardt-Bendl wünscht sich eine unbürokratische Lösung für Fälle wie Akcay. Die drohende Abschiebung bereitet ihr unter anderem bei der Dienstplan-Gestaltung Probleme. "Wir wissen ja nie, ob er nicht vielleicht morgen gehen muss. So schnell könnte ich seine Stelle aber nicht neu abdecken. Dadurch habe ich null Planungssicherheit."
Akcay geht gerichtlich gegen die Abschiebung vor. Gute Chancen hat er dabei aber nicht. Nun hofft er darauf, vielleicht doch noch irgendwie an ein Visum zu kommen, ohne ausreisen zu müssen. Damit er ohne Unterbrechung für 'Lotti' und die anderen da sein kann.
Im Video: Pflegepersonal - Türkischer Helfer vor Abschiebung
Pflegepersonal: Türkischer Helfer vor Abschiebung
Dieser Artikel ist erstmals am 3. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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