Der Würzburger Binnenschiffer Tobias Zöller hat mit der Infrastruktur auf Deutschlands Wasserstraßen zu kämpfen
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Marode Infrastruktur: Womit die Binnenschifffahrt kämpft

Marode Infrastruktur: Womit die Binnenschifffahrt kämpft

Marode Schleusen, fehlende Liegeplätze: Auf den Bundeswasserstraßen kämpfen Kapitäne mit einer Infrastruktur aus der Vergangenheit. Während der Güterverkehr über die Straße wächst, fällt die Binnenschifffahrt auf historische Tiefstände.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Eine erschöpfte Crew macht die "Johannes von Nepomuk" im Rheinhafen Karlsruhe fest. Der 185 Meter lange Frachter war auf dem Weg von Mannheim nach Straßburg, um Maispellets zu laden. Dieser Auftrag ist geplatzt – Motorschaden.

Der Tiefpunkt von deprimierenden letzten Wochen für Kapitän Tobias Zöller aus Würzburg: Nur zu einem Drittel war sein Schiff mit Raps beladen, den er dann im Mannheimer Hafen wegen technischer Probleme neun Tage lang nicht entladen konnte – und dann streikte der Schiffsmotor.

"Es passt ins Bild der Binnenschifffahrt", sagt er mit einem düsteren Lächeln, "wir arbeiten hier bestmöglich unter den schlechtmöglichsten Bedingungen".

Marode Infrastruktur – Schifffahrt wird zum Museum

"Die Infrastruktur ist marode", findet Tobias Zöller. Auch andere Kapitäne, die wir in dieser Woche von Mannheim bis Karlsruhe treffen, teilen diese Einschätzung: Brücken, Schleusen, Softwaretechnik – über Jahrzehnte sei zu wenig in Instandhaltung investiert worden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt schreibt auf Anfrage dazu: "Rund die Hälfte der Anlagen an den Bundeswasserstraßen wurde vor 1950 errichtet. Etliche Bauwerke haben ihre technische Nutzungszeit von bis zu 100 Jahren erreicht."

Speziell bei den Schleusen- und Wehranlagen sei der Instandsetzungsbedarf hoch. Derzeit arbeite man am Main an einem Projekt zur systematischen Analyse des langfristigen Ressourcenbedarfs für die Instandsetzung und Sanierung.

Auch in Sachen Digitalisierung und Kommunikation komme sich Tobias Zöller manchmal wie in einem Museumsbetrieb vor. An vielen Schleusen könne man Zeit-Slots nicht im Vorfeld absprechen – trotz vorhandener Navigationssysteme. "Der einzige Unterschied zu Großvaters Zeiten ist der, dass ich ein Funkgerät habe und mein Opa schreien musste", sagt Tobias Zöller.

Im Video: "Du weißt nie, was passiert" – Unterwegs auf dem Binnenschiff

"Du weißt nie, was passiert" – Unterwegs auf dem Binnenschiff
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"Du weißt nie, was passiert" – Unterwegs auf dem Binnenschiff

Binnenschifffahrt spielt untergeordnete Rolle

Die Zahlen bestätigen die anscheinend untergeordnete Rolle der Binnenschifffahrt: Nicht einmal sieben Prozent des Güterverkehrs werden per Schiff transportiert. Laut Statistischem Bundesamt hat die Binnenschifffahrt in Deutschland im Jahr 2025 so wenig Güter transportiert, wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Fast drei Viertel des Güterverkehrs laufen über die Straße, der Rest auf Schienen. Trotzdem: Allein die "Johannes von Nepomuk" ersetzt mit ihrer durchschnittlichen Fracht von 2.700 Tonnen etwa 100 Lkw.

Das Niedrigwasser habe in diesem Jahr zwar gezeigt, wie anfällig die Schifffahrt ist, räumt Tobias Zöller ein, sie aufzugeben halte er trotzdem nicht für sinnvoll. Vielmehr sollte der trimodale Prozess aus Schiff, Lkw und Zug mehr als Einheit gedacht werden. "Davon sind wir meilenweit entfernt, ehrlicherweise."

Schleusenkonzepte gegen Niedrigwasser

Im Gegensatz zu den 40 Schleusen auf dem Main gibt es am Rhein nur zwölf. Eine Auswirkung davon war bei Niedrigwasser zu spüren: Das Wasser kann nicht gehalten werden, Schiffe können nicht mehr rentabel fahren oder nur wenig Ladung transportieren. Die Negativ-Rekordwerte der Pegelstände in diesem Sommer sollten zum Handeln aufrufen, findet Tobias Zöller. Sein Vorschlag: Niedrigwasserschleusen im Rhein. "Eine Wehranlage, die je nach Wasserstand hoch- oder runtergefahren wird und ich dann drüberfahren kann. Weil, wir werden das Wasser besser festhalten müssen."

Zu wenige Liegeplätze: Stadtkonzepte konkurrieren mit Schifffahrt

Ein zunehmendes Problem ist die Parkplatzsuche auf deutschen Flüssen. Wo andere Nationen, wie die Niederlande oder Österreich, ein besseres Bild abgeben, sei die Situation vor allem am Rhein "bescheiden bis beschissen", sagt Zöller.

Es gebe immer weniger Anlegeplätze und wenn, dann ohne Strom. Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt erkennt dieses Problem: "Ursache hierfür ist insbesondere, dass durch andere, insbesondere kommunale Nutzungen wie 'Wohnen am Wasser' Liegekapazitäten weggefallen sind oder diese teilweise den Anforderungen moderner Binnenschiffe hinsichtlich Länge, Tiefgang und notwendiger Festmacheeinrichtungen vielfach nicht mehr gerecht werden", schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Es sei ein über Jahre schleichender Prozess und man arbeite an einer sukzessiven Verbesserung der Liegeplatzsituation an den Bundeswasserstraßen.

Auf dem Schiff von Tobias Zöller übt sich die Crew derweil in Galgenhumor. Steuermann Janos lässt sich mit über 40 Jahren nicht so leicht aus der Ruhe bringen: "Du weißt nie, was kommt! Sicher ist in der Schifffahrt nur, was vor zwei Tagen passiert ist. Alles andere ist eine Überraschung."

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