Nach Protesten der Studierenden wegen maroder Zimmer, Küchen und Sanitäranlagen in den Wohnheimen des Studierendenwerks München Oberbayern fordert der Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags einen Bericht über die Zustände. Die jahrelange Untätigkeit des Studierendenwerkes habe zu den gravierenden Mängeln geführt, sagt Verena Osgyan, Sprecherin für Wissenschaft und Hochschulen der Grünen. Dass das Ministerium erst durch Presseberichte von den Zuständen erfahren haben will, sei ein "Armutszeugnis".
Mit mehr als 2.400 Fotos hatten Bewohnerinnen und Bewohner der Münchner Studentenstadt Anfang Februar beim Studierendenwerk auf die Missstände in den Wohnheimen aufmerksam gemacht. Die Studierenden wandten sich zudem direkt an Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU).
Studierendenwerk kündigt Aktionsplan an
Die Geschäftsführerin des Studierendenwerks München Oberbayern, Claudia Meijering, entschuldigte sich und räumte bei einem Pressegespräch des Studiendenwerks am Mittwoch Versäumnisse ein: "Ja, wir hätten schneller sagen müssen, wir haben da nicht gut genug hingeguckt und das ist definitiv ein Versäumnis und da müssen wir jetzt wirklich richtig in die Puschen kommen." Und weiter: "Ich glaube, jetzt hat wirklich der Allerletzte bei mir auch im Laden verstanden, dass es fünf nach zwölf ist und nicht fünf vor zwölf."
Ein Aktionsplan mit zusätzlichen Reinigungstrupps, schnelleren Reparaturen, regelmäßigen Begehungen soll nun für eine Verbesserung der Zustände und mehr Transparenz für die Bewohner sorgen.
Trotz angekündigter Maßnahmen: Studierende bleiben skeptisch
Die Studierenden, die die Dokumentation der Mängel an das Studierendenwerk übergeben hatten, reagierten dennoch zurückhaltend. Sie kritisieren, dass der Aktionsplan ohne ihre Beteiligung entstanden sei – und äußern Zweifel an der geplanten Umsetzung. Student Simon Schaub, der sich für bessere Bedingungen in den Wohnheimen einsetzt, sagte, er sei "kritisch optimistisch". "Es wäre nicht das erste Mal, dass das Studentenwerk große mediale Kritik einfach beiseite wischt", so Schaub. Was er in der Landtagsdebatte gehört habe, stimme ihn aber zuversichtlich.
Trotz der angekündigten Maßnahmen halten die Bewohner an ihrer Frist fest: Bis Mitte Februar sollen zentrale Mängel behoben sein. Andernfalls planen sie ab März eine gemeinsame Mietminderung.
Bayernweite Debatte über Wohnbedingungen
Die Diskussion um die Zustände in Studierendenwohnheimen reicht inzwischen über München hinaus: Auch an anderen Hochschulstandorten in Bayern berichten Studierende von mangelhaften Wohnbedingungen. Die SPD im Landtag fordert deshalb eine landesweite Bestandsaufnahme aller Studierendenwohnheime sowie ein Sonder-Sanierungsprogramm für besonders betroffene Einrichtungen.
Studieren dürfe in Bayern keine Frage des Geldbeutels sein, so SPD-Hochschulpolitikerin Katja Weitzel in einer Mitteilung. Und sie dürfe auch nicht davon abhängen, ob man bereit sei, in gesundheitsgefährdenden Verhältnissen zu leben.
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