Anschi Hacklinger ist oft mit dem Fahrrad zwischen Weyarn und Miesbach im Landkreis Miesbach unterwegs. Einen Fahrradweg gibt es nur auf Teilen der Strecke, sie muss oft auf die viel befahrene Staatsstraße.
Mit einem Sensor des Fahrradclubs ADFC hat sie nachgemessen, wie viel Abstand manche Autofahrer halten: 97 Zentimeter nah kam ihr einer. Das ist nicht nur rücksichtslos, es ist auch gefährlich: Der Sog eines vorbeifahrenden Autos kann Radler ins Trudeln bringen. Gesetzlich vorgeschrieben wären an dieser Stelle zwei Meter Abstand beim Überholen – mindestens. Anschi Hacklinger: "Das ist eine Vorschrift, an die man sich genauso halten sollte, wie an eine rote Ampel".
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Unterschätztes Risiko
Die Vorsitzende des ADFC Bayern, Eva Mahling, demonstriert gern mit einer Schaumstoff-Hand, wie weit die in der Stadt geltenden 1 Meter 50 Mindestabstand tatsächlich sind – viel größer, als die meisten denken. Wenn sie die orangene Hand an ihr Fahrrad klemmt und sich auf die Straße stellt, kommt der Verkehr hinter ihr zum Erliegen – Autos können nicht mehr überholen, denn sie müssten, um die Hand zu umfahren und damit den gesetzlichen Mindestabstand einzuhalten, auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Dort kommen aber Autos entgegen – Überholen unmöglich. Mahling mahnt: Wenn Autofahrer zu nah überholen, macht das vor allem unsicheren Radfahrern Angst – Kindern und Senioren.
ADAC rät: lieber mehr Abstand
Was viele nicht wissen: Fahren Kinder auf dem Fahrrad – oder werden Kinder mit dem Fahrrad transportiert, etwa im Anhänger – müssten Autofahrer immer mindestens zwei Meter Abstand halten. Der Autoclub ADAC appelliert deshalb an die Autofahrer: Rücksicht nehmen, lieber aufs Überholen verzichten.
Was aber können Autofahrer tun, um sich richtig zu verhalten? Alexander Römer vom ADAC rät zu Rücksichtnahme – das Verhalten sei natürlich immer abhängig von der Verkehrslage und den Straßenverhältnissen. Aber grundsätzlich sind die Überholabstände im Gesetz ja Mindestabstände – man darf also gern mehr Platz lassen, aber nicht weniger. Vor dem Überholen Abwarten, bis kein Gegenverkehr mehr droht, und dann beim Überholen den Abstand großzügig bemessen.
Schwierige Kontrollen
Das Problem: für die Polizei ist es schwierig, die Einhaltung des Mindestabstands zu kontrollieren – denn sie müsste gerichtsfest dokumentieren, dass ein Autofahrer den Abstand unterschritten hat, und das ist sehr aufwändig. Viele Autofahrer aber fahren selber ab und zu Rad – Anschi Hackliner erkennt die daran, dass die warten, bis kein Gegenverkehr kommt, wenn sie überholen, und dann oft besonders viel Abstand halten. Die, glaubt sie, wissen wohl selbst, wie unangenehm es sein kann, wenn Autofahrer Radlern zu nah kommen.
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