In Würzburg soll Radfahren mithilfe von Daten sicherer werden. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) setzt bei ihrem Forschungsprojekt auf Sensorboxen, die an Fahrrädern befestigt werden und während der Fahrt kritische Situationen erfassen. Aus den Messwerten entsteht eine digitale Karte mit Problemstellen im Radverkehr. Die gesammelten Daten sollen eine objektive Grundlage liefern, um über sichere Radwege und eine bessere Fahrrad-Infrastruktur in Würzburg zu entscheiden. "Die Hoffnung ist da, dass nach der Datenerhebung auch etwas umgesetzt wird", sagt Projektleiter Nicholas Müller.
Sensoren messen Abstände und Schlaglöcher
Die Technik in den Boxen erfasst vor allem Abstände: nach links – etwa wenn Autos überholen – und nach rechts – etwa zu parkenden Fahrzeugen. Unterschreitungen des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrenden lassen sich so genau dokumentieren. Außerdem registrieren Sensoren Erschütterungen – etwa durch Schlaglöcher, Unebenheiten im Straßenbelag oder nicht abgesenkte Bordsteine. Ergänzend wird während der Fahrt die Feinstaubbelastung gemessen.
Belastbare Daten zur Radfahrsituation
Bislang stützen sich Diskussionen über Verkehrssicherheit für Radfahrende häufig auf persönliche Erlebnisse: zu dichtes Überholen in bestimmten Straßen, gefährliche Schlaglöcher oder belastende Luft an stark befahrenen Achsen. "Jeder Fahrradfahrende kennt eine solche Story, wo man mal geschnitten oder zu eng überholt wurde, wo man sich unwohl fühlt. Wir müssen weg von dieser Einzelerfahrung hin zu konkreten Daten", so Nicholas Müller.
Das Projekt will diese anekdotischen Berichte durch empirische Daten ersetzen. Wenn sich in den Auswertungen zeigt, dass an bestimmten Stellen immer wieder der Überholabstand unterschritten wird oder alle Sensorboxen dort starke Erschütterungen messen, lassen sich diese Gefahrenpunkte klar belegen.
Übersichtskarte für Würzburgs Radnetz
Aus den Daten entsteht eine Übersichtskarte, auf der problematische Abschnitte im Radnetz sichtbar werden – etwa Bereiche mit häufig zu geringen Überholabständen, besonders holprige Strecken oder Straßen mit hoher Feinstaubbelastung.
Diese Karte soll eine Grundlage für Stadtplanung und Politik liefern: Radstreifen könnten verbreitert, temporäre Parkverbote eingerichtet oder Alternativrouten zu stark belasteten Straßen ausgewiesen werden.
ADFC Bayern begrüßt das Projekt
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) begrüßt es sehr, dass solche Messungen durchgeführt werden. Daten wurden laut Laura Ganswindt auch schon in der Vergangenheit erhoben. Beispiel München: Hier wurden mit dem "Open-Bike-Sensor" die Überholabstände zu Fahrrädern dokumentiert.
Ganswindt: "Unsere Erfahrungen sind leider ernüchternd. In München haben wir mithilfe der Daten über 80 Straßenabschnitte mit gefährlichen Überholabständen dokumentiert. Und uns ist gerade einmal eine einzige verkehrsrechtliche Anordnung bekannt, die daraufhin erlassen wurde." Laut ADFC gebe es in Bayern kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsdefizit. Schuld seien fehlende Ressourcen in den Behörden.
Ziel: Sicherer Radverkehr in Städten
Langfristig soll das Projekt eine datenbasierte Diskussionsgrundlage für sicheren Radverkehr in Würzburg schaffen. Vom Würzburger Oberbürgermeister Martin Heilig (Die Grünen) heißt es auf BR-Anfrage: "Die Daten, die wir über dieses Projekt erhalten, fließen auf alle Fälle in unser Radverkehrsmanagement ein. Wir erhoffen uns zum Beispiel Informationen über Stellen, an denen es unnötig rumpelt und vielleicht eine Bordsteinabsenkung geprüft werden sollte. Oder dass wir erfahren, wo Radfahrer besonders eng überholt werden." Daraus könnten Konzepte entwickelt werden, wie sich Radwege so gestalten lassen, dass mehr Menschen sicher und gerne aufs Fahrrad steigen.
BR24 auf Instagram: Bikebox soll das Radfahren sicherer machen
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