Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester hat sich Würzburgs Bischof Franz Jung der Diskussion mit Gläubigen gestellt.
Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester hat sich Würzburgs Bischof Franz Jung der Diskussion mit Gläubigen gestellt.
Bild
Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester hat sich Würzburgs Bischof Franz Jung der Diskussion mit Gläubigen gestellt.
Bildrechte: BR/Pirmin Breninek
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Pirmin Breninek
Videobeitrag

Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester hat sich Würzburgs Bischof Franz Jung der Diskussion mit Gläubigen gestellt.

Videobeitrag
>

Missbrauchsvorwürfe: Würzburger Bischof kritisiert Vorgänger

Missbrauchsvorwürfe: Würzburger Bischof kritisiert Vorgänger

Im Sommer 2025 erschütterten Missbrauchsvorwürfe gegen einen langjährigen Pfarrer das unterfränkische Höchberg. Nun stellte sich Würzburgs Bischof Jung der Diskussion. Er kritisierte seinen Vorgänger deutlich. Doch vielen im Ort reicht das nicht.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

"Ich bin enttäuscht", sagt Würzburgs Bischof Franz Jung. Für seinen Vorgänger im Amt, Alt-Bischof Friedhelm Hofmann, findet er an diesem Abend keine wohlwollenden Worte: "Ich hätte erwartet, dass er sich seiner persönlichen Verantwortung stellt." Nach Missbrauchsvorwürfen gegen einen langjährigen Pfarrer aus dem unterfränkischen Höchberg diskutierte Bischof Jung nun erstmals mit den Gläubigen im Ort. Größter Streitpunkt der Veranstaltung waren die Verfehlungen seines Vorgängers.

Priester soll Jugendliche missbraucht haben

Bekannt geworden waren die Vorwürfe im Frühsommer vergangenen Jahres. Ein langjähriger Kleriker soll sich an zwei Frauen beziehungsweise Mädchen vergangen haben. An einer über mehrere Jahre hinweg. Als die Übergriffe begannen, sei sie erst 13 Jahre alt gewesen. So steht es in einem anonymisierten Gutachten, das im vergangenen April veröffentlicht wurde. Wie die "Main-Post" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] berichtete, gibt es noch weitere Personen, die Übergriffe des Klerikers schildern .

Der Pfarrer ist vor ein paar Jahren gestorben. Die Vorwürfe aus dem Gutachten liegen Jahrzehnte zurück. Doch das Bistum Würzburg hatte bereits 2010 davon Kenntnis. Konsequenzen blieben aus. Der Pfarrer durfte weiterhin Gottesdienste halten und hatte Kontakt zu Jugendlichen. Damals im Amt war Bischof Hofmann. Bei ihm waren die Akten zu diesem und weiteren Fällen verwahrt.

Umgang des Bistums "völlig unverantwortlich"

Vor allem darum ging es nun in Höchberg. Nach dem Schock im vergangenen Sommer hatten Mitglieder der Pfarrgemeinde und Vertreter des Bistums ein Prozessteam gebildet. In fünf Treffen arbeiteten sie auf, wo es Verfehlungen gab und wer dafür Verantwortung trägt. Ergebnis: Der Umgang mit den Vorwürfen war "völlig unverantwortlich". Neben dem früheren, inzwischen gestorbenen Generalvikar liege die Verantwortung dafür bei Alt-Bischof Hofmann.

Alt-Bischof Hofmann äußert Bedauern

Hofmann hatte bereits im vergangenen Sommer Versäumnisse eingeräumt. Der Fall sei nur mündlich an die Glaubenskongregation in Rom gemeldet worden. Schriftlich wäre es Vorschrift gewesen, erklärte er in einem Schreiben.

Eine persönliche Entschuldigung vor Ort blieb aus. So auch jetzt, neun Monate später. Hofmann ist schwer erkrankt. Er zeichnete deshalb eine Videobotschaft auf. "Dass diese Vorwürfe nicht in der erforderlichen Weise bearbeitet wurden, bedaure ich aufrichtig", sagt Hofmann darin. Er hätte "genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen". Gleichzeitig verweist der Alt-Bischof auf seinen damaligen Generalvikar. Dieser habe den Fall bearbeitet. Die Vorwürfe seien 2010 rechtlich verjährt gewesen. Hofmann wolle sich nun "persönlich darum kümmern", dass im Bistum Würzburg eine Stiftung für Betroffene sexualisierter Gewalt entsteht.

Bischof Jung: "Vertane Chance" für Alt-Bischof

"Nur peinlich", sagt eine Frau, nachdem das dreiminütige Video vollständig abgespielt ist. Die anschließenden Wortmeldungen zeigen: Viele im Saal sehen es ähnlich.

Auch Bischof Jung wirkt angefasst. Das Video sei eine "vertane Chance". Jung hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, wie wichtig ihm Prävention und Intervention beim Thema Missbrauch sind. Die Aufarbeitung in Höchberg unterstützt er. Mehrfach habe er mit seinem Vorgänger über den Fall gesprochen: "Ich bin nicht der Richter von Bischof Friedhelm, ich kann ihn nicht zur Einsicht zwingen." Er hätte sich gewünscht, dass dieser "das Versagen damals einräumt, das ist leider nicht geschehen".

Gläubige: Alt-Bischof soll Ehrentitel abgeben

Wie an diesem Abend bekannt wird, befasst sich inzwischen auch die Bischofskongregation in Rom mit möglichen Verfehlungen des Alt-Bischofs. Das Prozessteam aus Höchberg hat sich im Januar mit einen Brief dorthin gewandt. An den amtierenden Bischof Jung richten Mitglieder des Prozessteams ebenfalls die Bitte, Maßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise fordern sie Jung dazu auf, Hofmann den Titel des "Ehrendomherren" zu entziehen.

Jung will dazu an diesem Abend keine konkrete Aussage treffen: "Ich brauche dafür eine Rechtsgrundlage, die ich momentan nicht habe." Das Verfahren in Rom könne er nicht beschleunigen.

Der Aufarbeitungsprozess in Höchberg soll in den kommenden Wochen weitergehen. Zum Beispiel wollen die Gemeindemitglieder Präventionsmaßnahmen erarbeiten – und einen Weg finden, wie sie mit dem negativen Erbe ihres langjährigen Pfarrers umgehen.

Kirche St. Norbert in Höchberg bei Würzburg
Bildrechte: BR/Pirmin Breninek
Audiobeitrag

Nach Missbrauchsvorwürfe gegen einen langjährigen Pfarrer im unterfränkischen Höchberg: Würzburgs Bischof Jung kritisiert seinen Vorgänger.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!