Seit mehr als zwei Jahren dient dieses Haus im Oberallgäu als heilpädagogische Einrichtung für bis zu zehn Kinder und Jugendliche.
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Seit mehr als zwei Jahren dient dieses Haus im Oberallgäu als heilpädagogische Einrichtung für bis zu zehn Kinder und Jugendliche.
Bildrechte: BR/Noah Vaca Weber
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Misshandlungsvorwürfe in Heim: Staatsanwaltschaft ermittelt

Misshandlungsvorwürfe in Heim: Staatsanwaltschaft ermittelt

Mitte April hat das Jugendamt alle sechs Kinder aus einem Heim im Oberallgäu geholt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Kempten offiziell Ermittlungen gegen die Heimleitung eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Nach den Vorermittlungen im Zusammenhang mit der Inobhutnahme aller Kinder aus einem Kinderheim im Oberallgäu hat die Staatsanwaltschaft Kempten nun offiziell Ermittlungen eingeleitet. Das teilte die Behörde auf BR-Anfrage mit. Die Staatsanwaltschaft Kempten führe ein Ermittlungsverfahren gegen die Heimleitung wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten gegenüber BR24.

Aktuell werde gegen eine Person ermittelt. Es werde geprüft, ob in der Einrichtung angewandte Erziehungsmethoden den Tatbestand strafbaren Handelns erfüllen. Weitere Auskünfte will die Staatsanwaltschaft wegen der laufenden Ermittlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben.

Kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden?

Mitte April hatte das Jugendamt alle sechs Kinder aus dem Heim geholt. Die Behörden begründeten diesen Schritt mit mutmaßlich kindeswohlgefährdenden Erziehungsmethoden in der Einrichtung. Schon im Februar hatten sich ehemalige Mitarbeiter aus dem Heim an die Regierung von Schwaben als zuständige Heimaufsicht gewandt. Diese verhängte Anfang März ein Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leitung.

Das Heim darf bis auf Weiteres keine Kinder ohne Zustimmung der Regierung mehr aufnehmen. Derzeit prüft die Behörde nach eigenen Angaben einen möglichen Widerruf der Betriebserlaubnis für die heilpädagogische Jugendhilfeeinrichtung.

Träger steht schon länger in der Kritik

In dem Heim wurden traumatisierte Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren betreut. Der private Träger stand schon bei der Inbetriebnahme des Hauses vor gut zwei Jahren in der Kritik. Hinter der Trägergesellschaft "Himmelstürmer Deutschland gGmbH" steht der Verein "Mission Freedom" aus Hamburg, dem vielfach ein christlich-fundamentalistisches Weltbild unterstellt wird. Die weltanschauliche Ausrichtung der Einrichtung habe bei den aktuellen Vorwürfen und der Inobhutnahme allerdings keine Rolle gespielt, heißt es bei der Regierung von Schwaben und dem zuständigen Jugendamt.

Betreiber geht gegenüber BR nicht auf Vorwürfe ein

In einer Stellungnahme teilte der Heimbetreiber dem BR Ende April mit, Grundlage seines Handelns bildeten die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Auf die erhobenen Vorwürfe ging die Gesellschaft auch auf mehrfache BR-Nachfrage nicht weiter ein.

Das Portal IDEA.de – nach eigenen Angaben eine evangelische Nachrichtenagentur – berichtet, der Vorstand von "Mission Freedom" habe das verhängte Tätigkeitsverbot gegen die Einrichtungsleitung gegenüber dem Portal bestätigt. Die pädagogische Leitung sei umgehend freigestellt worden. Eine beauftragte Kinderschutzfachkraft habe nach einer Prüfung festgestellt, dass keine akute Kindeswohlgefährdung vorgelegen habe. Den Behörden wirft der Verein laut dem Portal vor, die Kinder seien durch die unangekündigte Inobhutnahme retraumatisiert worden. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

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