Auslandsreisen mit dem Zug sind sehr gefragt. Es gibt inzwischen zahlreiche Direktverbindungen von Deutschland in andere EU-Länder, sowohl Tagverbindungen als auch Nachtzüge, zum Beispiel die Nightjets der Österreichischen Bundesbahn ÖBB. Besonders bei Verbindungen wie München – Zürich, Nürnberg – Amsterdam oder Augsburg – Paris verzeichnen die Bahnanbieter eine gestiegene Nachfrage.
Einheitlicher Datenstandard für Europäische Bahnen
Bei der Deutschen Bahn lassen sich seit dem Fahrplanwechsel Auslandstickets direkt buchen, und zwar auf der DB-Homepage (externer Link) oder über die App DB Navigator. Das geht, weil die europäischen Bahnen auf den neuen Datenstandart OSDM zurückgreifen können. Das sorgt dafür, dass viel mehr Züge angeboten werden können.
Die Bahn spricht von mehr als 8.000 Zielen in ganz Europa. "Fahrkarten der ÖBB, SBB, SNCF, Eurostar, Trenitalia und SJ sind direkt verfügbar. Fahrgäste können so unter anderem Verbindungen zwischen Rom und Neapel, Toulouse und London oder sogar von Barcelona am Mittelmeer bis Nordschweden mit wenigen Klicks in nur einem Vorgang buchen."
Pro Bahn kritisiert "zu wenige Sonderangebots-Tickets"
Ob nach Italien, Slowenien, Kroatien, Polen, Skandinavien, Tschechien oder Frankreich: Die Bahn bietet Sonderangebote wie Sparpreise oder Super-Sparpreise Europa. Ab 19,99 Euro nach Italien, ab 18,99 Euro nach Polen oder 37,99 Euro nach Schweden.
Ein durchaus gutes Angebot, findet Martin Kragulji vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er mache jedoch immer wieder die Erfahrung, dass "diese Super-Sparpreise zu den Lockangeboten in so einer geringen Zahl vorkontingentiert sind, dass ein Otto-Normal-Fahrer, der dann diese Reise sucht, zu diesem Preis in der Regel kein Ticket bekommt."
Es klinge schön, "dass ich von Deutschland nach Belgien um 19,99 Euro oder 19,90 Euro fahren kann, wenn aber in einem Zug bloß zwei Tickets zu dem Preis verkauft werden und ich bin aber der Dritte, der das Ticket haben will, dann kann es sein, dass ich schon 40 Euro zahle für die Reise", so Kragulji.
Experten raten zu einheitlichem Ticketkauf
Pro Bahn rät dennoch dazu, Tickets für Auslandsreisen bei der DB oder einer anderen Staatsbahn zu kaufen. Bei so einer Pauschalbuchung "ist es am leichtesten, die Fahrgastrechte auch zu bekommen". Das Ziel müsse sein, möglichst nur eine Fahrkarte zu haben.
Wer zum Beispiel eine Reise von München nach Marseille bei der DB bucht, kann sich auf die europäische Bahngastrechteverordnung berufen, so Reiserechtsexperte Alexander Weigert von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Mit einem einheitlichen Ticket könne man den Anspruch auf der Gesamtverbindung geltend machen. Dazu zählt auch das Recht, in einen nachfolgenden Ersatzzug zu steigen.
Reiserechtsexperte: Buchung ist "Typfrage"
Am Ende sei es auch eine Typfrage, ob man "eher Typ Risiko und Sparfuchs" sei, und günstige Angebote erst im Ausland suche, oder ob man eben pauschal die ganze Reise buche, so der Reiserechtsexperte. Grundsätzlich sei es zu empfehlen, so früh wie möglich zu buchen. Abseits der Hauptreisetage und zu Randzeiten besteht laut Bahn etwas länger die Chance, Sparpreise zu ergattern.
Zudem gilt es, zu bedenken: In Frankreich und im südeuropäischen Ausland gilt Sitzplatz- und Reservierungspflicht. Das hat den Vorteil, dass der Sitzplatz im Zug garantiert wird. Wer zu spät dran ist, kann ohne Aufpreis in einen nachfolgenden Zug steigen, vorausgesetzt es gibt noch freie Plätze. Bei Verspätung eines Zuges entfällt die Zugbindung.
EU will weitere Verbesserungen erreichen
Anfang Mai hat die EU-Kommission eine Verbesserung der Fahrgastrechte beschlossen. Außerdem sollen Bahnanbieter verpflichtet werden, alle Tickets anzubieten. Das heißt, dass die DB zum Beispiel Tickets von Westbahn.at und Flixtrain oder Flixbus mit verkaufen muss und umgekehrt. Für Reiserechtsexperte Alexander Weigert eine große Verbesserung. Auch die Wiederannäherung mit Großbritannien begrüßen Fahrgastverbände und der Reiserechtler.
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