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"No jews allowed": Entsetzen über Äußerung von Oberpfälzer Hotel

"No jews allowed": Entsetzen über Äußerung von Oberpfälzer Hotel

Ein Hotel in der Oberpfalz steht wegen antisemitischer Äußerungen in der Kritik. "No jews allowed", hieß es auf israelische Buchungsanfragen, die das Hotel nach eigenen Angaben für Phishing-Versuche hielt. Dies sorgt für Unverständnis und Entsetzen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

"Sorry, there are no jews allowed in our hotel": Diese Antwort eines Hotels in Lam im Landkreis Cham auf Buchungsanfragen aus Israel hat für Unverständnis und Entsetzen gesorgt.

Bayerischer Antisemitismus-Beauftragter: Eindeutig antisemitisch

Der Antisemitismus-Beauftragte des Freistaates Bayern, Ludwig Spaenle, wertet dies als eindeutig antisemitisch. Er habe den Vorfall an die zuständigen Behörden, darunter die Staatsanwaltschaft, zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. Zugleich habe Spaenle den Hotelier zur Stellungnahme aufgefordert. Dieser soll sich gegenüber dem Regierungsbeauftragten für das Vorgehen entschuldigt haben. "Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln", so Spaenle.

Laut Polizeipräsidium Oberpfalz ermittelt inzwischen die Kriminalpolizei Regensburg. Wie der Polizeisprecher weiter mitteilte, wird der Hotelbetreiber massiv angefeindet und teilweise auch bedroht. Der Name des Hotels ist dem BR bekannt, wegen der Drohungen hat sich der BR jedoch entschieden, den Namen des Hotels nicht zu nennen.

Die israelische Generalkonsulin in München, Talya Lador-Fresher, zeigte sich auf der Kurznachrichtenplattform X (externer Link) erschüttert. Sie schrieb: "Sind wir wieder in den 1930er Jahren?

Charlotte Knobloch: "Man reibt sich die Augen"

"Man reibt sich die Augen, man will es nicht glauben. Aber: Der Satz ist echt", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. "Am Ende ist fast zweitrangig, ob der Urheber ihn aus hasserfülltem Vorsatz oder schlichter Gedankenlosigkeit verschickt hat, denn so oder so beschreibt er die Realität vieler jüdischer Menschen – nicht nur von Israelis. Nicht einmal die kleinsten Momente des Alltags sind unbelastet, die Sphäre des Normalen schrumpft und schrumpft mit jedem Tag."

Zentralrat der Juden: "Menschenverachtende Aussage"

"Die menschenverachtende Aussage 'keine Juden erlaubt' lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. "Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde."

Das Hotel entschuldigte sich und erklärte, wie es zu den Äußerungen kam. Demnach kämpfe das Hotel seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine große Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen. Auch bei der Anfrage aus Israel habe er fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. Der 27 Jahre alte Junior-Chef des Hotels sagte dem BR: "Sehr, sehr dumm von unserer Seite. Entspricht aber keineswegs unserem Gedankengut oder unserem Weltbild." Auch erklärte er, dass er viel zu tun gehabt habe und nebenbei geantwortet habe.

Im Gespräch mit dem BR kritisierte Lador-Fresher die Erklärungsversuche: "Nebenbei? Dann ist das vielleicht genau das, was er denkt. Er hat sich keine Gedanken gemacht. Das ist schon krass, finde ich", so die Generalkonsulin. Sie betonte: "Antisemitismus ist kein israelisches Problem, es ist kein jüdisches Problem. Es ist eine Gefahr für die Demokratie."

Bürgermeister: "Äußerung ist inakzeptabel"

Auch in der Region sorgt der Vorfall für Kritik: Der Lamer Bürgermeister Paul Roßberger (CSU) verurteilt die antisemitische Äußerung aufs Schärfste. "So eine Äußerung ist inakzeptabel. Unser Luftkurort und die gesamte Region steht für Gastfreundschaft, Weltoffenheit und ein respektvolles Miteinander." Landrat Christian Schindler (Freie Wähler) betont, dass Antisemitismus im Landkreis Cham keinen Platz habe und die Region für Offenheit und Gastfreundschaft für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt stehe. Ein solcher Einzelfall dürfe nicht das Bild der zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen.

Die Tourismusabteilung des Landkreises traf laut Mitteilung im Einvernehmen mit der Marktgemeinde Lam die Entscheidung, den Hotelbetreiber bis auf Weiteres auf den touristischen Webseiten zu sperren und aus dem touristischen Marketing zu nehmen.  

Booking.com: "Wir dulden keinerlei Diskriminierung"

Die Plattform Booking.com, über die das Hotel gebucht werden konnte, entfernte das Hotel ebenfalls aus seinem Angebot. Auf eine BR-Anfrage teilte das Unternehmen mit: "Wir dulden keinerlei Diskriminierung. Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen – so wie wir es auch in diesem Fall getan haben."

Zum Video: Lador-Fresher: "Antisemitismus ist kein israelisches Problem"

Die israelische Generalkonsulin in München, Talya Lador-Fresher
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Die israelische Generalkonsulin in München, Talya Lador-Fresher

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