(Symbolbild) Fünf Kinder gehen an einem Fenster vorbei über einen Hof, draußen scheint die Sonne
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(Symbolbild) Wie blicken wir als Gesellschaft auf Kinder?
Bildrechte: picture alliance / ANP | ROB ENGELAAR
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Mit Kindern im Alltag: Der Wunsch nach mehr Verständnis

Mit Kindern im Alltag: Der Wunsch nach mehr Verständnis

Elterngeld für zwölf statt 14 Monate, Unterhaltsvorschuss nur bis 16 Jahre: Für Familien könnte sich bald einiges ändern. Anlass, um die BR24-Community zu fragen, welchen Stellenwert Kinder in der Gesellschaft haben. Eine Auswahl der Antworten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der Ausgangspunkt dieser Recherche: Unter einem Beitrag zu den geplanten Änderungen am Elterngeld kommentiert BR24-Nutzer "Bernhard53": "(...) Kinder gelten als zukünftige Pflegekräfte, Steuerzahler und Arbeitskraftspender, aber weniger als Bereicherung und in sich wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Störfaktoren trifft es oft wohl eher. (...)"

Ablehnung im Alltag

Wir greifen dies auf und fragen im Web und auf Social Media: Kinder – Bereicherung oder "Störfaktor"? Mehr als 300 Antworten kommen zurück.

Die meisten sind sich sicher: Kinder sind eine Bereicherung und wichtig für die Zukunft. Und trotzdem machen einige im Alltag gegenteilige Erfahrungen, so wie Olga. Sie erzählt, dass sie als Lehrerin viele negative Reaktionen erhalte, sobald sie mit einer Klasse in der Öffentlichkeit unterwegs sei. "Dann verfinstern sich Gesichter, man wird beäugt oder man bekommt böse Kommentare."

Vater Robert erinnert sich an einen Ausflug. "Wir waren auf einer Alm und unsere Kinder haben am Tisch rumgeblödelt. Am Nachbartisch hat sich jemand aufgeregt, wir sollen mit unseren Kindern wann anders auf den Berg gehen, weil er seine Ruhe haben will."

Sind Kinder heute schlechter erzogen?

Von ähnlichen Erfahrungen erzählen viele Eltern in Nachrichten, Kommentaren und Telefonaten. Es melden sich aber auch andere. Die, die sich gestört fühlen.

Eine Userin beklagt sich, dass man in Cafés keine Ruhe mehr habe, da Kinder rumschrien, sobald sie nicht ihren Willen bekämen. "Die Erziehung ist flöten gegangen über die Jahrzehnte."

Diesen Vorwurf liest man in den Kommentaren immer wieder. Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut sagt: "Ich würde es auf gar keinen Fall als schlecht bezeichnen. Die Kinder sind heutzutage anders erzogen." Die Erziehungsziele würden sich ändern. Früher hätten Eigenschaften wie Gehorsam, Unterordnung und Autoritätenhörigkeit im Vordergrund gestanden. Heute sei es Eltern wichtig, dass Kinder ihre Gefühlswelt kennen, sich zu autonomen Erwachsenen entwickeln und ihre Meinung vertreten könnten. "Das sind alles ganz wichtige und wertvolle Aspekte, die ein Mensch im Aufwachsen braucht."

Soziologin Regina Neumann vom Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg vermutet weitere Gründe, warum Kinder heute mehr auffallen. "Heranwachsende machen einen kleinen Teil unserer alternden Gesellschaft aus. Sie sind weniger sichtbar, weil ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung klein ist." Dazu kommt die sogenannte "Verinselung der Kindheit", das bedeutet, dass Kinder den Großteil ihres Alltags an Orten verbringen, die für Kinder bestimmt sind. Dadurch käme es aber im öffentlichen Raum zu weniger Vermischung unterschiedlicher Altersgruppen.

Sind andere Länder kinderfreundlicher?

Mehreren Nutzern fällt auf, dass Menschen in anderen Ländern offener auf Kinder reagieren. Lea berichtet von einer Portugalreise: "Da hat mir ein Busfahrer mit dem Kinderwagen geholfen beim Einsteigen. Am Flughafen wird der Kinderwagen als Erstes ausgeladen und den Familien zum Gepäck gebracht."

Und Olga erzählt von Rückzugsmöglichkeiten: "Zum Beispiel in Asien gibt es ganz super ausgestattete Stillzimmer für Familien, wo man auch ein größeres Kind mitnehmen und beschäftigen kann."

Absolute Aussagen über die Kinderfreundlichkeit eines Landes lassen sich schwer treffen, da neben den Alltagserfahrungen viele weitere Faktoren einen Einfluss haben. Zugang zu Bildung, die soziale Teilhabe von Kindern und familienfreundliche politische Regelungen seien ebenfalls wichtig, erklärt Familienforscherin Regina Neumann. "Starke Gesetze zum Kinderschutz, zur Jugendhilfe oder Elternzeit – wie wir sie in Deutschland haben – brauchen auch ausreichend Ressourcen, um ihre Wirkung entfalten zu können."

Nicht jeder kann sich Betreuung leisten

Es gibt mehrere Bereiche, in denen sich die Eltern Veränderungen wünschen, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Lehrerin Olga sagt, für sie lohne es sich finanziell, ihr Kind in die Krippe zu geben, für andere mit weniger Gehalt aber nicht. Sie verstünde jeden, der dann lieber beim eigenen Kind bleibe.

Wunsch nach mehr Verständnis

Jacky hofft im Alltag auf mehr Verständnis für Familien: "Wenn man beim Einkaufen eine Mutter mit zwei kleinen Kindern sieht und beide Kinder schreien, dass man dann nicht böse schaut, sondern einfach hingeht und fragt: 'Kann ich schnell helfen, kann ich was abnehmen?'"

Und Nicole wünscht sich weniger Verurteilung: "Man fühlt sich manchmal so schlecht, weil das Kind gerade nicht so funktioniert, wie die Gesellschaft das möchte."

Wissenschaftlerin Alexandra Langmeyer glaubt, dass es mutige Eltern braucht, die ihre Kinder selbstverständlich mit an öffentliche Orte nehmen und damit ein Vorbild für andere Eltern sind. Denn wenn Kinder im Alltag sichtbarer sind, können sie auch langfristig als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft werden.

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