In Frieden mit sich selbst und seiner Umgebung zu sterben: Das ist der Wunsch und das Ziel vieler Menschen. Oft ist das aber nicht möglich, weil Sterbende allein sind oder die Angehörigen nicht wissen, wie sie mit dem Tod umgehen sollen. Ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter füllen diese wichtige Lücke. Ilona Schneider aus Diebach bei Hammelburg ist seit 15 Jahren ehrenamtliche Begleiterin von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen. Dafür erhält sie am Abend in Berlin den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands.
Trauerbegleitung heißt Zuhören
Beate Claßen hat im vergangenen Juli Abschied von ihrer Mutter genommen. Mit Hilfe von Ilona Schneider. Wenn die beiden in Diebach bei Hammelburg an der Saale entlang spazieren, merkt man sofort, welch enge Verbindung zwischen den beiden Frauen in vielen langen Gesprächen gewachsen ist. "Sie ist ein Mensch, bei dem ich Gefühle zeigen kann, ich bin sonst kein Mensch, der damit nach außen geht. Und danach mache ich jedes Mal einen Sprung in ein neues Leben, ich empfinde wieder mehr Freude", so beschreibt die 64-Jährige Beate Claßen ihr Verhältnis.
Offenheit für die Bedürfnisse
Trauerbegleitung mit Angehörigen, das bedeutet für Ilona Schneider, sich selbst zurückzunehmen und ganz da zu sein für die Bedürfnisse des Menschen, den sie begleitet. "Das kann Zuhören sein, das kann auch mal ein tröstendes Wort sein, in die Bewegung kommen, nach draußen in die Natur. Oder auch eine Berührung, die nicht vordergründig ist, sondern im rechten Augenblick."
Ein Platz zum Abschiednehmen
Einer ihrer Lieblingsplätze ist die kleine Sturmiuskapelle hoch über Diebach. Von der sonnigen Bank vor dem Kirchlein hat man einen weiten Blick über das Saaletal. Manchmal geht sie mit einem Sterbenden oder Angehörigen dann in die Lourdes-Kapelle für ein kurzes Gebet oder sie zündet eine Kerze an. Vielen sei es wichtig, diesen Ort nochmal zu sehen, um dann in Frieden gehen zu können. Auch für Angehörige sei es ein Ort für ein bewusstes Abschiednehmen. Große Worte brauche es dabei oft gar nicht, sagt sie. Manchmal genüge der Satz der Angehörigen: Du darfst gehen. "Oft geht dann noch ein Ruck durch den Sterbenden. Ja, jetzt darf ich, meine Angehörigen kommen allein zurecht."
Bank bei der Sturmiuskapelle über Diebach
Wichtig: Trauerarbeit im Team
Der Auslöser, Ilona Schneider für den Deutschen Hospizpreis vorzuschlagen, kam von den Würzburger Maltesern. 350 ehrenamtliche Trauer- und Sterbebegleiter sind für die Malteser allein im Bistum Würzburg im Einsatz. Deren Aufgabe: Mitfühlen aber nicht mitleiden, sagt der Koordinator der Hospizarbeit Georg Bischof. Ilona Schneider bringe sich seit vielen Jahren leidenschaftlich ein und sei auch vor Ort immer ansprechbar.
Bischof beschreibt Schneider als besonders empathisch und authentisch. Außerdem sei es ihr wichtig, die Hospiz- und Trauerarbeit in einem Team weiterzuentwickeln. So gibt es seit einiger Zeit auch Gruppen, um Kinder und Menschen mit Behinderung zu begleiten.
Nähe und Zeit - gelebte Menschlichkeit
Der christliche Glaube trägt Schneider durchs ganze Leben, erfüllt auch durch das Leben mit ihrem Mann und ihrer gehörlosen, inzwischen erwachsenen Tochter. Wenn sie Trauernde und Sterbende manchmal über Wochen und Monate begleitet, dann geht es vor allem um menschliche Nähe - und Zeit.
Mit ihrem außergewöhnlichen Engagement verkörpert Ilona Schneider beispielhaft, dass Hospizarbeit gelebte Menschlichkeit ist, heißt es vom Deutschen Hospizverband. Sie begegne den Menschen auf Augenhöhe, mit Empathie, Respekt und einem offenen Herzen, heißt es in der Laudatio des Hospizpreises.
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