Fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben im vergangenen Jahr laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Den Anwohnern reicht es mit der Verkehrsbelastung nun: Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, hat stellvertretend für verkehrsgeplagte Anwohner als Privatperson für den 30. Mai eine Demonstration organisiert. Stundenlang soll die A13 Brennerautobahn samt ihrer Nebenstrecken dicht sein – von Italien nach Österreich und umgekehrt.
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Verkehrschaos vorprogrammiert
Mitten in den bayrischen Pfingstferien geht auf der wichtigsten Route nach Italien nichts mehr: Am Samstag, den 30. Mai, also am mittleren Wochenende der bayerischen Pfingstferien ist eine Demonstration von Anwohnern der Brenner-Route genehmigt worden, die gegen die wachsende Verkehrsbelastung demonstrieren wollen. Betroffen sind jeweils in beiden Fahrtrichtungen die A13 Brenner-Autobahn zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner, sowie die B182 Brennerstraße und die L38 Ellbögener Straße.
Der ADAC spricht davon, dass ein Verkehrschaos vorprogrammiert ist, da Umfahrungen nur großräumig möglich sind. Tirol hat strenge Kontrollen durch die Polizei angekündigt. Transitreisende sollen am 30. Mai nicht bis an die Grenzen Tirols fahren, sondern bereits vorher großräumig auf Alternativrouten ausweichen – etwa in Bayern auf der A8 am Inntaldreieck oder bei Verona.
Demo gegen Verkehrsbelastung: Verständnis und Kritik
Bürgermeister Mühlsteiger hat die Demonstration organisiert, weil die Geduld der Anwohner bezüglich der Verkehrsbelastung am Ende sei. Teilweise ist der Ausweichverkehr über die Nebenstrecken der Autobahn so stark, dass Bürger die Straße nicht mehr überqueren können, Schulkinder Lotsen benötigen und Rettungswagen nicht rechtzeitig bei Patienten ankommen.
Zweimal hatte es in der Vergangenheit schon Anträge für eine Demonstration auf der Autobahn gegeben, jedes Mal wurden die vom Gericht abgewiesen, weil eben ein Verkehrschaos und auch Sicherheitsprobleme befürchtet wurde. Im dritten Anlauf hat es geklappt: Die Demo darf stattfinden.
Tiroler Regierung um Diplomatie bemüht
Die Interessenvertretung der Tiroler Wirtschaft brachte im ORF Verständnis für die Anliegen der Bevölkerung hervor, warnte aber gleichzeitig vor den Auswirkungen der Totalsperre. Gegenwind kommt von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU): Er nannte die Aktion einen "Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche".
Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) macht sich Sorgen um die Beziehungen mit Deutschland und Italien. Und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher warnte, dass eine stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und zum Eigentor werden könne. Er möchte deswegen versuchen, die Demo noch abzuwenden: Nach einem Bericht der "Südtirol News" steht er mit den Verkehrsministern von Österreich und Italien in Kontakt und appellierte an die Organisatoren, eine andere Form des Protests zu suchen.
Tirol versuchte derweil die Wogen zu glätten. "Wir müssen die Nachbarstaaten und Nachbarregionen ins Boot holen, denn in Sachen Transit sind nur gemeinsame Lösungen möglich", sagte René Zumtobel, der in der Tiroler Landesregierung für Verkehr zuständig ist. Aktuelles Ziel sei, den 30. Mai für alle Seiten "halbwegs erträglich abzuwickeln", sagte der Sozialdemokrat bei einer Pressekonferenz.
Alternativen? Schwierig!
Alternativen zum Brenner gibt es theoretisch schon: Dazu zählen die Tauernroute, der Reschenpass, das Timmelsjoch, der Gotthardtunnel und der San-Bernadino-Tunnel. Der Nachteil: Praktisch alle diese Routen sind deutlich mühsamer, zeitaufwendiger und teilweise den Verkehrsmassen des Brenner-Ausweichverkehrs nicht gewachsen.
Auch Schleichwege sind nicht empfehlenswert: Die Tiroler Landesregierung kündigte an, nicht nur die Autobahn zu sperren, sondern auch den Durchgangsverkehr auf der parallelen Bundesstraße und Landesstraße. "Für Durchreisende ist es am 30. Mai nicht möglich, den Brennerkorridor zu nutzen", warnte die Landesregierung in Innsbruck schon mal vorsorglich. Auch das Bundesland Salzburg hat auf die Demo reagiert und für den 30. Mai Abfahrtssperren entlang der Tauernautobahn, der A10 verhängt. Das heißt: Erlaubt ist nur Ziel- und Quellverkehr. Die Polizei kontrolliert die Fahrverbote und verlangt einen glaubhaften Nachweis von Start- oder Zielort.
"Urlauber, die genau am 30. Mai über den Brenner müssen, haben also ein großes Problem", bringt es der ADAC auf den Punkt und rät, Reisen an dem betroffenen Samstag besser zu vermeiden.
Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung des Texts hieß es fälschlicherweise "Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher". Korrekt ist "Südtirols Landeshauptmann." Das haben wir am 15.5.2026 um 10.15 Uhr korrigiert.
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