Phillipp Feldmeier ist immer noch fassungslos. Für 6.500 Euro wollte der 32-jährige Regensburger seinen Wagen über ein Online-Portal verkaufen, jetzt sitzt er auf 1.000 Euro Schaden. Mutmaßliche Betrüger, eine vermeintlich harmlose Familie, manipulierten bei einem Besichtigungstermin sein Auto. Die ganze Masche wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Diese war bereits vorher zum Schutz des Grundstückes am Haus installiert worden.
Ablenkungsmanöver: Wenige Sekunden reichen
Bei Ansicht der Bilder schüttelt Philipp Feldmeier immer wieder den Kopf. Er ärgert sich über seine Gutgläubigkeit. Er beschreibt noch einmal die Situation: "Jetzt lockt mich der Vater zum Kofferraum. In dem Moment geht der Junge zum Motorraum und schraubt hier den Deckel von dem Kühlmittelbehälter runter, (…) und hier kippt der Junge das Motoröl in den Kühlmittelbehälter."
Anschließend "entdeckt" der zunächst so freundliche Familienvater den vermeintlichen Schaden. Die Stimmung kippt. Der Mann bezeichnet Philipp Feldmeier als Betrüger. Er biete ein kaputtes Auto an. Die ganze Familie hätte bei einer Fahrt mit dem Wagen sterben können. Laut Polizei handelt es sich dabei um einen recht üblichen Betrugsversuch, um den Kaufpreis zu drücken.
Philipp Feldmeier erzählt, er sei im ersten Moment überrumpelt gewesen. "Ich meine, das Auto ist super gelaufen in der ganzen letzten Zeit, ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass das auf einmal einen Motorschaden hat." So langsam wird dem Regensburger klar, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Er ruft die Polizei. Die Familie macht sich innerhalb weniger Sekunden aus dem Staub.
Autoverkauf: Betrugsversuche vor allem im Internet
Für die Behörden ist das kein Einzelfall. Immer wieder komme es bei Autoverkäufen zu Betrugsversuchen, vor allem auch im Internet, sagt Sprecher Jonas Krauß vom Polizeipräsidium Oberpfalz. Deshalb laute die Devise, potenziellen Käufern gegenüber stets kritisch zu sein, vor allem online. "Mit wem spreche ich da gerade? Wer ist der Käufer? Was weiß ich über ihn? Kommt mir irgendetwas komisch vor?"
Manchmal fordern vermeintlich interessierte Käufer vom Verkäufer Vorauszahlungen, zum Beispiel für eine Spedition, die das Auto abholen soll. Auf so etwas sollte man sich auf keinen Fall einlassen, sagt Krauß. Wichtig sei außerdem, keine sensiblen Daten zu teilen, wie zum Beispiel Fahrzeug- oder Ausweispapiere sowie die FIN, also die Fahrzeug-Identifizierungs-Nummer. Betrüger könnten mit diesen Daten viel Schaden anrichten.
Unterstützung beim Besichtigungstermin
Die Polizei empfiehlt beim Autoverkauf stets den persönlichen Kontakt. Bei Besichtigungsterminen sollten aber immer Freunde oder Verwandte dabei sein, damit man nicht so leicht abgelenkt werden kann.
"Nie mehr allein", sagt auch Philipp Feldmeier, sollte er je wieder ein Auto verkaufen. Noch immer beschäftigt den Familienvater, dass in den Betrugsversuch auch Kinder mit hineingezogen wurden. "Das finde ich eigentlich das Schlimmste daran", sagt er. Seinen 13 Jahre alten Wagen will er nun wohl lieber selbst weiterfahren, "bis er auseinanderfällt". Von Verkaufsgeschäften hat er erst einmal genug. Seinen Wagen wird er nun reparieren lassen. Die mutmaßlichen Betrüger hat er angezeigt, die Polizei ermittelt.
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