Unbekannte haben auf einer Parkbank und einem Mülleimer im Englischen Garten eine Todesdrohung gegen Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, angebracht. Auf BR-Nachfrage wollte sich Knobloch am Freitagabend zunächst nicht äußern.
Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt in dem Fall – wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Sachbeschädigung, wie der Antisemitismusbeauftragte bei der Generalstaatsanwaltschaft, Andreas Franck, erklärte. Zu den Schmierereien zählte laut Franck unter anderem ein Davidstern.
Offenbar Zusammenhang zur Wahl in Sachsen-Anhalt
Nach Angaben eines Polizeisprechers lautete die Drohung wörtlich: "Die AfD hat gesiegt. Morgen hängen wir die Knobloch." Eine Zeugin entdeckte die mit einem wasserfesten Stift angebrachte Schmiererei am Mittwochnachmittag im Südosten des Englischen Gartens und informierte die Polizei.
Die Drohung nimmt offenbar Bezug auf den Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag. Knobloch hatte sich noch am Wahlabend mit deutlichen Worten zur AfD und ihrer Wählerschaft positioniert: "An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können", sagte die Holocaust-Überlebende.
Zeugen des Vorfalls gesucht
Die Polizei sucht nun Zeugen zu den Geschehnissen im Englischen Garten. Wer im südlichen Teil des Parks Verdächtiges beobachtet oder beobachtet hat, das mit dem Vorfall zusammenhängen könnte, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Hinweise auf eine konkrete Gefährdung Knoblochs gibt es laut Polizei derzeit nicht.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sagte Knobloch ihre Teilnahme an einer Buchvorstellung im Kulturzentrum Fat Cat im ehemaligen Gasteig kurzfristig ab. Dort stellte der SZ-Journalist Ronen Steinke am Donnerstagabend sein neues Buch vor. Kommende Veranstaltungen aber wolle Knobloch wie geplant wahrnehmen, etwa das öffentliche Schofarblasen am Sonntag in München anlässlich des jüdischen Neujahrsfests Rosch Haschana, sagte ein Sprecher der Kultusgemeinden dem epd.
Mit Informationen von dpa und epd.
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