Ein Mann im weißen Kittel bei der Arbeit mit einer Pipette und Gummihandschuhen.
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Ein internationales Forscherteam setzt in München auf einen neuartigen Bluttest, um Schlaganfälle zu untersuchen.
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Münchner Forscher öffnen neue Wege für Schlaganfallpatienten

Münchner Forscher öffnen neue Wege für Schlaganfallpatienten

Ein Schlaganfall trifft jedes Jahr mehr als 40.000 Menschen in Bayern. Bis jetzt kosten die aufwendigen Untersuchungen wertvolle Zeit. Nun kommt am Klinikum München-Großhadern ein neues Verfahren zum Einsatz. Ein Segen – für Patienten und Mediziner.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Ein internationales Forscherteam setzt auf einen neuartigen Bluttest, um Schlaganfälle zu untersuchen. Um zu erkennen, wie stark die Schädigung ist und ob Therapien anschlagen, werden bisher meist CT- oder MRT-Bilder gemacht. Das ist teuer und kann nicht oft wiederholt werden.

Etwa 40.000 Menschen erkranken in Bayern jedes Jahr an einem Schlaganfall, so wie Karl Scholl. Der 68-jährige Patient wurde mit unspezifischer Diagnose in die Stroke-Unit des LMU-Klinikums München eingeliefert. Er musste auf eine aufwendige MRT-Bildgebung warten. Ein neuartiger Bluttest könnte in Zukunft schneller Klarheit über seinen Schlaganfall liefern.

Schnelle Diagnose und Behandlung bei Schlaganfall essentiell

Der Test ist aus einer langjährigen Studie entstanden. Er misst die Konzentration eines Proteins im Blut, genannt BD-tau. Neurologe Steffen Tiedt vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung am LMU-Klinikum hat die Studie initiiert. Sie wurde kürzlich im renommierten Fachblatt Science Translational Medicine veröffentlicht, Erstautoren sind Naomi Vlegels und Nicoló Luca Knuth. Für die Studie wurden die Daten von 1.200 Patienten ausgewertet.

Weil beim Schlaganfall jede Minute zählt, sollte er möglichst schnell diagnostiziert und behandelt werden. Teile des Gehirns sind nicht mehr ausreichend durchblutet. Deswegen kann es bei Patienten zu dauerhaften Lähmungen oder Sprachstörungen kommen.

Bluttest ermöglicht engmaschige Überwachung von Schlaganfall-Patienten

Hier setzten die Forschenden an: Durch einen Schlaganfall werde das Protein BD-tau aus dem Gehirn ins Blut freigesetzt, erläutert Oberarzt Steffen Tiedt vom LMU-Klinikum München. Mit Hilfe von Bluttests könne man besser verstehen, was im Kopf der Schlaganfall-Patienten passiere.

Gegenüber der aufwändigen Bildgebung von MRT und CT hat der Test einen entscheidenden Vorteil: Er kann jederzeit wiederholt werden. Dadurch werden eine Verlaufskontrolle und die engmaschige Überwachung der Patienten möglich.

Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Typen von Schlaganfall unterscheiden: eine Einblutung ins Gehirn und eine Durchblutungsstörung wegen eines verschlossenen Blutgefäßes. Der Schlaganfall-Spezialist Götz Thomalla vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hält die Studie für wichtig, weil der Bluttest zeigen könne, dass ein Patient eine relevante Hirnschädigung habe. Thomalla verweist aber darauf, dass der neuartige Bluttest nicht die Ursache zeige, also nicht zwischen den beiden Typen unterscheiden könne.

"Einige Patienten wollen einfach nicht so gerne in die Röhre"

Neurologe Steffen Tiedt vom LMU Klinikum München macht dazu auf zwei ganz praktische Probleme aufmerksam. "Einige Patienten können keine Bildgebung bekommen, weil sie Dinge im Körper haben, die dagegensprechen könnten, Implantate zum Beispiel. Einige Patienten wollen einfach auch nicht so gerne in die Röhre."

Hoffnungen auch für die Diagnose anderer Erkrankungen

Vielleicht hätte auch Patient Karl Scholl die engmaschige Verlaufskontrolle mithilfe des Bluttests geholfen. Erst im Klinikum Großhadern bekam er seine Schlaganfalldiagnose, vorher wusste er monatelang nicht, was er hatte.

Irgendwann, so hoffen die Forschenden, könnte der Bluttest auch bei Patienten zum Einsatz kommen, die mit einem Schädelhirntrauma oder anderen neurologischen Erkrankungen ins Krankenhaus kommen. Bis der BD-tau-Bluttest aber flächendeckend in allen Kliniken eingesetzt werden kann, dürfte es noch einige Jahre dauern.

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