Eine Wohnung steht in Flammen. Foto: Stefan Rampfel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Wohnungsbrände können schnell außer Kontrolle geraten.
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Crans-Montana: Was ist ein Flashover – und wie schützt man sich?

Crans-Montana: Was ist ein Flashover – und wie schützt man sich?

Das tödliche Feuer im Schweizer Wintersportort Crans-Montana hat gezeigt: Brände können schnell außer Kontrolle geraten. Ein Münchner Feuerwehrmann erklärt, woran man lebensgefährliche Situationen erkennt und wie man im Ernstfall richtig reagiert.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Mindestens 40 Tote, mehr als 100 Verletzte – so lautet die schreckliche Bilanz des Brandes in der Bar Le Constellation im Schweizer Kanton Wallis. Bislang ist die Brandursache nicht umfänglich geklärt. Die Hinweise verdichten sich aber, dass ein Tischfeuerwerk, das zu nahe an die Decke geriet, das Feuer auslöste. Ein Flashover könnte erklären, warum so viele Menschen bei dem Brand ums Leben kamen.

Was ist ein Flashover?

Ein Flashover bezeichnet den Moment, in dem sich ein Brand schlagartig auf den gesamten Raum ausbreitet. Ursache sind entzündliche Gase. Diese können sich etwa beim Erhitzen von Einrichtungsgegenständen bilden. "Beim Flashover beginnen die Gase, die aus Möbeln und Einrichtungsgegenständen austreten, auf einmal vollständig zu brennen", erklärt Feuerwehrmann Johann Petryszak. Er arbeitet seit 25 Jahren bei der Berufsfeuerwehr München.

Unter der Decke des Raumes bildet sich Hitze, ein Wärmestau entsteht, bei einem richtigen Mischverhältnis mit bestimmten Gasen kann es so zu einer Durchzündung kommen. Dabei können die Temperaturen auf über 1.000 Grad ansteigen.

Wie schnell kommt es zu einem Flashover?

Das hängt sehr stark von der Einrichtung ab. Während Metallmöbel kaum brennen, sind viele moderne Möbel mit gepressten Holzplatten und Kunststoff brandgefährdeter.

"In einem Raum mit viel Kunststoff, laminierten Oberflächen oder Elektrogeräten kann es im schlechtesten Fall nach drei Minuten schon nicht mehr möglich sein, zu überleben", weiß Petryszak.

Woran erkennt man einen drohenden Flashover?

Ein typisches Warnsignal ist dichter, schwarzer Rauch, der sich unter der Decke sammelt. Je dunkler und dichter die Rauchschicht wird, desto höher die Gefahr. "Wenn der Rauch schon an der Decke steht, sollten eigentlich alle längst aus dem Gebäude draußen sein", sagt der Münchner Feuerwehrmann.

Viele Menschen würden die Gefahr der Situation unterschätzen. "Das, was Menschen tötet, sehen sie nicht", warnt Petryszak. Unsichtbare Gase wie etwa Kohlenmonoxid seien für über 80 Prozent der Brandtoten verantwortlich.

Wie reagiert man im Ernstfall richtig?

Brennt ein Gegenstand und das Feuer lässt sich nicht sofort löschen, lautet die wichtigste Regel: rechtzeitig gehen. "Sobald ich sehe, dass ich den Brand nicht kontrollieren kann, ist das Verlassen des Raumes die einzig richtige Entscheidung", sagt Petryszak. Danach sollte sofort die Feuerwehr informiert werden.

Zwar können Brandschutzkonzepte, Rauchmelder und bauliche Vorgaben die Risiken für einen Flashover senken. "Wenn es zu einem Brand kommt, ist das aber immer ein einzelnes, unkalkulierbares Ereignis", betont der Berufsfeuerwehrmann. Kleine Veränderungen, wie etwa zusätzlich brennbare Materialien, können den Verlauf sofort drastisch verändern.

Wie versucht die Feuerwehr einen Flashover zu verhindern?

Um die Gefahr von einem Flashover richtig einzuschätzen, braucht es jahrelange Übung und viele Simulationen, weiß der Münchner Feuerwehrmann. Brände, in denen der Raum von oben bis unten verraucht ist, seien einfacher zu löschen. Komplizierter sei es bei einem Raum, der an der Decke tiefschwarz verraucht ist, am Boden hingegen überhaupt nicht verraucht. Mithilfe von Löschschaum versucht die Feuerwehr dann, die Deckentemperatur zu senken, um eine Durchzündung zu verhindern.

Wenn ein Flashover bereits stattgefunden hat, sind die Menschen in dem Raum meist mindestens schwer verletzt. "Personenrettung geht dabei immer vor Brandbekämpfung", sagt Petryszak. Die Feuerwehr hat spezielle Schutzausrüstung, durch die sie solche Räume trotz der hohen Temperaturen zumindest für ein kurzes Zeitfenster betreten kann.

Im Audio: Wie kommt es von einem Brand zu einem Flashover?

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