Brand-Katastrophe von Crans-Montana: Herausforderungen bei der Identifizierung der Opfer
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Hunderte Trauernde mit Blumen und Kerzen am Ort des Unglücks in Crans-Montana
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Alessandro Della
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Hunderte Trauernde mit Blumen und Kerzen am Ort des Unglücks in Crans-Montana

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Nach Inferno von Crans-Montana: Trauer und Herausforderungen

Nach Inferno von Crans-Montana: Trauer und Herausforderungen

Der Schock sitzt tief im Schweizer Kanton Wallis, aus aller Welt kommen Beileids-Bekundungen, und längst sind nicht alle der rund 40 Toten nach dem Brand in Crans-Montana identifiziert. Vor welchen Herausforderungen die Behörden jetzt stehen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Rund 40 Todesopfer und 115 Verletzte, die meisten von ihnen schwer. Diese Bilanz des Brandes im Schweizer Kanton Wallis macht fassungslos. Unzählige Blumen liegen am Ort des Unglücks, vor der Bar in Crans-Montana, wo in der Silvesternacht hunderte, vorwiegend junge Menschen gefeiert hatten, als im Kellerraum plötzlich Feuer ausbrach, das sich rasend schnell ausbreitete.

Noch keine genaue Opferzahl - Identifizierung schwierig

Nach wie vor ist von "rund 40" Toten die Rede. Denn es dauert lange, die Opfer zweifelsfrei zu identifizieren. Fachleuten zufolge kann das noch Tage oder sogar Wochen dauern. Denn viele seien stark verbrannt, und aller Wahrscheinlichkeit nach hat es auch Urlauber aus dem Ausland getroffen. Zum zweifelsfreien Abgleich müssten die Schweizer Behörden Material aus dem Ausland einholen – zum Beispiel Zahnprofile oder DNA-Proben.

Auch die Identifizierung der schwer Brandverletzten ist nicht einfach. Eine Schweizer Spezialklinik in Lausanne, in die 22 Brandopfer aus Crans-Montana gebracht wurden, teilte nun immerhin mit, dass alle Patienten identifiziert seien, viele von ihnen stammen offenbar aus Frankreich und Italien. Alle seien schwerstens verletzt, sagte die Direktorin des Universitätsklinikums Waadt (CHUV), Claire Charmet, dem Schweizer Sender RTS. Die Prognosen für sie seien "sehr ernst".

Brandursache nach wie vor unklar

Was die Ursache des Feuers angeht, betonen die Behörden weiterhin zweierlei: Erstens, dass es sich nicht um einen Anschlag gehandelt habe. Und zweitens, dass es der Brand gewesen sei, der die Explosion mit den Knallgeräuschen ausgelöst habe – und nicht umgekehrt.

Nicht bestätigt sind bisher Berichte von Augenzeugen, wonach Tisch-Feuerwerk beziehungsweise Wunderkerzen in Champagner-Flaschen den Brand ausgelöst haben könnten. Möglicherweise hat Lärmschutz-Material an der Decke dadurch Feuer gefangen. Die Ermittler gehen diesen Hinweisen nach, wollen sich bisher aber nicht weiter dazu äußern.

Fragen nach Brandschutz werden lauter

Was die Menschen im Wallis jetzt auch immer stärker beschäftigt, sind die rechtlichen Fragen: Wurden alle Brandschutz-Vorschriften eingehalten, wurden sie überhaupt kontrolliert – und wie häufig? Wie sieht es mit den Fluchtwegen aus?

Die Generalstaatsanwältin des Kantons, Beatrice Pilloud, sagte auf der Pressekonferenz am Donnerstagabend, auch die Frage nach der maximalen Kapazität des Etablissements werde Teil der Ermittlungen sein, und weiter: "Es wurde eine Untersuchung eingeleitet – nicht gegen jemanden, sondern, um die Umstände dieses dramatischen Feuers aufzuklären."

Hunderte gedenken der Opfer in einem Gottesdienst

Der Bundespräsident der Schweiz, Guy Parmelin, hat von einer der schlimmsten Tragödien gesprochen, die es in der Geschichte des Landes je gegeben habe. Die Schweiz trauere, aber sie sei auch vereint im Schmerz, sagte der Bundespräsident am Abend. Fünf Tage lang wehen die Flaggen des Landes jetzt auf halbmast.

Am Donnerstagabend sind etwa 400 Menschen zu einem Gottesdienst in dem Luxus-Skiort Crans-Montana zusammengekommen, um Trost zu suchen und sich gegenseitig Trost zu spenden. Zahlreiche Menschen legten Blumen nieder.

Klinikum Nürnberg nimmt Brandverletzten auf

Viele der 115 Verletzten von Crans-Montana haben schwere Brandwunden davon getragen und müssen deshalb in hochspezialisierten Kliniken behandelt werden, die entsprechenden Kapazitäten in der Schweiz reichen nicht aus. Mehrere Brandopfer werden daher in Kliniken in anderen europäischen Ländern gebracht, auch nach Deutschland in Krankenhäusern in Ludwigshafen, Stuttgart und Tübingen.

In Bayern wird das Nürnberger Südklinikum am Freitagnachmittag einen Brandverletzten aus Crans-Montana aufnehmen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage des BR mit. Zu der Schwere der Verletzungen und über den Gesundheitszustand des Patienten konnte das Klinikum keine Angaben machen. Das Spital Zürich hatte zuvor das Nürnberger Klinikum angefragt, ob es die Versorgung übernehmen könnte.

Im Zentrum für Schwerbrandverletzte in der Unfallklinik Murnau werden bisher keine Verletzten der Brandkatastrophe behandelt. Im Laufe des Tages solle sich entscheiden, ob man einen Patienten zugeteilt bekommt, sagte eine Sprecherin. Auch die München Klinik hat nach eigenen Angaben ihre Unterstützung bei der Versorgung angeboten. Bisher sind noch keine Verletzten in München in Behandlung.

Mit Informationen von dpa und AFP

Im Video: Ermittlungen und Trauer in Crans-Montana

Ein Polizist vor der Bar "Le Constellation"
Bildrechte: pa/dpa/LP/Olivier Arandel
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Ein Polizist vor der Bar "Le Constellation"

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