Damit rechnet vermutlich kaum jemand – an Malaria zu erkranken, obwohl man selbst nicht in einem Risikogebiet unterwegs war. Doch in Frankfurt ist genau das passiert. Im vergangenen Juli erkrankten sechs Beschäftigte des Flughafenbetreibers Fraport an Malaria, zwei von ihnen starben. Nun gibt es erneut zwei Fälle – und zwar außerhalb des Flughafens, im Frankfurter Stadtteil Schwanheim. Eine weitere Person ist verstorben.
- Zum Artikel: Zwei Tote durch Malaria am Frankfurter Flughafen
Damit stellt sich auch in Bayern die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass am Münchner Flughafen, mit seinem hohen Aufkommen an Flügen aus aller Welt, eine infizierte Mücke Menschen ansteckt?
Infektionsrisiko am Flughafen ist gegeben – aber gering
Dass sich ein ähnliches Geschehen wie in Frankfurt wiederholt, hält Professor Jürgen May, Epidemiologe für Tropenkrankheiten an der Universität Hamburg, grundsätzlich für unwahrscheinlich: "Es hat in den letzten Jahren immer wieder einzelne Fälle von Flughafen-Malaria gegeben und die Fälle scheinen auch anzusteigen über die letzten Jahre".
Der Klimawandel, die Globalisierung und der zunehmende internationale Reiseverkehr könnten für eine Zunahme an Malaria-Fällen in Deutschland sorgen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, bestätigt auch August Stich. "Man muss die Kirche im Dorf lassen", betont der Tropenmediziner vom Universitätsklinikum Würzburg.
Ähnlich äußerte sich Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der TU München: "Ein Einzelfall einer Flughafen-Malaria in Bayern ist theoretisch möglich, aber nicht wahrscheinlich."
"Sehr seltenes Einzelereignis"
Dennoch, betont May, seien so viele Fälle in kurzer Zeit wie in Frankfurt sehr ungewöhnlich. Das betreffe auch die Schwere der Erkrankung mit mehreren Todesfällen. Generell handle es sich aber um ein "sehr seltenes Einzelereignis", urteilt er. Zudem sei es nicht so, dass eine infizierte Mücke überall herumfliege und Menschen weiter infiziere. "Mücken haben ja eine relativ kurze Lebensdauer."
Spinner weist zudem darauf hin, dass an den beiden kleineren bayerischen Flughäfen in Memmingen und Nürnberg vor allem nationale und europäische Flüge abgewickelt werden, Direktverbindungen in die Tropen dort aber keine relevante Rolle spielen.
Wie kommt Malaria nach Deutschland?
Generell wird Malaria durch weibliche Anopheles-Mücken, die normalerweise in tropischen und subtropischen Regionen vorkommen, übertragen. Von einer sogenannten Flughafen-Malaria spricht man, wenn eine mit Malaria infizierte Mücke speziell mit einem Flugzeug oder Fracht nach Deutschland gelangt und hier einen Menschen sticht.
Seit 2015 sind dem Robert Koch-Institut (externer Link) insgesamt 19 Malariafälle bekannt, bei denen eine Übertragung in Deutschland wahrscheinlich war. In insgesamt 14 Fällen bestand der Verdacht auf eine Übertragung im Umfeld eines Flughafens. Zwei dieser Fälle wurden 2019, drei weitere 2022 registriert. Auch europaweit sind solche Fälle selten, das zeigt eine Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (externer Link): Für den Zeitraum von 1969 bis Anfang 2024 sind insgesamt 105 Fälle von Flughafen-Malaria in Datenbanken bekannt. Hinzu kommen 32 Fälle von sogenannter Gepäck-Malaria.
Experte: Frankfurt bleibt ein ungewöhnlicher Fall
May sieht derzeit, trotz der aktuellen Fälle in Frankfurt, keinen Hinweis darauf, dass sich ein ähnliches Geschehen zeitnah auch an anderen Flughäfen abspielen könnte. Dennoch: Grundsätzlich bestehe ein Risiko überall dort, wo internationaler Flugverkehr stattfindet und Flugzeuge aus Malaria-Gebieten ankommen.
Da das Risiko zwar gering ist, eine Infektion aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, ist es laut May wichtig, dass Ärzte bei entsprechenden Symptomen auch an diese Infektionsmöglichkeit denken. Der Epidemiologe hält es für sinnvoll, dass Ärzte auch in Bayern darauf vorbereitet sind, wenn sich etwa Menschen aus dem Umfeld von Flughäfen mit unklarem Fieber melden. Dann sollte auch Malaria als mögliche Ursache berücksichtigt werden.
Münchner Flughafen für Ernstfall vorbereitet
Am Münchner Flughafen gibt es für solche Situationen bereits festgelegte Abläufe. Matthias Stempfle von der Pressestelle betont: "Die Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitenden sowie von Passagieren und Besuchern haben für den Flughafen München höchste Priorität." Für Infektionsereignisse und biologische Gefahrensituationen bestehen demnach etablierte Verfahren. Sie orientieren sich am Infektionsschutzgesetz, an den internationalen Gesundheitsvorschriften sowie an den entsprechenden Notfall- und Alarmplänen.
Sollte es einen konkreten Infektionsverdacht geben, arbeite der Flughafen eng mit den zuständigen Fach- und Gesundheitsbehörden zusammen – etwa dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Darüber hinaus, so Stempfle, beobachte der Flughafen gesundheitliche Risiken fortlaufend. Falls erforderlich, können Mitarbeitende und Reisende in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden informiert werden, zum Beispiel über Plakate, Beiträge im Intranet oder auf der Website. Auch die bestehenden Alarm- und Notfallprozesse werden überprüft.
Für Bayern bedeutet das konkret: Eine eingeschleppte infizierte Mücke könnte grundsätzlich auch am Münchner Flughafen ankommen. Ein Szenario wie derzeit in Frankfurt ist nach Einschätzung des Epidemiologen Jürgen May jedoch sehr unwahrscheinlich.
Mit Informationen von dpa
Im Video: Malaria-Vorfall in Frankfurt
Wahrscheinlich war es eine Mücke, eingeschleppt durch ein Flugzeug. Und jetzt ist in Frankfurt am Main der dritte Mensch an Malaria gestorben.
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