Deborah Sturm Rausch (l.) und Steven Felgran (r.) sitzen in dem Innenhof, wo bereits ihre Eltern als Kinder saßen.
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Deborah Sturm Rausch (l.) und Steven Felgran (r.) sitzen in dem Innenhof, wo bereits ihre Eltern als Kinder saßen.
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Deborah Sturm Rausch (l.) und Steven Felgran (r.) sitzen in dem Innenhof, wo bereits ihre Eltern als Kinder saßen.

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Nachfahren von Augsburger Juden besuchen alte Heimat

Nachfahren von Augsburger Juden besuchen alte Heimat

Über 70 Nachfahren jüdischer Familien sind in Augsburg zusammengekommen, um die Heimat ihrer Verwandten zu erkunden. Vor Ort geht es nicht nur um die Geschichte, sondern vor allem um den Austausch untereinander.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

In der Augsburger Innenstadt steht Deborah Sturm Rausch vor einer Gedenktafel am alten Haus ihres Vaters. Heute ist es ein Modegeschäft: "Sie hatten hier eine wundervolle Kindheit, genau hier, an dem Ort, an dem wir gerade stehen", erzählt sie den anderen Nachfahren jüdischer Augsburger, die ihr gebannt zuhören. Ihr Vater konnte Ende der 1930er-Jahre vor den Nationalsozialisten fliehen.

Bildrechte: Deborah Sturm Rausch
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Walter Sturm spielte oft Akkordeon. Das Bild zeigt ihn zusammen mit seinem Cousin John Englaender (unten ) und besten Freund Erwin Cramer (oben).

Fünf Tage Spurensuche in Augsburg

Über fünf Tage erkundeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Stadt ihrer Vorfahren. Organisiert wurde das Treffen vom Jüdischen Museum Augsburg Schwaben, auf Initiative eines Netzwerks der Nachfahren Augsburger Juden. "Ihr Erbe lebt in uns weiter. Und genau deshalb sind wir alle hier. Wir sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass Hitler es nicht geschafft hat", erklärt Deborah Sturm Rausch. Über 1.000 Juden lebten Ende der 1930er Jahre in Augsburg. Einige konnten aus Deutschland fliehen, mehr als 600 starben durch die Nationalsozialisten.

Für eine Familiengeschichte trafen sich die Nachkommen in der Maxpassage, mitten in der Augsburger Innenstadt. Diese hieß früher Untermayer-Passage, nach der Firma der Familie Untermayer. Ihr Nachfahre Tom Cramer setzte sich dafür ein, dass eine Gedenkplakette angebracht wurde. Mit dabei: die Tochter der ehemaligen Köchin seiner Familie. Im Gespräch gleichen sie Familiengeschichten ab: "Als unser Vater am Kriegsende nach Augsburg kam, traf er sich mit Clothilde, das war die Köchin von den Cramers.", erzählt Tom. "So hat er erfahren, dass seine Eltern und der Bruder verschleppt und ermordet wurden."

Bildrechte: Jüdisches Museum Augsburg Schwaben
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Auf einem alten Bild der Maximiliansstraße erkennt man links den Eingang der alten Untermayer-Passage.

Eine Tiefe Verbindung, ohne sich zu kennen

Besonders bewegend wird es für Deborah Sturm Rausch, als sie während der Stadtführung in Bahnhofsnähe eine Treppe entdeckt. Ihr Vater hatte ihr diesen Ort bei einem früheren Besuch gezeigt. Gemeinsam mit ihrem Cousin sucht sie auf dem Handy ein altes Foto: ihr Vater, seine Mutter, genau auf diesen Stufen.

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Walter Sturm (l.) und Ilse Sturm (r.) im alten Innenhof ihres Hauses in Augsburg.

Der Austausch untereinander macht das Treffen besonders, so Deborah Sturm Rausch: "Es ist sehr emotional. Als Nachkommen von Überlebenden haben wir alle eine wirklich tiefe Verbindung zueinander, auch wenn wir uns vorher nicht kannten", erklärt sie. Deborah Sturm Rausch ist aus den USA angereist. Andere Nachfahren kamen aus Norwegen, der Schweiz, Frankreich und Schottland. "Es ist wie in einer Großfamilie. Und das Wissen um den Schmerz, den sie durchgemacht haben – das ist ein Band, das uns für immer miteinander verbindet. Und hoffentlich vergessen wir das nie."

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