Eva-Maria Sperger ist hauptberuflich Psychotherapeutin, ist schon immer sehr sportlich unterwegs und hat vor elf Jahren durch eine Zufallsbegegnung das Trailrunning für sich entdeckt. Seitdem läuft sie überwiegend die Ultra-Distanzen. Der nächste Wettkampf geht über 180 Kilometer und rund 10.200 Höhenmeter. Der Name ist Programm: "Diagonale des Fous", zu deutsch: Diagonale der Narren. Auch dieses Rennen wird sie auf ihrem Account einstellen. Denn auch Eva hat die Erfahrung gemacht: Was nicht auf Strava ist, ist nicht passiert.
Bilder vom Scheitern will keiner sehen
An diesem Nachmittag trainiert sie gemeinsam mit Philipp Reiter am Wank oberhalb von Garmisch-Partenkirchen. Der ehemalige Topathlet arbeitet jetzt als Fotograf, Trailrunning ist nur noch sein Hobby. Viele seiner Bilder und Videos erscheinen in sozialen Medien.
Der Boom des Trailrunnings erklärt sich seiner Meinung nach nicht nur durch die Tatsache, dass der Berglauf anspruchsvoller ist als das Laufen auf der Straße in der Ebene. Der Hype hat auch mit Social Media und den vielen schönen Bildern zu tun. "Die anderen will ja auch keiner sehen", sagt er. In einer Welt, in der "Negativität und negative Schlagzeilen immer größer werden, will man ja auch bewusst nur schöne Sachen sehen". Das sei den meisten Menschen grundsätzlich klar, so Reiter. Aber auch er tappe immer wieder in diese Falle der schönen Bilder.
Fitness-Tracker heizen Boom weiter an
Bestenfalls spornen die Impressionen an, inspirieren – und die Trailrunning-Community wächst, sagen Eva und Philipp. Sport zu machen, sei "was sehr Heilsames und was uns gut tut, mal draußen zu sein, an eine körperliche Grenze zu gehen und tatsächlich auch mal zu scheitern", sagt Eva.
Die Läufe werden über Smartwatches aufgezeichnet und online gestellt. Danach ist der sofortige Vergleich über die Fitness-Apps, wie Strava, Runtastic oder TrainingPeaks, möglich. Das sei auch grundsätzlich nicht schlecht, finden beide. Gefährlich werde es erst, wenn man den Maßstab verkenne, findet Eva. Weil man nicht sieht, wie viel Training wirklich hinter der aufgezeichneten Leistung steckt. Das könne dann in einer völligen Überforderung enden.
Auch Offline-Zeit für Sport bewusst einplanen
Ihr Leistungsstand sei hart erarbeitet, sie habe ihren Körper genau im Blick, betont Eva. Es sei viel Fleißarbeit nötig, um diese Fitness zu erreichen. So habe sie im Zieleinlauf auch nach 100 Kilometern in den Beinen immer noch Kraftreserven. Sie könne 150 Kilometer und tausende Höhenmeter am Stück ohne Muskelkater laufen, schmunzelt Eva, aber keinen Sprint an der Isar.
Natürlich müsse man aber auch mental in der Lage sein, diese Anstrengung durchzuhalten. Sie rät: Den ständigen Vergleich mal bewusst ausblenden, auf sich konzentrieren und auch offline trainieren.
Am Ende sei man – das richtige Training vorausgesetzt – nur noch glücklich, sagt Philipp. Nach einem guten Lauf denke er sich: "Krass, da war ich jetzt einfach mit meinen eigenen Füßen!" Ihn beeindruckt immer wieder der Aspekt: "Was ist eigentlich mit unserem Körper auch möglich?"
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