Die Bagger stehen schon bereit! Hier soll der Anbau für die zwei Hospize in Polling.
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Ort für Leben und Abschied: In Polling entsteht ein Kinderhospiz

Ort für Leben und Abschied: In Polling entsteht ein Kinderhospiz

In Polling ist der Grundstein für ein neues Kinder- und Erwachsenenhospiz gelegt worden. Der Bedarf ist groß: Hunderte Anfragen im Jahr stehen wenigen Plätzen gegenüber. Das rund 20-Millionen-Euro-Projekt wird vor allem durch Spenden getragen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Schon seit Jahren wächst im Pfaffenwinkel eine Idee – getragen von vielen, die Menschen am Lebensende begleiten wollen. Ein Hospiz für Erwachsene gibt es im Kloster Polling nahe Weilheim bereits seit 2002. Das bestehende Haus stößt allerdings längst an seine Grenzen – ein Erweiterungsbau ist dringend nötig. Außerdem plant der Hospizverein bereits seit 2019, auch ein Kinderhospiz zu errichten. Doch der Weg für einen Neubau war nicht einfach: Rückschläge, Unsicherheiten – und die enorme Bausumme von rund 20 Millionen Euro sind für einen Verein eine große Herausforderung.

Hoher Bedarf – bisher zu wenig Plätze

Der Bedarf an Hospizplätzen ist groß. Nach Angaben der Pflegedienstleitung erreichen das Hospiz jährlich bis zu 500 Anfragen. Versorgt werden können bislang nur rund 120 Menschen. Bisher gibt es im Kloster Polling im Landkreis Weilheim-Schongau Platz für zehn Erwachsene. Doch alles ist sehr beengt und begrenzt. Der Neubau soll Abhilfe schaffen: mit größeren Zimmern, mehr Platz für Angehörige und besseren Arbeitsbedingungen für das Personal. Ziel ist es, mehr Raum für Ruhe, Gespräche und würdigen Abschied zu schaffen.

Neubau verbindet Klostertradition und moderne Pflege

Architekt Reiner Fischer plant einen L-förmigen Bau, der die historische Klosteranlage wieder schließt und sich in das bestehende Ensemble einfügt. Gleichzeitig entstehen moderne Pflege- und Aufenthaltsbereiche sowie Räume für Mitarbeitende. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle – unter anderem durch den Einsatz regionaler Materialien.

Künftig werden in Polling sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche begleitet. Während im Erwachsenenhospiz oft die letzte Lebensphase im Mittelpunkt steht, begleiten Kinderhospize Familien über längere Zeiträume. Beide Bereiche bleiben organisatorisch getrennt, profitieren aber von der gemeinsamen Infrastruktur.

Finanzierung: Großes Projekt, breite Unterstützung

Das Bauprojekt hat ein Volumen von rund 20 Millionen Euro und wird größtenteils durch Spenden getragen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die BR-Benefizaktion Sternstunden e.V., die das Vorhaben mit 1,75 Millionen Euro unterstützt. Zahlreiche weitere Spender – von Stiftungen bis zu privaten Initiativen – tragen ebenfalls zum Projekt bei. Ein besonderes Beispiel für dieses Engagement ist die sogenannte "Glückswürmchen"-Aktion: Dabei haben Ehrenamtliche und Unterstützer kleine, gehäkelte oder gestrickte Würmchen gefertigt und gegen Spenden abgegeben. Viele dieser handgemachten Symbole stehen für die breite Solidarität in der Bevölkerung – jeder Beitrag, ob groß oder klein, hilft beim Bau des Hospizes. Darüber berichtet auch die Süddeutsche Zeitung [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt].

Ehrenamtliche als wichtige Säule

Ein zentraler Bestandteil der Hospizarbeit sind Ehrenamtliche. Aktuell werden in Polling 21 Hospizhelferinnen und -helfer ausgebildet – bei deutlich mehr Bewerbungen. Im Mittelpunkt steht dabei weniger Fachwissen als die persönliche Auseinandersetzung mit Sterben und Trauer. Es geht darum, da zu sein, zuzuhören – und Menschen in einer schwierigen Lebensphase nicht allein zu lassen.

Diese Unterstützung wird künftig noch wichtiger: Mit dem Neubau sollen mehr Menschen aufgenommen werden können und dann braucht es auch mehr Personal. Die Fertigstellung ist in etwa zwei Jahren geplant. Dann soll in Polling ein Ort entstehen, der schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen begleitet – mit Zeit, Nähe und Würde.

Jetzt wird aus der Idee Realität

Im Mittelpunkt der Grundsteinlegungsfeier am Freitag stand eine Zeitkapsel, die in den Grundstein eingelassen wurde. Darin: der Gründungsvertrag des Hospizvereins, Münzen, eine Zeitung sowie ein Kreuz und ein Rosenkranz. Bayerns Landtagspräsidentin und Schirmherrin Ilse Aigner betonte, wie wichtig Begleitung am Lebensende ist – gerade dann, wenn Menschen nicht allein sein sollen.

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