Die Debatte um eine Reform der Erbschaftsteuer beunruhigt kleine und mittelständische Betriebe. Ihr Vermögen steckt oft in der Firma. report München sprach mit Unternehmen, die seit Generationen von Familien geführt werden. Wie sehen sie ihre Zukunft?
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Sozialstaats-Reform: Bayern wollen höhere Steuern auf Vermögen

Sozialstaats-Reform: Bayern wollen höhere Steuern auf Vermögen

Wohlstand ist nicht gerecht verteilt, es brauche höhere Steuern auf Vermögen und Erbschaften: So sieht das die Mehrheit im Freistaat. Eine repräsentative ARD-Umfrage zeigt, für welche Reformen des Sozialstaats die Bayern offen sind.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Der Wohlstand in Deutschland ist alles in allem nicht gerecht verteilt: Dieser Aussage stimmen in Bayern 81 Prozent der Befragten zu. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap für das ARD-Beteiligungsformat "Deine Meinung zählt!" Lediglich 14 Prozent finden, dass die Wohlstandsverteilung gerecht ist.

Über die Ergebnisse der Umfrage haben wir mit Julian von Löwis aus der BR-Redaktion Landespolitik gesprochen. Was bedeutet dieses Gerechtigkeitsempfinden für die Demokratie und was ist Gerechtigkeit überhaupt? Darüber haben wir mit Julian Nida-Rümelin (externer Link), Rektor an der Humanistischen Hochschule Berlin, gesprochen. Das Video zum Livestream finden Sie oben über dem Artikel.

Deutschlandweit sind die Zahlen sehr ähnlich – und zwar weitgehend unabhängig von Parteipräferenz und Alter. In den östlichen Bundesländern finden sogar noch mehr Menschen, dass der Wohlstand in der Bundesrepublik ungerecht verteilt ist.

Grafik: Das denken die Bayern über die Wohlstandsverteilung

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Grafik: Das denken die Bayern im April 2026 über die bundesweite Wohlstandsverteilung

Mehrheit auch in Bayern für Vermögensteuer

Sollte es in Deutschland wieder eine Vermögensteuer und eine höhere Erbschaftsteuer auf hohe Erbschaften geben? Dafür spricht sich die Mehrheit der Befragten in Bayern aus. Für 63 Prozent im Freistaat ginge eine Vermögenssteuer in die richtige Richtung, für 30 Prozent nicht. Bei einer höheren Besteuerung hoher Erbschaften ist es weniger deutlich: Dafür sind 53 Prozent, 38 Prozent sind dagegen. In allen anderen Bundesländern liegt der Zustimmungswert höher – bis zu 66 Prozent.

Bei den bundesweiten Zahlen fällt auf: Am höchsten ist die Zustimmung zu beiden Maßnahmen in der Altersgruppe ab 70 Jahren. Bei einem monatlichen Haushalts-Netto-Einkommen über 4.500 Euro sind noch gut 60 Prozent aus dieser Gruppe dafür. Aufgeschlüsselt nach Parteipräferenz zeigt sich: Am größten ist die Zustimmung bei Unterstützern von Grünen und Linken, aber auch in der Anhängerschaft von CDU/CSU sind 62 bzw. 64 Prozent dafür. Nur Anhänger der AfD lehnen Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuer für hohe Erbschaften mehrheitlich ab.

Grafik: Vermögen- und Erbschaftsteuer

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Grafik: Das denken die Bayern im April 2026 über die Einführung einer Vermögensteuer und die Anhebung der Erbschaftsteuer auf hohe Erbschaften

Mehr arbeiten? Lieber nicht!

Wie stehen die Menschen in Bayern zur Aussage "Wir müssen endlich wieder mehr arbeiten, um unseren Wohlstand in Deutschland zu sichern"? Die Skepsis überwiegt. 60 Prozent stimmen nicht zu, 36 Prozent sind offen. Damit liegt Bayern im bundesweiten Durchschnitt. Die höchste Ablehnung gibt es in Brandenburg und Berlin, wo je 73 Prozent nichts von "Mehr Arbeit für mehr Wohlstand" halten.

Mehr arbeiten, um den Wohlstand zu sichern – das halten aufgeschlüsselt nach Parteipräferenz bundesweit nur die Anhänger der Union mehrheitlich für richtig. Bei den Anhängern der anderen derzeit im Bundestag vertretenen Parteien geht das dagegen für die Mehrheit in die falsche Richtung. Mit 90 Prozent am deutlichsten bei Unterstützern der Partei Die Linke.

Interessantes Detail: Lediglich in der Altersgruppe ab 70 Jahren, also in der zumindest weitgehend nicht mehr arbeitenden Bevölkerung, ist bundesweit die Mehrheit für mehr Arbeit (49 zu 46 Prozent).

Sozialleistungen nur für Migranten, die gearbeitet haben?

72 Prozent der Befragten in Bayern sind für eine andere Reform des Sozialstaats: Migranten sollten nur dann Sozialleistungen bekommen, wenn sie hier längere Zeit gearbeitet haben. Bundesweit liegt die Zustimmung bei 66 Prozent. Allerdings unterscheidet die Frage nicht nach Lebenssituationen und Sozialleistungen, sie definiert auch nicht das Wort "länger". Das Bundesverfassungsgericht leitet aus dem Grundgesetz ab, dass allen Menschen in Deutschland ein menschenwürdiges Existenzminimum zusteht.

Persönliche Einschnitte akzeptieren, um die Sozialsysteme für die Zukunft zu sichern – das können sich 50 Prozent in Bayern vorstellen, 45 Prozent nicht. Nach der genauen Art der Einbußen, zum Beispiel bei der Rente oder beim Arbeitslosengeld, wurde nicht gefragt. Besonders im Osten Deutschlands (mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern) ist zu persönlichen Einschnitten nur eine Minderheit bereit.

Grafik: Ansichten zur Sozialpolitik

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Grafik: Das denken die Bayern im April 2026 über verschiedene Forderungen in der Sozialpolitik

Sozialstaat: Welche Einschnitte wären richtig?

Politisch viel diskutiert wird derzeit über Reformen in den deutschen Sozialsystemen – verbunden mit Einschnitten bei bestimmten Leistungen. Geht es nach den Menschen in Bayern, dürfte es solche Einschnitte allerdings nicht geben: Ob bei der Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung – bei keinem dieser Sozialsysteme ist eine Mehrheit der Befragten im Freistaat für Leistungskürzungen.

Am knappsten ist das Ergebnis noch bei der Arbeitslosenversicherung: 37 Prozent halten Einschnitte hier für eher richtig, 49 Prozent für eher falsch. Bei Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung überwiegt noch deutlicher das Nein zu Einschnitten. Bei der Frage, ob ihnen höhere Beiträge oder Leistungskürzungen lieber wären, sind die Menschen in Bayern unentschlossen: 40 Prozent sind für Beitragserhöhungen, 37 Prozent für Leistungskürzungen.

Grafik: Einschnitte in Sozialversicherungssysteme

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Grafik: Das denken die Bayern im April 2026 über Einschnitte in den Sozialversicherungssystemen

Rentenreformen: Was die Bayern wollen – und was nicht

In der Umfrage von Infratest dimap im Rahmen von "Deine Meinung zählt!" geht es auch um konkrete Reformvorschläge für das Rentensystem. Hier antworten die Menschen in Bayern sehr ähnlich wie alle Befragten bundesweit. Eine deutliche Mehrheit ist im Freistaat für zwei Maßnahmen:

  • Beamte, Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen (auch wenn das zumindest bei Beamten mehrere Anschlussfragen aufwirft)
  • sich bei der Rente stärker an den Beitragsjahren orientieren, sodass Menschen, die später in das Berufsleben einsteigen, auch länger arbeiten müssen

Überwiegend skeptisch sind die Befragten in Bayern dagegen bei zwei anderen möglichen Rentenreformen:

  • Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln, also späterer Rentenbeginn bei Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung
  • Beiträge zur Rentenversicherung senken, die gesetzliche Rente auf ein Minimum reduzieren und stärker auf die Eigenverantwortung der Bürger setzen

Im Video: 81 Prozent sehen Gerechtigkeitslücke bei Wohlstandsverteilung

Grafik: Wie bewerten Sie die Wohlstandsverteilung in Deutschland?
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Ist der Wohlstand in Deutschland gerecht verteilt? Haben wir gefragt und hören: Die meisten sagen Nein und fordern Einschnitte.

Im Audio: Für welche Reformen des Sozialstaats die Bayern offen sind

500-Euro- und 50-Euro-Scheine
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Wohlstand ist nicht gerecht verteilt, es brauche höhere Steuern auf Vermögen und Erbschaften: So sieht das die Mehrheit im Freistaat.

"Deine Meinung zählt!" im April 2026

Für "Deine Meinung zählt!" befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap vom 7. bis 14. April 2026 insgesamt 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren (1.241 Telefoninterviews und 843 Online-Interviews). Es handelt sich um eine repräsentative Studie innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren.

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