Peter Heidun ist wie jedes Jahr dabei. Am Ostermontag ist er in den Fürther Stadtpark gekommen. Von blühenden Osterglocken umringt, treffen er und andere Demonstrierende sich mit dem Fahrrad. Von hier aus wollen sie gemeinsam zum Ostermarsch nach Nürnberg radeln. Ihren Treffpunkt haben sie nicht wegen der Frühlingsidylle gewählt: Hier steht das Hiroshima-Mahnmal – errichtet zur Erinnerung an die Opfer des Atombombenabwurfs in Hiroshima und Nagasaki im August 1945.
Ostermärsche haben lange Tradition
Seit 1958 wurde in Großbritannien unter dem Namen "Campaign for Nuclear Disarmament" jährlich von Karfreitag bis Ostermontag von einem britischen Atomwaffenzentrum in das 80 Kilometer entfernte London marschiert. Damals lief das Wettrüsten zwischen Amerika und der Sowjetunion. Zwar war der Zweite Weltkrieg vorbei, doch die Angst vor einem erneuten globalen Krieg kam auch nach Deutschland. Und mit ihr begannen auch hier Ostermärsche.
In den 1980er-Jahren gingen bundesweit bis zu 700.000 Menschen auf die Straße. Peter Heidun, heute ein Mann in den Sechzigern, war damals dabei: "Es ging hauptsächlich um die Aufrüstung, vor allem gegen Atomwaffen." Er ist auch heute gekommen – viele andere von damals aber nicht. Denn nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Kriegs nahm die Angst ab, die Demonstrationen wurden immer kleiner.
Nach dem Kalten Krieg: Darum 2026 noch auf den Ostermarsch
Bei denen, die sich in Fürth treffen, um gemeinsam zur Kundgebung nach Nürnberg zu fahren, ist die Angst vor Atomwaffen wieder da. Und es gibt noch mehr Gründe, warum sie gekommen sind. Bei Ester Ehrenpreis ist es die eigene Familiengeschichte: "Mein Opa war früher Kriegsgefangener. Ich möchte, dass keiner mehr in einer Welt mit Kriegen leben muss."
Jetzt radeln sie los, die 130 Demonstrierenden, zwar aus unterschiedlichen Motiven, aber unter einem gemeinsamen Motto: "Friedenstüchtig statt kriegssüchtig". Zehn Kilometer schnurgerade nach Nürnberg, dort treffen sich alle Ostermarsch-Teilnehmenden zur zentralen Kundgebung am Kornmarkt. Wie im vorherigen Jahr zählt die Polizei rund 900 Menschen, die gegen Krieg und für Frieden protestieren. Das Friedensforum spricht von über 1.000 Teilnehmenden. Die Themen: Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine, die Aufrüstung der Bundeswehr sowie die Debatte über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht.
Demonstration ohne die Jugend?
Doch gerade die jungen Menschen, die jetzt den neuen Wehrdienst antreten sollen und von der Bundeswehr Post bekommen, sind augenscheinlich wenig vertreten. Vielen fehle "noch die Klarheit, dass dieser Brief dazu führt, gemustert zu werden, und gemustert werden dazu führt, dass ich ein Jahr oder noch länger was machen muss", sagt Veranstalter Michael Käser vom Friedensforum Nürnberg. "Ich glaube, das wird peu à peu noch klarer werden."
Für Ester Ehrenpreis war das neue Wehrdienstgesetz ein Grund, um heute zu kommen: "Ich möchte, dass vor allem junge Menschen nicht zu einem Wehrdienst an der Waffe gezwungen werden."
Kritik an evangelischer Kirche auf Ostermarsch
Auch in anderen bayerischen Städten fanden Ostermärsche statt. Der Sprecher des Münchner Friedensbündnisses, Heinz Michael Vilsmeier, nahm bei der Kundgebung die Kirchen in die Pflicht. Sie sollten eine etwas friedlichere Rolle spielen, sagte er. Die Kirchen, und insbesondere die evangelische Kirche, hätten sich auf eine Weise positioniert, die nicht besonders friedenschaffend sei. Im November hatte die EKD im Rahmen ihrer Synode klargemacht, dass der Besitz von Atomwaffen politisch notwendig sein kann.
Bundesweit sind nach Angaben der Veranstalter an über 100 Orten Zehntausende Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen. Die Abschlussveranstaltung fand am Montagabend in Frankfurt am Main statt. Laut Veranstalter kamen 5.000 Menschen auf dem Römerberg zusammen, die Polizei zählte 1.200 Teilnehmende.
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