David, Oscar und Raffael sind im Fußballfieber. Die Weltmeisterschaft ist noch nicht angepfiffen, aber bei den drei Elfjährigen läuft das Turnier längst. "Deutschland hat ne richtig leichte Gruppe, also wenn die die nicht schaffen, dann wär es schon richtig peinlich", sagt Oscar.
In der Münchner Au, rund um die neugotische Mariahilfkirche, klappern die drei Kioske ab, hoffen auf neue Lieferungen, halten Ausschau nach kleinen Tütchen, in denen für sie gerade die große Fußballwelt steckt: Panini-Bilder. "Hallo, gibt es hier Panini-Sticker?" – "Ne, leider nicht" – "Und wann kommen die?" – "Vielleicht um 20 Uhr." Immer wieder heißt es: ausverkauft. Wer derzeit Panini-Bilder sucht, braucht Geduld.
Warum Panini mehr ist als nur kleben
Dass die Tütchen derzeit sehr gefragt sind, beobachtet auch der Handel. Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sagt: "Der Run auf die Panini Bildchen ist in diesem Jahr besonders groß, denn es sind diesmal super viele Mannschaften." 980 Bildchen muss man sammeln, um das Album voll zu bekommen. Mehr als doppelt so viel wie in den Jahren zuvor.
Hinzu kommt: "Zum vorletzten Mal hat Panini die Rechte, dann geht es in die USA", erklärt Ohlmann. Das liegt an einem neuen Deal der FIFA: Fanatics, ein US-Sportmerchandising-Konzern, hat sich ab 2031 die exklusiven Rechte für FIFA-Sticker gesichert. Damit endet eine lange Ära.
Die Panini-Brüder: Von Modena in die Welt
Seit 1961 steht der Name Panini wie kaum ein anderer für Fußballträume im Papiertütchen. Nach ersten Versuchen mit Blumenbildern setzen die Brüder Panini in Modena auf das, was Italien bewegt: den Fußball. Sie bringen 90 Klebebilder italienischer Mannschaften heraus und finden damit die Formel, die Millionen Kinder begleiten wird: kleine Bilder, große Sehnsucht, ein Album voller Lücken.
Der internationale Durchbruch kommt zur Fußball-WM 1970 in Mexiko, als Panini erstmals ein offizielles WM-Sammelalbum veröffentlicht. Das erste in Deutschland erhältliche Panini-Album erscheint zur Europameisterschaft 1984 in Frankreich.
Der Reiz des Echten
Eigentlich wirkt das Prinzip fast aus der Zeit gefallen: Papierbilder sammeln, einkleben, tauschen. Und doch funktioniert es noch immer – trotz Handyzeitalter. "Hier hat man irgendwie in der Realität was in der Hand", sagt der elfjährige Raffael. Auch für den Sporthistoriker und Politikwissenschaftler Jürgen Mittag von der Sporthochschule Köln liegt darin ein Schlüssel zum Erfolg. Dass das "haptische, physische Erlebnis immer noch ein zentrales Moment darstellt", lasse sich auch in einer "digitalisierten Welt festhalten". Ein Blick auf die virtuelle Panini-Welt bestätigt das: Die Digital-Packs werden laut Bayerischem Handelsverband kaum angenommen.
Sammeln als gemeinsames Erlebnis
Längst seien die Sticker Teil der Fußballkultur. "Fußball stellt auch hier ein verbindendes, gemeinschaftsstiftendes Instrument dar und die Fußballbilder sind, wenn man so will, ein Ausdruck der Vorfreude." Der Erfolg liegt am einfachen Prinzip, sagt Sporthistoriker Mittag. Man kaufe keine fertige Sammlung, sondern Hoffnung im Tütchen. Hinzu komme der Reiz der Knappheit. "Manche Bilder seien häufiger zu finden, manche extrem selten. "Das ist schon geschickt gesteuert", so Mittag. "Das ist auch nochmal etwas, was die Spannung befördert."
David, Oscar und Raffael haben sich entschieden, gemeinsam zu sammeln. "Zusammen hat man einfach dann dieses schöne Erlebnis, sich gemeinsam zu freuen", sagt Raffael. Oscar mag besonders den Moment vor dem Öffnen: "Einfach die Spannung, wo du nicht weißt, was drin ist." Und David sagt: "Ich finde es einfach cool, andere Jungs aus unserer Klasse zu übertreffen."
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