Die bayerische Kultusministerin übt den Spagat: Anna Stolz (Freie Wähler) will die Prüfungskultur an den bayerischen Schulen modernisieren, öffnen, an die sich schnell wandelnde Lebens- und Arbeitswelt anpassen. "Die Herausforderungen durch die Künstliche Intelligenz und den digitalen Wandel in all seinen Facetten nehmen in nahezu allen Lebensbereichen rasant zu. Die Schule ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen und mit Blick auf eine ganzheitliche Wissens- und Kompetenzvermittlung reichen Fachkenntnisse allein längst nicht mehr aus."
Schüler müssten immer mehr die Fähigkeit haben, Gelerntes anzuwenden, eigenständig zu denken und zu hinterfragen. Gleichzeitig ist es Stolz und besonders Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wichtig, die Prüfungskultur im Freistaat auf hohem Niveau zu halten und die bayerische Spitzenstellung zu bewahren. Dazu gehört auch, dass Söder an den unangekündigten Leistungsabfragen, den sogenannten Exen, festhält.
Neue Prüfungsformen: Podcast, Video, Debatte
Schon ab dem kommenden Schuljahr sollen Grundschüler nicht mehr nur den klassischen Mathetest schreiben, sondern ihr Mathe-Thema in einem Podcast bearbeiten können. Mittelschüler könnten beispielsweise ein Erklärvideo über ihre Schule drehen, im Rahmen des Englischunterrichts. Die Fremdsprache anwenden also. Und an den Realschulen ist es möglich, Debatten der Schüler zu benoten. Konkret könnten Deutschlehrer dann ein Debattenthema vorgeben. Beispiel: "Sollen Flugreisen verboten werden?" Die Schüler bereiten das Thema vor, auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, und legen ihre Argumente dann in Kleingruppen debattierend dar. Das wird benotet.
Um diesen Neuerungen Raum zu geben, sollen weniger verpflichtende Leistungsnachweise nötig sein. Konkret heißt das, dass am Gymnasium in der Unterstufe in Deutsch künftig eine Schulaufgabe weniger geschrieben wird. "Um den Schulen Spielräume zu eröffnen, geben wir ihnen deshalb die Möglichkeit, die Zahl der Leistungsnachweise in verschiedenen Bereichen flexibler zu gestalten und so zusätzliche pädagogische Freiräume zu gewinnen", sagt Stolz.
Schüler gezielter unterstützen
Um Schüler besser auf Prüfungen vorzubereiten, setzt die Kultusministerin stärker auf "regelmäßige, lernförderliche Rückmeldungen". Digitale Anwendungen und KI-Angebote sollen den Kindern und Jugendlichen helfen, genau bei ihren Schwächen anzusetzen. Dazu wird die "BayernCloud Schule" erweitert.
Ergebnis des Dialogprozesses
Stolz geht diese Schritte nach einem langen Dialogprozess mit Schulleitern, Lehrkräften, Eltern und Schülern. Schon ab dem kommenden Schuljahr können Lehrer die neuen Prüfungsformate ausprobieren. Eine Pflicht, sie anzuwenden, gibt es vorerst nicht.
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