Freitagsgebet beim deutschsprachigen Muslimenkreis in Weiden in der Oberpfalz: Rund 150 Gläubige aus mehr als 40 Ländern haben sich in einem Gebetsraum zusammengefunden. Sie hören die Predigt von Imam Maher Khedr. Die Gebete sind auf Arabisch, seine Predigt hält der Imam aber auch auf Deutsch.
Er spricht über die anstehende Kommunalwahl: Ein guter Muslim übernehme Verantwortung für die Gemeinschaft und solle deshalb auch wählen gehen. Maher Khedr hat auch schon über Mülltrennung, Wassersparen und Frauenrechte gepredigt.
Imame – Ansprechpartner in allen Lebenslagen
Maher Khedr stammt aus Ägypten und ist einer der ersten Absolventen des Osnabrücker Islamkollegs – einer deutschen Imam-Schule: "Selbstverständlich kann jeder Imam theologische Fragen beantworten, zum Beispiel, wann die Zeit des Fastenbrechens ist." Die Rolle eines Imams sei aber mehr als religiöse Fragen zu beantworten.
Der in Deutschland ausgebildete Imam hilft bei allen wichtigen Lebensfragen – angefangen von Familienproblemen bis zu politischen Fragen oder auch Entscheidungen, was die Ausbildung der Kinder angehe.
Die Auslegung des Korans müsse sich immer an das jeweilige Land anpassen, findet Khadr. Deshalb müssten Imame verstärkt in Deutschland ausgebildet werden – auch, um zu verhindern, dass Prediger radikale Antworten geben. Beim Islamischen Zentrum, einer anderen Moschee ebenfalls in Weiden, rief ein syrisch-stämmiger Deutscher zur Tötung von Juden auf und wurde deshalb wegen Volksverhetzung verurteilt.
CSU will keine Imame aus dem Ausland mehr
Auf ihrer jüngsten Klausurtagung hat die CSU das schon länger schwelende Thema der Imam-Ausbildung in Deutschland wieder aufgegriffen. Ziel sei es, mit in Deutschland gut ausgebildeten Imamen auch Radikalisierung und Extremismus vorzubeugen. Die Partei will langfristig, dass keine Imame mehr aus dem Ausland nach Deutschland entsendet werden. Bis es eine Ausbildung von Imamen hierzulande gibt, sollen ausländische Imame zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichtet werden.
Der größte Moscheeverband in Deutschland, DITIB, lehnt den CSU-Vorstoß ab: "Der Staat hat sich in die religionseigenen Angelegenheiten nicht einzumischen. Unser Grundgesetz sieht es vor, dass die Religionsgemeinschaften ihre Angelegenheiten selbst klären", sagt DITIB-Generalsekretär Eyüp Kalyon. "Wir haben heute eine Ausgangslage, wo wir viel stärker aufgestellt sind, wo wir viel weiter sind bei der Ausbildung, beim Theologiestudium, selbst in Deutschland. Wir haben in Deutschland insgesamt sieben Zentren für Islamische Theologie", erklärt Kalyon.
DITIB findet Vorschlag nicht zeitgemäß
Der DITIB-Generalsekretär betont: Bereits seit 2019 bildet DITIB Imame in Deutschland aus, rund 30 Prozent der DITIB-Imame seien in Deutschland geboren, hier sozialisiert oder hätten in Deutschland studiert. Und die Zahl steigt. Bezahlt werden deren Gehälter aber weiterhin von der türkischen Religionsbehörde, und das sorgt immer wieder für Kritik. "Ein Imam, der seinen Lohn aus Saudi-Arabien oder aus der Türkei erhält, orientiert sich auch an diesem Land", sagt der Weidener Imam Khedr.
Auch in Bayern kann man schon länger Islamische Theologie studieren, trotzdem werden nur wenige Absolventen anschließend Imam. Viele Moscheegemeinden, wie der deutschsprachige Muslimenkreis in Weiden, können sich oft keinen Imam leisten. Das Problem ist also auch, dass es wenige unabhängige und gute bezahlte Imam-Stellen gibt. Deshalb wird auch immer wieder über eine Moscheesteuer diskutiert – vergleichbar mit der Kirchensteuer.
Wer finanziert die Imame?
Ein schwer zu realisierendes Vorhaben. Die religionspolitische Sprecherin der Grünen, Gabriele Triebel, hält diesen Weg trotzdem für notwendig und gangbar. "Wir müssen zusammen mit der muslimischen Community einen Weg finden, dass das so auch hier in Bayern passiert", sagt Triebel. Der Staat könne auf jeden Fall beratend tätig sein, aber: "Das Geld muss natürlich von den Gemeinden kommen."
Bei der CSU könnte man sich vorstellen, Imam-Stellen auch aus den Geldtöpfen zur "Extremismusprävention" zu finanzieren. Doch solange es keine solide Finanzierung für Imam-Stellen gibt, werden sich wenige für den Beruf entscheiden. Und dadurch werden Moschee-Gemeinden entweder auf Imame aus dem Ausland zurückgreifen – oder auf ehrenamtliche Imame wie Maher Khedr hoffen müssen.
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