Es ist nur eine von 19 Ausstellungen auf dem 22. Comic-Salon in Erlangen, aber sicherlich die mit der stärksten Aussage. Das zeigt sich schon in der Farbe. Während die Simpsons – natürlich – in knallgelb gestrichene Räume einladen, ist die Farbe der Ausstellung "#iceoutcomics – Mit dem Stift gegen Trump und die US-Abschiebepolitik" blau. Eisblau und kalt. Das gilt für die Wände ebenso wie für jedes der 30 ausgewählten Werke US-amerikanischer Comic-Zeichnerinnen und -zeichner. Ein Kenner der Szene, der Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne, hat sie kuratiert.
Haltung zeigen mit erhobenem Stift
"Der Protest-Comic ist sehr lebendig in den USA und wurde durch Trump noch mehr belebt", sagt Lars von Törne, der im Januar 2026 auf den Zusammenschluss von Comic-Zeichnerinnen und Zeichnern aus Minnesota aufmerksam wurde. Am 16. Januar hatte K. Woodman-Maynard einen Online-Comic veröffentlicht, der bald eine große Wirkung entfaltete. Es war der Aufruf zur Aktion "ICE Out Comics", die Woodman-Maynard zusammen mit den Zeichnern Jason Walz und Trung Le Nguyen initiiert hatte. Ein vierteiliger Comic mit der Botschaft: Lasst uns zusammenarbeiten, um ICE aus dem Land zu bekommen.
Die drei leben in Minneapolis, wo sich zu jener Zeit die Auseinandersetzungen um die US-Einwanderungsbehörde ICE und die Abschiebepolitik der Trump-Regierung zuspitzten. Von Törne berichtete im Tagesspiegel über die Aktion, was schließlich in die Ausstellung in Erlangen mündete.
Das Bild, das zum Protest aufruft. Im Januar 2026 verbünden sich Comic-Zeichnerinnen und Zeichner aus Minnesota zum Kampf gegen die Behörde ICE.
Wenn der Nebensitzer im Klassenzimmer plötzlich wegbleibt
Zahllose Zeichnerinnen und Zeichner beteiligen sich an der Aktion, deren einzige Vorgabe es ist, die Comics in eisblau zu verfassen. "Auf Instagram oder anderen Kanälen werden in den USA sehr viele Comics veröffentlicht", sagt Lars von Törne. "Einige dieser Posts haben eine Million Klicks bekommen." Er steht bald vor der schwierigen Wahl, welche davon er für den Comic-Salon auswählen soll.
"Wir haben uns für 30 Comics von 20 Künstlerinnen und Künstlern entschieden. Es geht zum einen darum, wie es den Menschen vor Ort geht, die von den Polizeiaktionen betroffen sind." In einem anderen Kapitel zeigt die Ausstellung die Gegenwehr der Menschen in Minneapolis. Dazu kommen Comics, die sich mit den Hintergründen beschäftigen. "Jeder Comic ist in einem anderen Stil verfasst. Es sind Profi-Zeichner dabei, aber auch eine 13-jährige Schülerin." Die Jugendliche hat im Comic verarbeitet, dass Mitschülerinnen und -schüler plötzlich nicht mehr im Klassenzimmer sind, weil sie abgeschoben wurden.
Comics – ein etabliertes literarisches Genre
Der 22. Internationale Comic-Salon Erlangen ist ein vier Tage dauerndes Festival mit 30 Locations, die sich bis zum 7. Juni über das Erlanger Zentrum verteilen. Darunter eine gewaltige Comic- und Manga-Messe, Signierstunden, Workshops und Lesungen. Vor allem ist es aber auch ein Treffen einer Szene, die in Deutschland wächst. Der Comic steht längst nicht mehr in der Schmuddelecke, sondern ist ein Genre, das viel mehr kann als nur zu unterhalten – zum Beispiel mit eindrücklichen Bildern wirkungsvoll protestieren.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

