Symbolbild: Überblick über das Münchner Oktoberfest am 20.9.26
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Psychische Notfälle auf dem Oktoberfest – oft Alkohol im Spiel

Psychische Notfälle auf dem Oktoberfest – oft Alkohol im Spiel

Zu viel Alkohol ist zwar der häufigste Grund, warum Hilfe von Sanitätern und Ärzten auf dem Oktoberfest gefragt ist. Aber sie wissen auch, was bei psychischen Notfällen zu tun ist und wann sie ein Kriseninterventionsteam hinzuziehen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Hunderte Patienten jeden Tag: Sanitäter und Ärzte auf dem Oktoberfest haben jede Menge zu tun mit vielen, ganz verschiedenen Notfällen. Von Alkoholvergiftungen über Kreislaufprobleme bis zu Knochenbrüchen und Platzwunden behandeln sie Patienten oder leisten die Erstversorgung, bevor jemand ins Krankenhaus kommt. Dabei stehen sie immer wieder auch psychischen Notfällen gegenüber.

Keine Fallzahlen für psychische Notfälle – oft Alkohol im Spiel

Wie viele psychische Notfälle es auf dem Oktoberfest gibt, lasse sich in belastbaren, klar abgegrenzten Fallzahlen gar nicht benennen, wie der Pressesprecher der Aicher Ambulanz auf BR24-Anfrage erklärt. "Grund dafür ist, dass sich die Krankheitsbilder in der Praxis häufig überlagern: Symptome einer Alkoholintoxikation, akute Überlastungs- und Stressreaktionen sowie psychische oder psychiatrische Notfälle treten oftmals gemeinsam auf und sind nur eingeschränkt voneinander zu trennen", erläutert der Pressesprecher der Aicher Ambulanz, die den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest betreibt. Insbesondere der Einfluss von Alkohol würde es erheblich erschweren, im Einsatz andere mögliche Ursachen abzugrenzen.

Zu viel Alkohol ist ohnehin Behandlungsursache Nummer eins auf dem Oktoberfest. 2025 hat der Sanitätsdienst insgesamt 7.158 Personen auf der Wiesn behandelt. Der Anteil alkoholbedingter Notfälle lag bei rund 39 Prozent. 34 Prozent waren chirurgische Verletzungen. Internistische und sonstige Beschwerden machten 26 Prozent aus – in diesem Bereich werden Erkrankungen wie Herzinfarkt oder eben auch psychische Notfälle zusammengefasst.

Psychische Stressreaktionen: Von aggressiv bis erstarrt

Beispielhaft beschreibt der Pressesprecher der Aicher Ambulanz, was passieren kann, wenn Menschen durch Gedränge und laute Geräuschkulisse überreizt sind. Die Belastung könne in Panikreaktionen umschlagen nach dem Muster "Fight" (Kampf), "Flight" (Flucht) oder "Freeze" (Erstarren). Es gebe Personen, die sich bedrängt fühlen und sich wehren, auch wenn das Team ihnen in diesem Moment helfen will.

Andere würden flüchten wollen – auch weg von den Freunden, mit denen sie vielleicht zu dem Volksfest gekommen sind. "Aber es gibt natürlich auch Menschen, die dann wie im Schock neben sich stehen und von uns erst wieder bisschen in die Realität zurückgeholt werden müssen", beschreibt der Pressesprecher. "Das ist immer unterschiedlich, wie sich so etwas entwickeln kann."

Individuelle Versorgung zum Beispiel mit Ruhe und Gesprächen

Die Versorgung der Patientinnen und Patienten erfolge stets individuell und orientiere sich am jeweiligen Beschwerdebild und Bedarf. Beispielhafte Maßnahmen aus Einzelfällen seien die Unterbringung in einem reizarmen Ruheraum der Sanitätswache, um eine Stabilisierung zu ermöglichen, sowie eine auf Gesprächen basierende Betreuung.

In manchen Fällen Krisenintervention

In einzelnen Fällen werde das Kriseninterventionsteam "KiM – Krisenintervention in München" hinzugezogen. Das KiM ist der Aicher Ambulanz angegliedert, wobei Retter aus verschiedenen Organisationen dafür arbeiten. Das Kriseninterventionsteam sei quasi "griffbereit" und stehe dem Wiesn-Team gerade bei psychischen Ausnahmesituationen oder in psychosozialen Fällen zur Verfügung, schildert der Aicher-Ambulanz-Sprecher. Es helfe zum Beispiel nach Reanimationen oder größeren Einsätzen, wenn jemand betreut werden möchte.

Das KiM übernahm zum Beispiel die Betreuung der Frau, deren Ehemann in einem Wiesn-Biergarten zusammengebrochen und von drei Kellnerinnen gerettet wurde. Auch die Augenzeugen des tödlichen Unfalls eines Security-Mitarbeiters am Fahrgeschäft "Hangover" wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Hilfeadressen

Bei psychischen Notfällen auf dem Oktoberfest kann zwar direkt vor Ort geholfen werden. Generell Hilfe gibt es zum Beispiel beim Krisendienst Psychiatrie Oberbayern oder den Krisendiensten Bayern.

Dieser Artikel ist erstmals am 26.09.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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