Steffen Marx will auf dem Oktoberfest mehr sein als nur Besucher. Seit Jahren versucht der Chef des Giesinger Bräu, sein Bier auf dem größten Volksfest der Welt auszuschenken, doch er darf nicht. In seiner Brauerei gibt es eine Wand, auf der steht, wie oft sein Bier schon fürs Oktoberfest abgelehnt wurde. "Viel Platz habe ich nicht mehr, also müssen wir langsam Gas geben", sagt er.
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Reicht aus Sicht der Stadt nicht für die Wiesn
Das Giesinger Bräu ist die einzige Münchner Brauerei, die nicht am Oktoberfest ausschenken darf. Was 2006 als Hinterhofbrauerei begann, ist inzwischen ein großer Betrieb im Münchner Norden. Das Bier wird, wie es die Regeln erfordern, in München aus original Münchner Wasser gebraut – den Tiefbrunnen dafür hat Marx extra bauen lassen. Trotzdem reicht es aus Sicht der Stadt nicht für die Wiesn.
Kriterien für Wiesn-Brauereien: Tradition, Leistungsfähigkeit, Bewährtheit
Seit Jahrzehnten wird auf der Wiesn dasselbe Bier verkauft. Aus gutem Grund, findet Andreas Maisberger vom Verein Münchener Brauereien. "Es gehört dazu, dass es eine Traditionsbrauerei ist. Dass sie leistungsfähig ist", sagt er. "Und dass eine Brauerei bewährt ist." Maisbergers Aussage deckt sich mit den Kriterien, die auch die Stadt München auf Nachfrage von Kontrovers - Die Story nennt: Tradition, Leistungsfähigkeit, Bewährtheit. Schwer erreichbar für Newcomer.
Prinz Luitpold von Bayern: "Ich halte es für ein Kartell"
Und ungerecht, sagt Prinz Luitpold von Bayern. Wohl kaum ein anderer hat je so intensiv gegen dieses System angekämpft wie er. In den 1980er Jahren hatte der königliche Nachfahre Protestmärsche von seiner Brauerei in Kaltenberg bis zur Wiesn unternommen, um dort sein Bier anzubringen. "Das war abenteuerlich", sagt er heute.
Prinz Luitpolt von Bayern hat seine persönliche Mission längst aufgegeben, kritisiert aber weiterhin das Vergabeverfahren. "Ich halte es für ein Kartell", sagt er. Ein Vorwurf, dem die Stadt München deutlich widerspricht.
Kontrovers - Die Story: Bier, Geld, Macht – der Kampf um die Wiesn-Zelte
Münchner Wirt fordert gerichtlich europaweite Ausschreibung bei Zelt-Vergabe
Auch das System der Zelt-Vergabe steht dieses Jahr im Fokus. Seit Jahrzehnten läuft es so: Sieben sogenannte "Brauereifesthallen" stehen den Brauereien zur Verfügung, die sich selbst einen Festwirt suchen. Hinzu kommen die Schützenzelte, die von Schützengesellschaften vergeben werden. Und dann gibt es noch einige größere und kleinere Zelte, die die Stadt München direkt an Wirte vergibt, die sich bewerben.
Doch ein Wirt hatte dieses Jahr vor Gericht eine europaweite Ausschreibung gefordert und damit für Schlagzeilen gesorgt. Auf den Zuschlag für ein kleines Zelt hat er kurzfristig verzichtet.
Neuer Wiesn-Wirt: "Ein niedriger siebenstelliger Betrag steht im Feuer"
Dadurch ging für Gastronom Klaus Bartl ein jahrelanger Traum in Erfüllung. Denn er war es, der nachrücken durfte. Die Stadt München hatte diese Entscheidung anhand eines für alle geltenden Punktesystems getroffen – und auch hier spielen Tradition, Leistungsfähigkeit und Bewährtheit eine Rolle.
"Da ist natürlich jemand wie ich, der noch auf keinem Volksfest ausgestellt hat, schon mal schlecht aufgestellt", sagt Bartl, der einen Campingplatz und ein Lokal in München betreibt. Jetzt ist er für ein kleines Zelt mit 400 Plätzen verantwortlich. "Ein niedriger siebenstelliger Betrag steht im Feuer", sagt er. Die Planung und Organisation laufen Hand in Hand mit den Brauereien. "Das sind die mit den Erfahrungen", sagt Bartl.
Oktoberfestbrauereien: Nur Bier liefern genügt nicht
Bier liefern allein genügt also nicht, betont auch der Verein der Münchner Brauereien. Es brauche neben wirtschaftlicher und logistischer Leistungsfähigkeit auch eine gewisse Resilienz in Krisensituationen.
Steffen Marx, Chef vom Giesinger Bräu, traut sich den Job weiterhin zu. Immerhin habe seine Brauerei schon eine Silvestermeile mit 40.000 Teilnehmern vorbereitet und diverse Volksfeste um die Stadt herum mit organisiert und beliefert. "Also da kann man sich schon darauf verlassen."
Doch die Stadt München scheint weiterhin daran zu zweifeln und wartet die nächste Bewerbung ab. Steffen Marx probiert es derweil mit einem Bürgerbegehren. Bislang fehlen ihm allerdings genügend Unterschriften.
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