München gedenkt der Opfer auf dem Marienplatz. Ein junger Mann hält ein Plakat in der Hand. Darauf steht: Islamismus mordet Solidarität mit allen Opfern.
München gedenkt der Opfer auf dem Marienplatz. Ein junger Mann hält ein Plakat in der Hand. Darauf steht: Islamismus mordet Solidarität mit allen Opfern.
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Bei der Gedenkveranstaltung in München wird queerfeindlicher Islamismus verurteilt und der Opfer des Anschlags auf den CSD gedacht.
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Thomas Vonier
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Bei der Gedenkveranstaltung in München wird queerfeindlicher Islamismus verurteilt und der Opfer des Anschlags auf den CSD gedacht.

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Queere Muslime nach CSD-Anschlag: "Islamismus ist nicht Islam"

Queere Muslime nach CSD-Anschlag: "Islamismus ist nicht Islam"

Muslimisch und Queer: Beim CSD in Berlin fühlte sich Mehmed König frei. Der mutmaßlich islamistische Anschlag erschüttert ihn. Er und andere queere Muslime aus Bayern trauern um die Opfer und fürchten neuen Hass gegen ihre Religionsgemeinschaft.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Auf dem Weg vom Christopher Street Day (CSD) in Berlin fühlt sich Mehmed König noch beschwingt. "Für mich ist der CSD etwas Besonderes", sagt er. "Es ist ein Ort, an dem man sich frei fühlt." Mehmed König ist Muslim und queerer Aktivist. Geboren in Mostar in Bosnien und Herzegowina, aufgewachsen in Ingolstadt. Inzwischen lebt er in Berlin. Auf der Parade sprechen ihn zwei Musliminnen darauf an, wie toll es sei, dass er zu seiner Queerness stehe. Sie erzählen, dass auch sie sich geoutet haben.

Als er wenige Stunden danach vom Anschlag und dem mutmaßlich islamistischen Motiv dahinter erfährt, wird alle Leichtigkeit von Trauer und Wut verdrängt: "Traurig, weil wieder Menschen angegriffen wurden, nur weil sie sie selbst sind. Und wütend, weil ich wusste, dass viele diese Tat nutzen werden, um Hass gegen Musliminnen und Muslime zu schüren."

Aktivist König: Islamismus ist nicht der Islam

Islamismus sei eine menschenverachtende und queerfeindliche Ideologie, sagt König. "Aber Islamismus ist nicht der Islam." Wer die Ideologie bekämpfen wolle, dürfe nicht eine ganze Religionsgemeinschaft unter Generalverdacht stellen.

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) [Externer Link] entspricht die Gleichsetzung zwischen Islam und Islamismus, "weder der Realität in den westlichen noch in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften". Jedoch habe der Islam für den Islamismus einen Stellenwert, da sich der Islamismus auf ihn berufe. Die bpb geht darum von einer "Islamismuskompatibilität des Islam" aus. Islamismus sei "nicht die einzige, aber eine mögliche Deutung des Islam".

Islamischer Theologe Khorchide: Islamistischer Angriff gegen queere Community

Der mutmaßliche Täter war den Behörden als Islamist mit Sympathien für den sogenannten "Islamischen Staat" bekannt und wurde beim Polizeieinsatz erschossen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: "Es war ein Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft."

Noch wichtiger sei aber, dass sich der Angriff gezielt gegen die queere Community richtete, findet Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Islamisten seien davon überzeugt, dass Gott will, "dass Mann und Frau heterosexuell zusammenleben", sagt Khorchide im WDR-Interview. "Alles, was davon abweicht, wird abgewertet."

Queerfeindlichkeit auch in Moscheen?

Laut Verfassungsschutz verbreitet sich queerfeindliche Propaganda [Externer Link] vor allem in sozialen Medien, aber Moscheen spielen eine Rolle. "Natürlich gibt es schöne Ausnahmen, aber de facto sind die meisten Moscheegemeinden in Deutschland sehr konservativ", sagt Leyla Jagiella, Ethnologin und Religionswissenschaftlerin. "Wenn sie das Thema Queerness angehen, dann aus einer regressiven und repressiven Haltung heraus", sagt Jagiella über viele Moscheegemeinden.

Die trans Frau und Muslimin betont jedoch, dass diese Gemeinden nicht zu Gewalt aufriefen. Islamistische Täter würden in der Regel nicht in Moscheen radikalisiert, sondern vor allem im Internet.

Homosexualität im Islam: Sünde oder Teil der Schöpfung

Auch Religionspädagoge Mouhanad Khorchide bestätigt, dass in vielen Moscheegemeinden gelebte Homosexualität als Sünde gilt. "Manche vertreten die Position, das sei eine heilbare Krankheit", so Khorchide. Es gebe aber auch liberale Moscheegemeinden, die Homosexualität als Teil des Schöpfungsplans Gottes sehen. Was keine Frage der Religionsfreiheit sei: Jede Interpretation, "sei es im Islam oder im Christentum", die die Menschenwürde antaste, müsse "zurückgewiesen" werden.

Dabei ist die Bewertung von Homosexualität in der islamischen Theologie durchaus nicht eindeutig. Im klassischen Islam gebe es viele Ansätze, auf denen eine queerfreundliche Interpretation des Islam aufbauen könne, so der islamische Theologe im Gespräch mit dem BR.

Positionierung muslimischer Gemeinden als "tröstlich empfunden"

"Als queere Muslima fand ich es tröstlich, dass sich viele muslimische Gemeinden klar positioniert haben. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, Teil von beidem sein zu können", sagt Lisa Osman aus Günzburg, die aktuell in Köln wohnt. Unter anderem der Zentralrat der Muslime hat den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf Berlins Christopher Street Day verurteilt. Religion dürfe nicht missbraucht werden, um "Hass und Gewalt zu rechtfertigen".

Das findet auch Lisa Osman: "In Sure 4, Vers 135 wird man dazu aufgefordert, standhaft für die Gerechtigkeit einzutreten. Und ich glaube, darin liegt etwas, das uns alle verbinden kann."

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