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Eine Pflegerin legt eine Infusion
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Rassismus in der Pflege: Das sagen Betroffene und Wissenschaft

Rassismus in der Pflege: Das sagen Betroffene und Wissenschaft

Aufgrund des Fachkräftemangels ist der Bedarf an internationalen Pflegern im Gesundheitssystem besonders hoch. Doch nun berichten Pflegekräfte von rassistischer Diskriminierung – sowohl durch Patienten als auch von Kollegen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Eigentlich wollte Leyla Pamboundam Menschen helfen. Doch als die ausgebildete Pflegefachkraft am 1. November 2024 an einer Klinik in Augsburg anfängt, sagt sie, habe der Albtraum begonnen. "Meine Frage jeden Tag war: 'Was habe ich wieder falschgemacht'", berichtet Leyla. Vor sechs Jahren ist sie aus Kamerun nach Deutschland gekommen, in Nordrhein-Westfalen absolvierte sie ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft.

Mobbing im Krankenhaus?

Die Situation in der Klinik habe sich für sie angefühlt wie Mobbing, sagt Leyla: "Ich hatte das Gefühl, meine Fehler wurden besonders stark bewertet, ich wurde angeschrien von Kolleginnen und Kollegen." Die Pflegerin glaubt, dass man sie aufgrund ihrer Hautfarbe und schlechteren Deutschkenntnisse nicht im Team haben wollte. Und sie berichtet, dass sie von einer Vorgesetzten anders und strenger behandelt worden sei als ihre deutschen Kollegen.

"Pflegenotstand und kein Ende: Was bringt die geplante Reform?" Darüber diskutierte die Münchner Runde am Mittwochabend um 20:15 Uhr bei BR24 und im BR Fernsehen. Unter anderem mit: Judith Gerlach, bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention (CSU) und Ates Gürpinar, Bundestagsabgeordneter und stv. Parteivorsitzender Die Linke.

Klinik nimmt Vorwürfe ernst

Auf Anfrage der Münchner Runde schreibt die Klinik, dass sie die geschilderten Vorwürfe sehr ernst nehme. Rassismus, Diskriminierung und Mobbing hätten in der Klinik keinen Platz. Gegen die damalige Vorgesetze seien arbeitsrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden. Weiter heißt es: "Wir bedauern, wenn eine ehemalige Mitarbeiterin ihre Zeit in unserem Haus als belastend erlebt hat." In der Klinik gebe es verschiedene Anlaufstellen. Und: Man habe als eines der ersten Krankenhäuser in Augsburg die Charta der Vielfalt unterzeichnet.

"Ich lasse mich nicht von einem Dunkelhäutigen pflegen"

Leyla Paboundam ist nicht die einzige Pflegerin, die das Thema anspricht. Auch der Dortmunder Krankenpfleger Joshua berichtet von Rassismus-Erfahrungen. Bei ihm sei es ein Patient gewesen: "Ich wollte den waschen und dann hat er direkt gesagt: 'Ich lasse mich nicht von einem Dunkelhäutigen pflegen'", erzählt Joshua. Auf Instagram kämpft er seitdem als "Der Schwarze Pfleger" gegen Rassismus. Laut Joshua sei die Pflege ein intimer Bereich für Patienten, und so bekommen Pfleger Vorurteile schneller zu spüren. Der Grund laut Joshua: "Weil die Leute falsche Eindrücke haben von den Ländern."

Vorurteile von Patienten

Joshua ist in Deutschland geboren, aber werde von Patienten oft für einen Afrikaner gehalten. "Die denken, weil ich Schwarz bin, komme ich aus Afrika und dort ist die Versorgung ja nicht sehr gut. Und ob ich überhaupt Deutsch sprechen kann", erzählt der Pfleger.

Das sei ein rassistisches Vorurteil, sagt Monique Ritter, Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut. Gemeinsam mit Serhat Yalcin von der HAW Kiel erforscht Ritter das Thema Rassismus gerade im Bereich der Altenpflege.

Rassismus im Pflegebereich häuft sich

Immer mehr Pflegekräfte berichten aktuell von systematischen Diskriminierungserfahrungen, das zeigt auch eine Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung. Laut Monique Ritter habe das auch mit Debattenverschärfungen in Sachen Migration zu tun. Weil sich die Grenzen des Sagbaren gerade verschieben würden, entstehe das Gefühl: "dass Menschen das vermeintlich legitim äußern dürfen."

Gleichzeitig wollen Ritter und Yalcin mit ihrer Forschung verdeutlichen, dass ein Zusammenhang zwischen Rassismus und prekären Arbeitsverhältnissen besteht. In der Pflege gebe es weniger gewerkschaftliche Strukturen. Also niemanden, der sich um die Bedürfnisse der Mitarbeiter kümmert. Das begünstige Rassismus – Dabei gehe es laut Serhat Yalcin darum: "dass wir Pflegekräfte nicht nur als Besitzer von Arbeitskraft betrachten, sondern als Menschen mit eigenen Geschichten."

Wer das Thema nicht ernst nimmt, verliert Fachkräfte

Denn der Fachkräftemangel in der Altenpflege sei gravierend, aber rassistische Diskriminierung trage dazu bei, dass migrantische Pflegekräfte die Branche verlassen. Wie Leyla Paboundam, die nach einem Jahr in Augsburg gekündigt hat. Als Pflegerin hat sie aber noch nicht aufgegeben. Aktuell arbeitet sie bei einer privaten 24-Stunden-Pflege.

Dieser Artikel ist erstmals am 1. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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