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In Bayern fehlen jetzt schon Hausärzte: Das ist eine der Erkenntnisse aus dem Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns. Und in Zukunft könnte es noch gravierender werden. Denn neben den schon jetzt betroffenen Städten und Gemeinden, wie zum Beispiel dem oberbayerischen Moosburg oder dem schwäbischen Lauingen, zeichnet sich in anderen Regionen ebenfalls ein kommender Mangel ab. Viele der dort aktiven Mediziner befinden sich nämlich vor dem Ruhestand.
In den Kommentaren unter dem BR24-Beitrag zu diesen Erkenntnissen fällt immer wieder eine Frage, prägnant von User "Karvek" auf den Punkt gebracht: "Warum schafft Deutschland nicht endlich mehr Medizinstudienplätze, statt seit Jahren über den Ärztemangel zu jammern?"
Zahl der Medizinstudienplätze steigt – Rekord in Bayern
Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, stellt gegenüber BR24 klar, dass man schon früher eine Ausweitung der Studienplatzkapazitäten gefordert habe. Diese Forderung sehe man bei der Landesärztekammer mittlerweile als erfüllt an, denn: "Die Zahl der Humanmedizinstudienplätze in Bayern ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen."
Das bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst teilte BR24 exklusiv mit, dass im Wintersemester 2026/2027 sowie im Sommersemester 2027 nun 2.264 Studienanfänger in ein Medizinstudium starten können. Ein Rekord für den Freistaat. Dies liege unter anderem an Bayerns jüngster medizinischen Fakultät in Augsburg sowie am Medizincampus Oberfranken und am Medizincampus Niederbayern. 2024/2025 waren es noch 2.155 Studienplätze für Erstsemester. Bis 2033 sollen es 2.700 werden.
Kein schnell wirkendes Instrument
Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) erklärt gegenüber BR24: "Nahezu ein Fünftel der Studienanfänger studiert in Bayern. Das ist bundesweit einmalig. Und mit der Landarztquote und unseren innovativen Campus-Modellen in Oberfranken und Niederbayern sorgen wir für Medizin-Nachwuchs in allen Regionen. Spitzenmedizin im ganzen Land – das ist der bayerische Ansatz."
Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentags, gibt zu bedenken: "Man muss sich aber auch klar machen, dass es ungefähr fünfzehn Jahre dauert, bis die dann als fertig ausgebildete Fachärzte tatsächlich ins System kommen." Es sei also kein schnell wirkendes Instrument.
Regionale Zuordnung wichtig
Die Landesärztekammer sieht in einem anderen Bereich viel Lösungspotenzial: "Als allererstes müssen wir die jungen Kolleginnen und Kollegen begeistern und ermutigen, sich niederzulassen." Hierfür benötige man verlässliche Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Weiterbildungs- und Niederlassungsförderungen sowie einen ernsthaften Bürokratieabbau.
Wissing vom Medizinischen Fakultätentag weist darauf hin, dass es in manchen Regionen zwar eine Unter-, aber in anderen Regionen auch schon eine Überversorgung gebe. Auch er wirbt für mehr Anreize, die Ärzte wieder aufs Land zu bringen.
Ein Sprecher des bayerischen Wissenschaftsministeriums stellt klar, dass die Landesregierung diese Einschätzungen teilt: "Mit der Landarztquote, der Einrichtung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten und Maßnahmen im Bereich Bürokratieabbau stellt der Freistaat die Weichen dafür, dass künftige Ärztinnen und Ärzte dort ankommen und dauerhaft tätig sein können, wo sie für die Versorgung gebraucht werden."
NC als Hindernis?
Nicht nur die Anzahl der Medizinstudienplätze beschäftigt die User auf BR24. Mehrere diskutieren ebenfalls über die weiterhin hohen Einstiegshürden in das Studium. So kommentiert "Landsberger": "Schon komisch, viele wollen Hausärzte werden, können es aber wegen des fehlenden NCs nicht!! (...)"
Aus Sicht der Landesärztekammer ließe sich mit "Alternativen zur starken Gewichtung der Abiturnote das Bewerberspektrum erweitern – insbesondere zugunsten jener, die sich später für eine Niederlassung entscheiden". Hier verweist Quitterer auf die bayerische Landarztquote.
Diese basiert nicht auf der Abiturnote als primärem Auswahlkriterium. Bis zu acht Prozent der jährlich verfügbaren Medizinstudienplätze in Bayern werden darüber an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die ein besonderes Interesse an der ärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum bekunden und sich dort später niederlassen möchten. Mit Erfolg.
Wissing vom Medizinischen Fakultätentag stellt dennoch klar: "Auch da muss man natürlich ein Stück weit sicherstellen, dass die, die sich bewerben, auch mit einer gewissen Erfolgsaussicht das Studium abschließen, weil sonst macht es keinen Sinn."
Vom Ministerium heißt es: "Insgesamt werden 28 Prozent der Studienplätze in der Humanmedizin völlig oder weitgehend unabhängig von der Note der Hochschulzugangsberechtigung vergeben. Lediglich 24 Prozent aller verfügbaren Studienplätze werden ausschließlich nach der Note der Hochschulzugangsberechtigung vergeben."
Völliger Verzicht auf Abiturnote "unsinnig"
Dennoch wäre es aus Sicht des Ministeriums unsinnig, unfair und verfassungswidrig, die Abiturnote gänzlich als Faktor außen vor zu lassen. Fachliche Eignung oder soziale Kompetenz würden genauso wie berufliche Vorerfahrung voll berücksichtigt. Doch auch das Bundesverfassungsgericht bestätigte 2017 noch einmal die Abiturnote als validen und bedeutsamen Faktor.
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