(Symbolbild) Retouren-Sendungen liegen in einem Container an der Verladerampe von Hermes Europe, einem Unternehmen der Otto Group.
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(Symbolbild) Im Onlinehandel werden in Deutschland jedes Jahr Millionen zurückgeschickter Artikel vernichtet – obwohl sie gebrauchstauglich sind.
Bildrechte: picture alliance / dpa | Christian Charisius
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Retouren im Onlinehandel: Mehr Transparenz und Verbote

Retouren im Onlinehandel: Mehr Transparenz und Verbote

Im Onlinehandel werden in Deutschland jedes Jahr Millionen zurückgeschickter Artikel vernichtet – obwohl sie gebrauchstauglich sind. Für Unternehmen ist das oft wirtschaftlich attraktiver, als die Ware wiederzuverwenden. Doch es geht auch anders.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Egal ob Wasserkocher, Flachbildschirme oder T-Shirts: Tausende Elektrogeräte und Textilien werden jeden Tag bestellt, ausgeliefert und dann wieder zurückgeschickt. Viele sind noch voll gebrauchstauglich, trotzdem wird ein Teil der Retouren entsorgt. Eine Studie der Universität Bamberg zeigt: Die Vernichtung von Elektrogeräten und Textilien ist teils wirtschaftlich attraktiver als ihre Wiederverwendung.

Retouren im Müll – aus betriebswirtschaftlichen Gründen

Wirtschaftswissenschaftler Björn Asdecker schätzt, dass jährlich zwischen 15 und 20 Millionen retournierte Artikel in Deutschland entsorgt werden. Etwa die Hälfte davon wären noch nutzbar oder weiter verkaufbar.

Der Grund liegt aus Sicht des Forschers vor allem in einer "Marktlogik": Für viele Unternehmen ist es wirtschaftlich attraktiver, Ware wegzuwerfen, als sie zu prüfen, zu reparieren und wieder zu verkaufen, erklärt Asdecker. Das hat teils mit dem niedrigen Warenwert einiger Produkte zu tun, aber auch mit den Kosten für Prüfung und Aufbereitung.

Hinzu kommen strategische Gründe: Manche Markenhersteller wollen verhindern, dass günstige Ware aus der Vorsaison die aktuelle Kollektion "kannibalisiert" – also Verkäufe der neuen Saison verdrängt. Andere Unternehmen sehen den Aufwand schlicht als zu hoch und konzentrieren sich lieber auf den Verkauf neuer Produkte, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Offenheit und Schweigen in der Branche

Asdecker berichtet von zwei Typen von Unternehmen: Auf der einen Seite Firmen, die sich seit Jahren als Vorreiter verstehen und nachhaltiges Handeln zur Selbstverständlichkeit gemacht haben. Sie sind offen, sprechen transparent über ihre Praxis und wollen zeigen, wie sie Retouren sinnvoll weiterverwenden.

Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die wenig darüber preisgeben. "Die Vorhänge fallen", sobald nach Details zum Umgang mit Retouren gefragt wird, sagt Asdecker. Aus ihrer knappen Kommunikation werde deutlich, dass ihnen bewusst ist, dass die Vernichtung gebrauchstauglicher Ware problematisch ist.

Musikhaus aus Oberfranken repariert Retouren

Dass es auch anders geht, zeigt ein großes Musikhandelsunternehmen in Burgebrach bei Bamberg. Dort werden jeden Monat rund 60.000 Retouren bearbeitet – vom Mischpult über E-Gitarren bis zur Studiotechnik.

Im Servicecenter werden die zurückgeschickten Pakete geöffnet, die Geräte auf Vollständigkeit, Funktion und mögliche Schäden geprüft. "Wenn so ein Artikel zurückkommt, wird der auf Beschädigung und Komplettheit geprüft und dann mit einer prozentualen Abwertung dem Warenkreislauf wieder zugeführt", erklärt der operative Geschäftsleiter Markus Neser. Grundsätzlich werden alle Retouren wieder verkauft, außer es liegt ein deutlicher Transportschaden vor.

Reparierte Artikel werden zu günstiger B-Ware

Bei Defekten setzt das Unternehmen auf eigene Fachwerkstätten. Rund 100 Mitarbeitende arbeiten im Reparaturservice. Techniker Patrick Bergmann zeigt an einem digitalen Mischpult, wie das konkret aussieht: Ein Kunde hatte bemängelt, dass sein Gerät nicht mehr angeht. Bergmann prüft zunächst die Spannungsversorgung, findet einen Defekt im Netzteil und behebt ihn. Das reparierte Mischpult wird anschließend wieder online angeboten – als sogenannte B-Ware, also günstiger als Neuware. Je nach Zustand sind Ersparnisse von sieben bis zwölf Prozent möglich.

Transparenz und Sanktionen gefordert

Damit weniger Retouren im Müll landen, empfehlen Asdecker und sein Team mehr Transparenz: Händler sollen offenlegen, wie viele Retouren zurückkommen und wie viele davon vernichtet werden. Nur mit solchen Daten lässt sich dieser Bereich überhaupt sinnvoll regulieren, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler. Zudem braucht es aus Sicht der Forschenden klare gesetzliche Regeln. Wenn funktionstüchtige Ware vernichtet werde, sei das nicht akzeptabel – und müsse sanktioniert werden.

Jede Wiederverwendung spart Ressourcen

Der Umgang mit Retouren ist nicht nur eine betriebswirtschaftliche Frage, sondern auch eine ökologische: Jeder wiederverwendete Elektroartikel spart Rohstoffe, Energie und CO₂. Unternehmen, die reparieren, B-Ware anbieten und ihre Prozesse transparent machen, zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist – weg von der Wegwerflogik, hin zu längeren Nutzungsdauern und geschlossenen Produktkreisläufen.

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