In mehreren Städten der USA fahren die autonomen Taxis der Firma Waymo schon, bald sollen sie auch in München unterwegs sein. Am Taxistand am Münchner Odeonsplatz sind nicht alle Passantinnen und Passanten überzeugt: "Ich hätte Bedenken, aber du?", fragt eine Frau ihren Mann. "Ich würd's fahren", entgegnet der. Eine andere sagt, sie stehe fahrerlosen Taxis kritischer gegenüber als normalen. "Wobei Menschen ja auch Fehler machen", ergänzt sie.
Untersuchungen halten Robotaxis für sicherer
Genau dieser Punkt ist für die Fahrzeuge der US-Firma Waymo, die zum gleichen Konzern wie Google gehört, recht gut untersucht. Ein von Autoversicherern finanziertes Institut kam zuletzt zu dem Schluss, dass Waymos selbstfahrende Taxis in manchen US-Städten an 68 Prozent weniger Unfällen beteiligt waren als von Menschen gefahrene Autos. Waymo selbst nennt noch deutlichere Zahlen.
Die kennt auch Markus Lienkamp. Er ist Professor für Autonomes Fahren an der TU München und experimentiert mit seinem Team auch selbst ganz praktisch in dem Bereich. "Das ist schon sehr beeindruckend und das würde ich als sehr sicher bezeichnen", sagt Lienkamp, ergänzt jedoch: "Ob der Übertrag so eins zu eins jetzt auf München gelingt, das wird sich zeigen, weil die Verkehrsverhältnisse anders sind."
Unvorhersehbare Radl-Manöver und anderes Wetter
Was das konkret heißt, hat Lienkamp schon bei eigenen Versuchen gemerkt: Radfahrerinnen und Radfahrer etwa haben mehr Rechte, "man muss mehr Abstand halten. Sie sind auf der anderen Seite aber auch sehr unkontrollierbar und man kann nicht davon ausgehen, dass ein Fahrradfahrer sich immer an die Verkehrsregeln hält." Auch hat München gerade im Winter andere Witterungsverhältnisse als die oft sonnigen US-Städte, in denen Waymo-Taxis bisher unterwegs sind.
Testphase zur Erprobung der Fahrzeuge
Deswegen startet Waymo auch nicht direkt mit vollautonomem Fahren. Zunächst gibt es eine Testphase, in der immer eine Person hinter dem Lenkrad sitzt, die jederzeit eingreifen kann. In dieser Phase will die US-Firma vor allem auch Daten zum Verkehr in München sammeln. Als besonders herausfordernd für autonomes Fahren gelten vor allem Ereignisse, auf die Verkehrsteilnehmer nur sehr selten treffen, "manchmal nur alle 100.000 Kilometer", erklärt Professor Markus Lienkamp. "Die große Kunst ist es, solche Ereignisse eigentlich erstmal zu finden. Wenn man sie kennt, dann kann man sie häufig auch lösen."
Unterstützung aus Politik und Verwaltung
In Politik und Verwaltung glauben zumindest einige daran, dass das autonome Fahren in München gelingen kann. Das Münchner Mobilitätsreferat verspricht sich große Verbesserungspotenziale für den Verkehrssektor, etwa für Stadtrandlagen, wo der ÖPNV wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar sei.
Und Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, nennt autonomes Fahren in einer Pressemitteilung sogar den "Schlüssel zur Mobilität der Zukunft". In Bayern freut man sich, dass ausgerechnet München die erste Waymo-Stadt auf dem europäischen Festland werden soll. Wirtschaftsminister Aiwanger (Freie Wähler) will "Robotaxis zur IAA Mobility 2027 auch praktisch in Bayern" einsetzen.
Technologie-Abhängigkeit als Problem?
Dass das technisch gelingen kann, das hält auch Professor Lienkamp für autonomes Fahren für möglich. Er sieht allerdings noch ein anderes Problem: "Wir öffnen hier einen Markt und verschenken eine Technologie, die wir in Deutschland leider nicht beherrschen. Das ist meines Erachtens brandgefährlich. Wir machen uns gerade technologisch komplett abhängig", sagt Lienkamp. Deutsche Hersteller zählen mit ihrer Forschung zu vollautonomem Fahren nicht mehr zur Weltspitze.
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