Urteilsverkündung im Prozess Hanna S.: Vor dem Hochsicherheitsgerichtssaal in Stadelheim versammeln sich Unterstützer.
Urteilsverkündung im Prozess Hanna S.: Vor dem Hochsicherheitsgerichtssaal in Stadelheim versammeln sich Unterstützer.
Bild
Rote Hilfe: Welche Rolle spielt sie in Bayern?
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Thomas Vonier
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Thomas Vonier
Audiobeitrag

Rote Hilfe: Welche Rolle spielt sie in Bayern?

Audiobeitrag
>

Rote Hilfe: Welche Rolle spielt der Verein in Bayern?

Rote Hilfe: Welche Rolle spielt der Verein in Bayern?

Die Rote Hilfe leistet Rechtshilfe für linke oder linksextremistische Angeklagte und Straftäter. Die Berliner Linken-Kandidatin Eralp war jahrelang Mitglied. Auch in Bayern ist der Verein aktiv – und ist bei einem viel beachteten Fall beteiligt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

"Solidarität mit Daniela! Infoveranstaltung zum Tag der politischen Gefangenen" - mit dieser Überschrift auf einem Plakat hatte die Rote Hilfe im Frühjahr in München zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Mit "Daniela" ist Daniela Klette gemeint, eine verurteilte RAF-Terroristin. In der Einladung zur Infoveranstaltung steht: "Die Repressionsbehörden inszenieren das Verfahren um Daniela als groteskes Bedrohungsszenario". Die Solidarität mit der RAF hat bei der "Roten Hilfe" eine lange Tradition. In der Gründungszeit der siebziger Jahre war die Unterstützung der RAF-Gefangenen zentral. So steht es in einem Ausstellungskatalog der "Roten Hilfe".

Wie linksextrem ist die Rote Hilfe?

Aktuell zieht der Verein vor allem wegen Elif Eralp Interesse auf sich: Die Linken-Politikerin, die sich nach ihrem Wahlsieg anschickt, Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden, war jahrelang Mitglied bei der Roten Hilfe – die wiederum steht wegen ihrer engen Verbindung zum Linksextremismus in der Kritik und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Rechtsberatung unter Bedingung

Die Rechtshilfe der Roten Hilfe sei an klare Bedingungen geknüpft, sagt der Extremismusforscher Hendrik Hansen von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Sie unterstütze dann linksextremistische Straftäter, wenn sie jegliche Kooperation mit Sicherheitsbehörden ablehnen, die Aussage verweigern und nicht von linksextremistischen Positionen abweichen, so Hansen.

Seine Folgerung: "Es geht nicht darum, sich karitativ einzusetzen für Leute, die vom rechten Weg abgekommen sind, sondern es geht darum, gezielt Menschen zu fördern, die linksextremistische Straftaten begehen, und sie eben gerade im Begehen ihrer Straftaten zu unterstützen."

Rote Hilfe hat sieben Ortsgruppen in Bayern

Auf BR24-Anfrage schreibt der Bundesvorstand der Roten Hilfe in Göttingen: "In Bayern gilt dasselbe wie überall. Wir beraten bei Ermittlungsverfahren, Vorladungen und Hausdurchsuchungen. Wir übernehmen je nach Fall Anwalts- und Verfahrenskosten, begleiten Prozesse und leisten Öffentlichkeitsarbeit." Dazu komme die Aufklärung über Rechte bei Demonstrationen beziehungsweise Polizeikontakt und Rechtshilfe-Infoveranstaltungen. Einen bayerischen Landesverband hat der Verein nicht, dafür aber sieben lokale Ortsgruppen in Augsburg, Landshut, München, Nürnberg-Fürth-Erlangen, Passau, Regensburg und Würzburg.

Innenministerium: "Rote Hilfe eine der größten Organisationen im Linksextremismus"

Laut Bayerns Innenministerium ist die Rote Hilfe die größte und eine der wichtigsten Organisationen im Linksextremismus: "Primäres Betätigungsfeld der RH ist die Unterstützung linksextremistischer Straftäter. Durch ihre Tätigkeit lässt sie erkennen, dass sie die Anwendung von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht nur befürwortet, sondern auch unterstützt." Dabei bekommt die Rote Hilfe seit Jahren immer mehr Zulauf. Laut Bundesverfassungsschutz wuchs der Verein 2025 auf 16.500 Mitglieder an (2024: rund 14.400 Mitglieder). Die "Rote Hilfe" selbst beziffert ihre Mitgliederzahl mit über 22.000 deutlich höher.

Rote Hilfe auch für Hanna S.

In Bayern unterstützt die Rote Hilfe unter anderem die Nürnberger Kunststudentin Hanna S., die im September 2025 vom Oberlandesgericht (OLG) München zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Laut OLG ist Hanna S. schuldig der gefährlichen Körperverletzung und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich die Studentin 2023 in Budapest an zwei brutalen Angriffen gegen drei mutmaßliche Rechtsextremisten beteiligt hat. Die Opfer haben laut Bundesanwaltschaft Kopfverletzungen davongetragen, in einem Fall hätte die Verletzung auch tödlich enden können.

Rote Hilfe: "Gesinnungsurteil in München"

Dazu die Rote Hilfe: "Wir sind solidarisch mit Hanna, wie mit allen Antifaschist*innen, die von staatlicher Verfolgung betroffen sind." Das Urteil gegen Hanna S. bezeichnete die Rote Hilfe in einer Pressemitteilung als "staatliche Großoffensive auf Antifaschist*innen". Seit Budapest laufe eine "ungarisch-deutsche Treibjagd auf Antifaschist*innen". Beim Verfahren habe es Solidaritätsaktionen und Prozessbesuche gegeben, schreibt die Rote Hilfe auf BR24-Anfrage.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!