In High-Tech-Klamotten oder einfach in T-Shirt und Straßenschuhen: 600 Läuferinnen und Läufer scharren kurz vor dem Start des ersten Würzburger "Run & Rave" schon mit den Füßen und warten auf den Startschuss. Gleich geht es los: Ein Fünf-Kilometer-Lauf am Main entlang – mit DJ-Pult auf dem Lastenrad und elektronischer Musik aus den Lautsprechern vorneweg.
Sport, Musik und neue Kontakte
"Ne bessere Kombi gibt's ja gar nicht: Sport, Musik und nachher noch die Afterparty – alles, was das Herz begehrt", sagt Neele, 22, Musikstudentin. Sie ist, wie viele hier, nicht nur wegen des Laufens gekommen. Denn bei der mobilen Disko in Würzburg soll es neben dem Sport und der Musik auch noch um etwas anderes gehen: Um neue soziale Kontakte und Freundschaften – und zwar offline. Auch für Neele im Alltag oft eine Hürde: "Man hält sich meistens nur noch in der eigenen Bubble auf", sagt sie. "Dazu kommt: Ich bin gar nicht so viel auf Social Media unterwegs, da ist es schon schwieriger, neue Leute kennenzulernen."
Online-Aufruf zum Offline-Treffen
Stadtläufe zu Technobeats kennt man schon aus Berlin, Leipzig oder München: Auf Instagram und TikTok werden Videos zu den Events tausendfach geklickt, in Bayern gab es zuletzt mehrere dieser Lauf-Partys. Die Idee dahinter scheint einen Nerv zu treffen: Ein Online-Aufruf zum Offline-Treffen, weg von unbeantworteten Chats auf Dating- oder Kennenlern-Apps. Laut einer forsa-Umfrage für die Kaufmännische Krankenkasse (externer Link) fühlen sich 59 Prozent der 18- bis 60-Jährigen, die online nach Partnerinnen oder Partnern suchen, emotional erschöpft oder frustriert. Über die Hälfte hat Erfahrungen mit Ghosting gemacht, also keine Antwort auf Nachrichten erhalten oder einen plötzlichen Kontaktabbruch erlebt.
Dazu kommt die "Fear of Missing Out" (FoMO): Die Angst, etwas zu verpassen, wenn andere vermeintlich spannendere Erlebnisse im Netz teilen. Forschende des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation beschreiben FoMO als einen zentralen Risikofaktor für problematische Social-Media-Nutzung (externer Link): Vor allem junge Menschen und Frauen sind demnach stärker betroffen. Wer ständig checkt, was andere gerade erleben, läuft Gefahr, das eigene Leben als weniger erfüllend zu erleben – und dabei trotzdem immer mehr Zeit online zu verbringen.
Vom Scrollen zum Treffen: Sophia Fries und ihre App
Genau da will die Würzburgerin Sophia Fries ansetzen. Die 24-Jährige hat "Peeps – The Social Club" entwickelt, eine App, über die Menschen gemeinsame Aktivitäten buchen können – vom "Vitality & Connect Walk" bis hin zu "Run & Rave". "Man ist dann ja auch ein bisschen traurig oder neidisch, wenn man sieht, was andere Tolles erleben", sagt sie am Würzburger Stadtstrand, kurz bevor sie den Startschuss für den Lauf gibt. "Mein Ziel ist es, dass man wieder mehr rausgeht, mehr unternimmt – und im besten Fall Freunde findet, weil die auf die gleichen Aktivitäten Lust haben."
Für den ersten Würzburger "Run & Rave" postete sie im Vorfeld nur ein paar kurze Videos auf Instagram. Innerhalb weniger Wochen war das Event ausverkauft, über 600 Tickets für den Lauf, dazu noch einmal gut 100 mehr nur für die Afterparty am Stadtstrand. "Wir haben so viele Nachrichten bekommen, ob wir das bald wieder machen – und dass viele leider kein Ticket mehr bekommen haben", sagt Fries.
Konzept kommt bei Teilnehmern gut an
Nach gut einer knappen Stunde joggen und kleinen Tanz-Breaks zwischendurch kommen die ersten wieder am Stadtstrand an. Neele strahlt. "Für meinen Geschmack hätte es noch ein bisschen länger gehen können", sagt sie, "aber ich habe jetzt schon ein paar neue Connections gemacht, allein dafür hat es sich gelohnt."
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