Der erst vor Kurzem eröffnete Aufzug am Isartorplatz in München ist abgesperrt – eine Kette hängt um den Fahrkartenentwerter. Die Rolltreppen stehen still, zu dem wichtigen Bahnhof der Münchner S-Bahnstammstrecke haben momentan nur Bauleute Zugang. Unten im Tunnel werden vier neue Weichen eingebaut.
Weichen so alt wie die S-Bahn am Isartor
Es sind die einzigen Weichen im Stammstreckentunnel, die hier ausgetauscht werden müssen. Sie werden gebraucht bei Störungen, wenn zum Beispiel Züge wenden müssen oder ein Pendelverkehr eingerichtet wird. Weil sie aus der Anfangszeit in den 70er Jahren stammen, ist das Ende der Lebensdauer erreicht. Die Baustelle ist sehr aufwändig, denn so ein Weichentausch unter Tage, wo wenig Platz ist, bringt ganz besondere Herausforderungen mit sich.
Eine kleine Generalsanierung im engen Tunnel
Die Bahn macht das in einem großen Aufwasch. Die Arbeiter tauschen das Schotterbett, bauen statt der Holzschwellen neue Betonschwellen ein. "Die Betonschwellen sind auf jeden Fall haltbarer", sagt DB-Projektleiter Emirhan Kutlu und erklärt, warum am Isartor keine vormontierten Weichen angeliefert werden können. "Der Tunnelquerschnitt gibt das nicht her." So montieren dann die Arbeiter direkt im Tunnel die etwa 30 Meter langen Weichen samt Zungen und Antrieb. Das ist in der Tiefe und der Tunnelenge anspruchsvoll und ziemlich anstrengend.
Be- und Entlüftung mit mehr als meterdicken Röhren
Ein Mehrwegbagger ist im Einsatz und zum Festzurren und Lösen der armdicken Schrauben an der Schwelle benutzen die Arbeiter einen 80 Kilo schweren Benzinschrauber. Damit sie trotz des Staubs, der beim feinkörnigen Schotter entsteht, und der Abgase der Maschinen genügend saubere Luft zum Atmen haben, betreibt die Bahn ein aufwändiges Be- und Entlüftungssystem. Fast zwei Meter dicke Schlauchrohre sind dafür über die Rolltreppen und Passagen verlegt.
"Angesaugt wird die Frischluft am Marienplatz und am Rosenheimer Platz", berichtet Emirhan Kutlu. Die Abluft wird gefiltert und am Isartor wieder ausgeblasen. 112 Kubikmeter pro Sekunde werden da in den Münchner Himmel gepustet, so dass in der Nähe ein regelrechter Wind entsteht.
Leitstand an der Oberfläche zur Überwachung der Baustelle
Einer der Container auf dem Isartorplatz lässt mit den Computern und Monitoren, wo das Schema der Stammstrecke von Rosenheimer Platz bis Marienplatz abgedeckt wird, an eine Betriebszentrale oder die Warte eines Kraftwerks denken. Hier wird zum Beispiel die Lüftungsanlage gesteuert.
Und hier ist zu sehen, wie viele Fahrzeuge und Menschen im Baufeld auf 17 bis 20 Metern Tiefe im Tunnel wo stehen. Für die Sicherheit der Arbeiter wird viel getan. Sie erhalten Gaskontrollgeräte und einen Transponder. Über dieses anonyme Ortungssystem kann jeder Arbeiter "jederzeit gefunden werden – etwa in einem Brandfall wüsste die Feuerwehr sofort, wo noch Personen sind", erklärt Patrick Schneider von der Lüftungsfirma. Es geht um Arbeitsschutz, nicht um Überwachung, denn die Arbeiter sind in den Kameras verpixelt. In der Grafik der Anzeigetafel wird immer die Zahl der Personen und der Fahrzeuge auf der Baustelle angezeigt.
Zeit und Kostenplan der Stammstreckenbaustelle
Insgesamt schätzt die Bahn die Kosten der Baustelle am Bahnhof Isartor auf etwa acht Millionen Euro. Nach Ende der Osterferien soll die Baustelle am Isartor soweit fertig sein, dass alle S-Bahnen wieder durch die Stammstrecke der Münchner Innenstadt fahren und am Marienplatz und am Rosenheimer Platz halten werden.
Am Isartor selber seien noch Nacharbeiten zu machen, so die S-Bahn. Hier fahren die Züge noch eine Woche ohne Halt durch. Das nächste Sperrwochenende ist auch schon eingeplant, und auch wegen der Arbeiten für die zweite Stammstrecke wird es immer wieder Sperrungen und Ersatzverkehr bei der Münchner S-Bahn geben.
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