Ein Riesenrad auf dem Nürnberger Volksfest-
Bildrechte: BR/Ulla Küffner
Videobeitrag

Die Schaustellerkultur ist von der UNSECO zum immateriellen Kulturerbe erklärt worden.

Videobeitrag
>

Schausteller sind immaterielles Kulturerbe: So lebt eine Familie

Schausteller sind immaterielles Kulturerbe: So lebt eine Familie

Die "Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland" ist in das "Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes" aufgenommen worden. So würdigt die UNESCO die Arbeit der 5.600 Schaustellerfamilien. So sieht das Leben einer Familie aus.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Alexandra Krems, ihr Mann Jeremia Blum, die beiden Kinder Carlo und Jenna sowie deren Freundin Stella sitzen am Kaffeetisch. Es ist ein bisschen eng, denn der Tisch befindet sich in einem modernen Wohnwagen. Alexandra lebt hier mit ihrer Familie und zwar das komplette Jahr über. Sie sind Schausteller.

Schaustellerdasein – eine andere Art zu leben

Derzeit sind sie mit ihrem rollenden Zuhause, einem Stand mit deftigen und süßen Leckereien und einem Kettenkarussell für Kinder auf dem Nürnberger Volksfestgelände. Damit ziehen sie fast das ganze Jahr über von Volksfest über Kirchweih zu Jahrmarkt. Das heißt auch: Jeremia und Alexandra leben nicht nur zusammen, sie arbeiten auch miteinander.

Das Leben der Schausteller ist für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar – ein ständiges Reisen und kein fester Wohnsitz. Für Alexandra ist das normal, sie ist in einer Schaustellerfamilie aufgewachsen. Ihre Kinder Carlo und Jenna sind die 5. Generation. "Es ist wirklich ein schönes Leben, ich möchte nichts anderes machen. Für uns passt das so, wir sind da, wo wir hingehören", beschreibt Alexandra ihre Situation mit einem Lächeln.

Schausteller-Nachwuchs: viele Freunde, viele Schulen

Und die nächste Generation wächst genauso heran. Die Kinder sind immer mit dabei, das bedeutet für Jenna, die in die zweite Klasse geht, auch immer wieder eine neue Schule, neue Klassenkameraden.

Und ihr vierjähriger Bruder Carlo ist immer mittendrin: "Ich hab einen Hotdog-Stand", erzählt er stolz, während er in einem Korb des Kinder-Kettenkarussells sitzt und seine Mama Alexandra auffordert, doch nochmal eine Runde zu starten.

Schaustellerkultur ist eine 1.200 Jahre alte Tradition

Die "Schaustellerkultur" ist eine ganz eigene Lebensform, die nun auch in das "Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO" aufgenommen wurde – eine Auszeichnung, die Lorenz Kalb, Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbands sehr freut: "Es ist eine große Anerkennung für unsere Branche, für uns Schausteller. Das zeigt auch, welche Bedeutung Volksfeste und das Schaustellertum für das gesellschaftliche Leben in der Stadt hat."

Mit der Entscheidung würdigt die Deutsche UNESCO-Kommission die Arbeit der rund 5.600 Schaustellerfamilien und die Bedeutung der seit 1.200 Jahren gelebten Volksfestkultur. Auf rund 9.750 Volksfesten begrüßen Schausteller und Schaustellerinnen jährlich etwa 200 Millionen Gäste – kein anderes Freizeitvergnügen erlebe einen vergleichbaren Zuspruch.

UNESCO: Immaterielles Kulturerbe seit 2013

Das Fachkomitee der UNSECO würdigte die Schaustellerkultur insbesondere als überlieferte Lebensweise, die auf vielfältigem Wissen und Können beruht und in offenen, inklusiven Gemeinschaften praktiziert wird: "Schaustellerinnen und Schausteller arbeiten daran, Barrieren abzubauen – etwa durch barrierearme Zugänge, besondere Aktionstage oder Angebote für sozial benachteiligte Gruppen. Die Weitergabe der Kulturform erfolgt vor allem in Familienbetrieben, in denen bereits die Kinder Aufbau, Betrieb, Sicherheitstechnik, handwerkliche Tätigkeiten und den Umgang mit dem Publikum erlernen", heißt es in einer Mittelung der UNESCO.

Mit der Aufnahme in das Verzeichnis ist übrigens keine automatische finanzielle Unterstützung verbunden. Die Ehrung zur Neuaufnahmen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes findet voraussichtlich ab Mitte 2026 statt.

Die UNESCO unterstützt seit mehr als 20 Jahren die Weitergabe, die Dokumentation und den Erhalt lebendiger Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, Naturwissen und von Handwerkstechniken und mündlichen Überlieferungen. Deutschland ist dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes 2013 beigetreten.

Zum Video: Schausteller sind immaterielles Kulturerbe

Ein buntes Kinder-Kettenkarussell auf dem Nürnberger Volksfest steht vor dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.
Bildrechte: BR/Ulla Küffner
Audiobeitrag

Die Schausteller auf dem Nürnberger Volksfest sind "Familienunternehmer unterwegs".

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!