Nach der mutmaßlichen Amoktat im oberbayerischen Schongau hat Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) das betroffene Gymnasium besucht und der Schulfamilie dort jede erdenkliche Unterstützung zugesichert. Zugleich bedankte sie sich ganz speziell bei den zwei Lehrkräften, die den mutmaßlichen Täter überwältigten, und bei den Schülerinnen und Schülern, die den beiden schwer verletzten Mädchen sofort zu Hilfe eilten.
Stolz: "Das sind die wahren Helden"
"Eines der Mädchen wäre sehr wahrscheinlich verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten. Also die haben ihr wahrscheinlich das Leben gerettet", sagte Stolz der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Das sind echte Helden für mich."
Stolz traf sich an der Schule zu einem Gespräch mit Schulleitung, Lehrkräften und Eltern. "Ich bin zutiefst schockiert und bestürzt über diese schreckliche Tat, und meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen, bei den schwer verletzten Schülerinnen, denen ich von ganzem Herzen vollständige Genesung wünsche", sagte sie unmittelbar nach dem Besuch an der Schule.
Schüler: "Haben T-Shirts und Hemden als Druckverbände benutzt"
Der 19-jährige Levi Lachmann ist Schüler am Welfen-Gymnasium und war als einer der Ersten bei den Opfern. Als Schulsanitäter wusste er, was zu tun ist. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Lachmann, Mitschüler hätten ihre Hemden und T-Shirts von sich gerissen, "haben die als Druckverbände benutzt, um die Blutungen zu stillen".
"Wir haben sterile Kompressen (...) aus unserem Sanitätsraum so schnell wie es geht geholt, haben die Wunden verbunden; Druckverbände gemacht mit den Mitteln, die wir hatten. Ja, und haben einfach versucht, die Leben unserer Mitschüler zu schützen und zu retten. Lehrer waren auch mit beteiligt, die haben auch mitgeholfen."
"Wir können über alles reden"
Der 19-Jährige lobte die Reaktion der Jugendlichen: "Wir Schüler können wirklich sehr, sehr stolz auf uns sein. Wir haben auch sehr viel Zuspruch von Eltern, von Lehrern bekommen, von den Direktoren, von der Schulleitung."
Aber auch die weniger positiven Erinnerungen bleiben: "Das hat uns alle sehr mitgenommen, vor allem, wenn man das so miterlebt hat. Aber die Schule hat uns Kriseninterventionsteams zur Verfügung gestellt. Wir können mit jeder Lehrkraft reden. Die suchen auch aktiv das Gespräch mit uns. Wir können über alles reden. Da wird sich Zeit genommen. (...) Aber gestern, der Tag, der bleibt unvergesslich erst mal."
Im Reel: Schüler wohl Lebensretter in Schongau
Unterstützung jetzt und im kommenden Schuljahr
Auch Kultusministerin Stolz sicherte der Schule auch Hilfe von Außen zu: "Ich habe der Schulfamilie jede Unterstützung zugesagt, die es jetzt braucht, und zwar jetzt in diesen so schweren Tagen, aber eben auch darüber hinaus, insbesondere im nächsten Schuljahr, weil es sehr viel Zeit brauchen wird, diese unfassbare Tat in der Schulfamilie aufzuarbeiten", so die Ministerin. Diese Zusage gelte nicht nur für das Gymnasium, sondern für alle Schulen auf dem Campus in Schongau.
"Aktuell haben wir hier ein Kriseninterventionsteam von uns vor Ort, vor allem zur psychologischen Beratung", berichtete Stolz. "Und wir werden im kommenden Schuljahr dann, wenn nötig, der Schulfamilie des Gymnasiums, aber eben auch der anderen Schulen auf dem Campus, weiteres Personal zur Verfügung stellen." Die Ministerin betonte: "Wir stehen hier als Schulfamilie eng zusammen mit den Lehrkräften und mit den Schülern." Sie dankte den Einsatzkräften, der Schulfamilie und der Schulleitung, die in dieser so schwierigen Situation professionell gehandelt hätten.
Mit Informationen von dpa.
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