Ein Mann mit schwarzem Käppi prügelt lautstark auf dem Bahnhofsgelände in Weiden auf seine Frau ein und flüchtet. Luca und Philipp sprinten ihm kurzerhand hinterher. Sie waren mit ihrer Gruppe aus Jugendlichen eigentlich dabei, sich das Stellwerk anzuschauen. Die Polizei ist sofort da, die Leitstelle schickt nach dem Notruf von Carlotta einen Rettungswagen. Dass es sich bei der Szene um eine Art Abschlusstest für ihre Schoolguard-Ausbildung handelt, merken die 13- und 14-Jährigen erst später.
Sie haben die Situation erkannt, haben gehandelt und Hilfe geholt. Und damit genau die Ausbildungsinhalte umgesetzt.
Wo drohen Gefahren? Wie erkenne ich sie? Wie hole ich Hilfe?
Seit 20 Jahren bilden in Weiden Landespolizei, Bundespolizei, BRK und Feuerwehr gemeinsam Jugendliche zu "Schoolguards" aus, die auf dem Schulweg und in der Schule Gefahren erkennen und handeln sollen. Dafür haben die 36 Jugendlichen ihre letzte Ferienwoche geopfert und einen klassischen Zivilcourage-Kurs durchlaufen, einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, sind in Brandschutz eingewiesen worden und haben vor allem mit den Beamten der Landes- und Bundespolizei über Gewalt- und Gefahrensituationen diskutiert und sie durchgespielt. Wo und wie drohen Gefahren? Wie erkenne ich sie? Wen und wie hole ich Hilfe? Und wie bringe ich mich selbst nicht dabei in Gefahr?
Die Jugendlichen treibt das Interesse in den Kurs, anderen zu helfen. Der ein oder andere hat schon mal eine Rangelei am ZOB erlebt. Andere wollen lernen, wie man in Gefahrensituationen für sich und andere richtig reagiert. Sie sind sehr interessiert und engagiert bei der Sache.
Richtiges Verhalten in brenzligen Situationen auch in Bus und Bahn
Zum Schulweg gehören auch Bus und Bahn. Deshalb haben am Weidener Bahnhof die Experten der Länderbahn in einem abgestellten Zug erklärt, wie man während der Fahrt den SOS-Ruf am besten bedient und mit dem Lokführer kommuniziert, wann man die Notbremse ziehen sollte und wann vor allem nicht. Die Bundespolizei gibt Tipps, welchen Sitzplatz man wählen kann, um gar nicht in die Gefahr einer Belästigung oder eines Diebstahls zu kommen.
Schon knapp 600 Jugendliche haben Polizei, BRK und Feuerwehr gemeinsam schon zu "Schoolguards" ausgebildet in den vergangenen 20 Jahren. Die Zusammenarbeit der Organisationen ist in der Form einzigartig in Bayern. Die Schüler stammen jeweils aus allen Schularten. Der große Hintergedanke sei, dass einfach jemand helfe in brenzligen Situationen, sagt Kontaktbeamter Manuel Ott von der Polizei in Weiden.
Etwas fürs Leben gelernt
Eine Schülerin hat vor einigen Jahren kurz nach ihrem Kurs einem Familienangehörigen mit einer Reanimation das Leben gerettet. Andere engagierten sich daraufhin bei Feuerwehr, BRK oder wollen sich bei der Polizei bewerben. In jedem Fall aber sind die Jugendlichen überzeugt, dass sie fürs Leben was gelernt haben, etwa wie man mit dem Feuerlöscher umgeht, wie man eine Reanimation startet oder welche Gefahren überhaupt auf dem Schulweg und in der Schule lauern. Auch welche Dynamik Mobbing annehmen kann.
Gut 80 Schoolguards gibt es derzeit an den Weidener Schulen, jetzt kommen 36 neue dazu. Ihre Urkunden bekommen sie Mitte Oktober vom Weidener Oberbürgermeister überreicht. Im Einsatz sind sie ab sofort.
Die angehenden "School-Guards" werden von Polizisten geschult
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